Von Heinz Schneider (Text)

Wenn am Samstag, 3. Oktober 2026, in St. Prex wieder die Hauben glänzen, die Speichenräder funkeln und irgendwo zwischen Seeufer und Altstadt ein Reihensechser mit diskretem Räuspern zum Leben erwacht, dann ist klar: Die Briten sind zurück. Nicht die mit Tee und Bowler Hut, sondern jene auf vier Rädern – manchmal vornehm wie ein Club-Sessel, manchmal launisch wie ein Herbstmorgen am Genfer See, aber immer mit Stil.

Das «Swiss Classic British Car Meeting» gehört längst zu jenen Veranstaltungen, die man im Kalender nicht einfach einträgt, sondern beinahe zelebriert. Am 3. Oktober 2026 findet das ungezwungene Treffen bereits zum 34. Mal statt. Früher pilgerten Besitzer und Bewunderer klassischer britischer Fahrzeuge nach Morges, seit einigen Jahren aber hat St. Prex die Gastgeberrolle übernommen – und man darf sagen: Der Ortswechsel steht dem Anlass ausgezeichnet. Der Genfer See liefert die Kulisse, die alten Mauern von St. Prex den Charme, und die Fahrzeuge bringen jene Mischung aus Noblesse, Technik und liebenswerter Eigenwilligkeit mit, die britische Klassiker so unwiderstehlich macht.

Eingeladen sind klassische Fahrzeuge britischer Herkunft, die vor 1988 gebaut wurden. Damit ist das Feld weit und reizvoll: vom kernigen MG über den sportlich-duftigen Triumph bis zum souverän dahinrollenden Jaguar, vom Mini mit Terrier-Charakter bis zum Rolls-Royce, der selbst im Stand so wirkt, als habe er gerade einen Butler entlassen. Ausnahmen von der Altersregel gelten für Rolls-Royce, Aston Martin, Mini, Lotus, Morgan, Caterham und McLaren – Marken also, bei denen britischer Automobilgeist auch nach 1988 noch sehr lebendig über die Strassen rollte. Voraussetzung bleibt selbstverständlich, dass alle Fahrzeuge den geltenden gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Charme ist erlaubt, Ölverlust nicht zwingend ein Ausweis von Authentizität.

Das Schöne an diesem Treffen ist seine entspannte Art. Es geht nicht um Absperrbänder, VIP-Zonen oder polierte Eitelkeiten. Hier trifft man sich, schaut, fachsimpelt, staunt und entdeckt. Vielleicht steht neben einem perfekt restaurierten Aston Martin ein Morgan mit Patina, die man nicht kaufen kann. Vielleicht parkiert ein Lotus so niedrig am Boden, dass man beim Einsteigen kurz über die eigene Gelenkigkeit nachdenkt. Und irgendwo wird garantiert jemand erzählen, dass sein Klassiker «eigentlich immer zuverlässig» sei – was bei britischen Fahrzeugen bekanntlich ein Satz ist, der Mut, Liebe und gelegentlich auch Humor verlangt.

Reservierte Plätze gibt es keine. Die Fahrzeuge werden in der Reihenfolge ihrer Ankunft platziert, ein bestimmter Stellplatz kann nicht garantiert werden. Doch in St. Prex hat bisher noch jedes Auto ein schönes Plätzchen gefunden. Und genau das passt zum Charakter des Anlasses: Wer früh kommt, steht vielleicht näher am Wasser; wer später kommt, steht dafür neben einem Auto, das man schon lange einmal aus der Nähe sehen wollte. Der Zufall ist hier kein Organisationsmangel, sondern Teil des Charmes.

Zur Deckung der Organisationskosten wird pro Fahrzeug ein Beitrag von 20 Franken erhoben. Das Geld fliesst vollständig in die Infrastruktur, damit der Anlass reibungslos über die Bühne geht – oder besser gesagt: über den Asphalt rollt. Denn bei aller Leichtigkeit braucht auch ein britisches Rendezvous am See eine solide Organisation im Hintergrund. Sonst würde aus Understatement schnell Chaos, und das wollen keinesfalls die Besitzer von Fahrzeugen mit Lucas-Elektrik.

So wird St. Prex am 3. Oktober wieder zum kleinen Königreich auf Rädern. Ein Ort, an dem Leder nach Geschichten riecht, Chrom die Herbstsonne einfängt und Motorhauben nicht einfach geöffnet, sondern mit fast zeremonieller Hingabe präsentiert werden. Wer britische Klassiker liebt, findet hier mehr als Autos: Er findet Atmosphäre, Gespräche, Erinnerungen und jene feine Portion automobiler Exzentrik, die kein Datenblatt erklären kann.

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter british-cars.ch. Schriftliche Anfragen können an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. gerichtet werden.