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    Die A110 als Abschiedsgruss: Alpine dreht in Paris am Zeitrad

Paris, «Retromobile», Ende Januar: Während sich andere Hersteller dort mit Chrom und Nostalgie eincremen, macht Alpine etwas Unbequemes – sie zeigt, wie brutal konsequent Leichtbau sein kann. Drei A110 stehen am Stand, drei Tonlagen derselben Idee: erst romantisch, dann rabiat, am Schluss radikal. Wer das für Dekoration hält, hat Alpine nicht verstanden – das ist eher französischer Starrsinn auf Rädern.

Vom 28. Januar bis 1. Februar 2026 stellt Alpine die A110 ins Zentrum der «Retromobile» in Paris – passend zum 70-jährigen Markenjubiläum. Das Trio spannt den Bogen von der Berlinette-Ära bis zur extremsten A110 aller Zeiten. Und nebenbei läuft ein Countdown: Die aktuelle A110-Generation wird Ende Juni 2026 eingestellt, bestellbar sind die letzten Exemplare noch bis Ende März – als A110, A110 GTS und als limitierte A110 R 70.

Historisch beginnt’s mit der Alpine A110 1600 SX, einer der letzten in Dieppe (F, Normandie) gebauten Berlinettes. Baujahr 1977, seit Auslieferung in derselben Hand – und in seltenem «Vert Normandy», bei Fans «Berliverte». Technik wie ein Manifest: Backbone-Chassis, Carrosserie aus Glasfaser/Polyester, Heckmotor, Hinterradantrieb. Der 1’647-ccm-Vierzylinder leistet 95 PS, das Auto wiegt 790 kg, läuft 195 km/h – und zeigt, wie wenig Masse braucht, um viel Gefühl zu liefern.

Daneben steht die härtere Wahrheit: die A110 1800S Group 4, ein echter Werksrennwagen von 1975. 1796 ccm, 170 PS, verstärktes Fünfganggetriebe, Hinterradantrieb – bei nur 710 kg. Dazu eine Historie, die nicht nacherzählt werden muss, weil sie sich selbst erklärt: Platz zwei bei der Tour de Corse 1975 (Nicolas/Laverne) und Gesamtsieg bei der Tour Auto auf Réunion 1976 (Ragnotti/Aujoulet), plus Einsätze bei San Remo 1975 und Monte Carlo 1976.

Und dann die Gegenwart mit Rennstrecken-Blick: die Alpine A110 R Ultime «La Bleue». Strassenzulassung, aber mit eindeutigem Schwerpunkt – Aerodynamik, Fahrwerk, Bremsen und Antrieb sind konsequent nachgeschärft. Bis zu 345 PS und 420 Nm treffen auf knapp 1100 kg, 0–100 km/h in 3,8 Sekunden. Öhlins-Fahrwerk, Michelin Cup 2, ein eigenes Aero-Paket und Motorkomponenten aus dem GT4-Kundensportprogramm – also aus jener Rennklasse für seriennahe GT-Fahrzeuge. Limitiert auf 110 Stück, die Auslieferung läuft.

Und ja, sie kostet entsprechend: In der Schweiz startet die A110 R Ultime gemäss Schweizer Unterlagen ab 245 000 Franken. In Europa wird ein Basispreis von 265 000 Euro genannt, die Sonderausführung «La Bleue» liegt bei 330 000 Euro. Dafür gibt’s auch das bislang umfangreichste Individualisierungsprogramm: 27 Carrosseriefarben, diverse Designs sowie Farben für Felgen und Bremssättel, plus viele Interieur-Optionen. «La Bleue» spielt das blaue Alpine-Erbe mit einem handaufgetragenen Verlauf aus: vorne Bleu Alpine, hinten Bleu Abysse – im Werk in Dieppe von Hand lackiert.

Am Ende wirkt der Auftritt wie eine hübsche Zeitreise – ist aber eher eine saubere Bilanz. Die Berlinette zeigt die Idee, der Werksrenner den Anspruch, die Ultime die letzte Eskalationsstufe. Und wenn Ende Juni 2026 in Dieppe das Licht für die A110 ausgeht, bleibt vor allem diese Erkenntnis: Leichtbau ist kein Retro-Filter. Es ist eine Haltung. 

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