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    Ferrari-Leuchten, Lachgas, Dudelsack: Clarkson verkauft Fernsehgeschichte

Dennis Schneider (Text)

Jeremy Clarkson schickt drei Autos aus seiner Zeit bei The Grand Tour zur Auktion. Wer mitbietet, kauft nicht bloss altes Blech, sondern Fernsehgeschichte – inklusive Ferrari-Rückleuchten, störrischem Alfa-Getriebe und Dudelsack im Kofferraum.

Helden verkaufen keine Erinnerungen. Sie stellen sie in eine Halle, erzählen dieselbe Geschichte zum hundertsten Mal und nennen das Sammlung. Jeremy Clarkson macht nun das Gegenteil: Er schickt drei seiner bekanntesten Grand-Tour-Autos zur Auktion – ohne Mindestpreis.

Für eine Generation von Autofans war Clarkson nie bloss Moderator. Er machte aus Fahrberichten Unterhaltung, hielt Vernunft für überschätzt und leitete mit der Frage «How hard can it be?» zuverlässig eine mittelschwere Katastrophe ein. Gemeinsam mit Richard Hammond und James May bewies er, dass Autojournalismus gleichzeitig kenntnisreich, kindisch, grossartig und vollkommen daneben sein kann. Oft innerhalb derselben fünf Minuten.

Am 14. November versteigert Iconic Auctioneers an der NEC Classic Motor Show in Birmingham einen Lancia Montecarlo Spider von 1982, einen Alfa Romeo GTV6 von 1983 und einen Lincoln Continental Mark V von 1978. Clarkson behielt alle drei nach den Dreharbeiten. Schätzpreise gibt es bislang nicht, alle Lose werden ohne Mindestpreis angeboten. Zum Zuschlag kommen 15 Prozent Käuferaufgeld inklusive Mehrwertsteuer.

Clarkson erklärt, er komme kaum noch dazu, die «sehr besonderen und ziemlich berühmten» Autos zu fahren. Deshalb seien sie bei Menschen besser aufgehoben, die das könnten. Näheres soll die kommende Staffel von Clarkson’s Farm zeigen.

Der Lancia: das letzte Auto

Der Lotus-blaue Lancia Montecarlo ist das emotionale Zentrum des Trios. Clarkson fuhr ihn in One for the Road, der letzten gemeinsamen Reise mit Hammond und May als Hauptmoderatoren von The Grand Tour. Die Route führte durch Simbabwe nach Botswana – und zurück zu jenem Ort, an dem Clarkson seinen Lancia Beta aus dem Top-Gear-Botswana-Special von 2007 wiedertraf.

Für die Dreharbeiten erhielt der Montecarlo Ferrari-308-Rückleuchten, vier Endrohre sowie Räder, Scheinwerfer und Kühlergrill des Lancia Delta Integrale. Dazu kamen Stoffsitze und ein Alcantara-Rennlenkrad. Das Resultat ist kein originaler Montecarlo mehr. Es ist aber der originale Clarkson-Montecarlo. Der Purist sieht einen Tatort. Der Fan ein Echtheitszertifikat.

Nach dem Dreh kaufte Clarkson den Wagen; Max500 Ltd brachte ihn später wieder in Form. Der Kilometerzähler zeigt 62 740 Meilen (rund 101 000 Kilometer). Offen bleibt, welche Film- und Reiseschäden repariert wurden und ob die ausgebauten Originalteile noch existieren.

Der Alfa: der eigentliche Klassiker

Der Alfa Romeo GTV6 spielte 2019 in Well Aged Scotch mit. Clarkson jagte ihn über die schottische North Coast 500. Der Alfa lieferte, was ein alter Italiener für gutes Fernsehen liefern muss: Klang, Charakter, ein widerspenstiges Getriebe – und schliesslich eine defekte Kardanwelle.

Für klassische Sammler ist er wohl der interessanteste Kandidat. Der 2,5-Liter-Busso-V6, das Transaxle-Layout und die Giugiaro-Linien brauchen keinen Prominentenbonus. Laut Auktionshaus stehen lediglich 28 315 Meilen (rund 45 600 Kilometer) auf dem Zähler. Die Angabe, der Wagen sei «in-house» gewartet worden, ist allerdings eher Nebelmaschine als Servicehistorie. Ein Busso-V6 klingt herrlich. Rechnungen ersetzt er nicht.

Der Lincoln: fünf Meter achtzig Pointe

Der Lincoln Continental Mark V stammt aus dem 2021 veröffentlichten Schottland-Special Lochdown. 5,84 Meter Länge, 6,6 Liter Hubraum und eine Motorhaube mit eigenem Horizont: Das ist weniger Automobilbau als amerikanische Innenarchitektur mit Nummernschildern. Der Kilometerzähler zeigt 68 285 Meilen (rund 109 900 Kilometer).

Für die Sendung erhielt der Lincoln eine Lachgaseinspritzung, die noch immer montiert ist. Im Kofferraum liegen weiterhin die Dudelsäcke aus dem Film; im Armaturenbrett sitzt jene Cartier-Uhr, die Clarkson besonders faszinierte. Der Wagen trägt seine Fernsehrolle nicht bloss in der Historie. Er transportiert sie gleich mit.

Ob ein Käufer hier ein Auto oder eine Requisite erwirbt, bleibt Ansichtssache. Die NOS-Anlage müsste technisch und rechtlich geprüft werden. Und die schiere Grösse macht den Mark V in Europa ungefähr so alltagstauglich wie einen Billardtisch im Treppenhaus. Aber Alltagstauglichkeit war bei Clarkson nie die entscheidende Währung.

Wenn der Umbau zum Original wird

Für den Markt bilden die Autos einen reizvollen Widerspruch. Bei einem gewöhnlichen Klassiker drücken Umbauten, fehlende Originalteile und mögliche Drehschäden den Wert. Bei einem bekannten Filmauto können genau dieselben Dinge den Preis erhöhen. Die Ferrari-Rückleuchten des Lancia sind für Puristen ein Vergehen. Für Fans sind sie der Beweis, dass es tatsächlich dieses Auto ist.

Darum müssen zwei Werte getrennt werden: der Wert des Fahrzeugs und der Wert seiner Geschichte. Der Alfa besitzt den stärksten klassischen Grundwert. Der Lancia trägt die grösste emotionale Provenienz, weil er für das Ende einer TV-Ära steht. Der Lincoln ist die spektakulärste Requisite – komplett mit Lachgas, Cartier und Dudelsack.

Vor einem Gebot bräuchte es für jedes Auto drei Zustandsbilder: vor dem Dreh, nach dem Dreh und heute. Welche Umbauten sind rückbaubar? Welche Originalteile existieren noch? Welche Schäden entstanden vor laufender Kamera? Fernsehgeschichte ersetzt keine technische Prüfung. Sie macht sie nur teurer.

Clarkson fragte gerne: «How hard can it be?» Bei dieser Auktion lautet die bessere Frage: Wie teuer werden drei alte Autos, wenn Millionen Menschen ihre Geschichten kennen?

Vermutlich teurer, als ihr Zustand allein rechtfertigt. Aber Erinnerungen wurden noch nie nach Zustandsnote bezahlt.