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    Im Dolder fällt der Hammer für Schweizer Autogeschichte

Dennis Schneider (Text)

Ein Schweizer Luxusliner, ein Aston Martin nach Mass und ein Flügeltürer mit Comicgeschichte: Broad Arrow versteigert am 7. November im Zürcher Dolder Grand mehr als 80 Sammlerfahrzeuge. Darunter sind einige, die weit mehr zu bieten haben als einen stolzen Schätzpreis.

Ein Ferrari mit gerade einmal 92 Kilometern auf dem Zähler soll bis zu 7,5 Millionen Franken bringen. Wer im Auktionskatalog nur den grossen Zahlen folgt, verpasst allerdings einiges. Die zweite Zürcher Auktion von Broad Arrow, in Partnerschaft mit der Auto Zürich, bietet auch eigenständige Schweizer Automobilgeschichte. Allen voran ein Monteverdi High Speed 375/4 von 1975.

Peter Monteverdi verband in Binningen amerikanische V8-Kraft mit italienischer Carrosseriekunst. Innerhalb seiner High-Speed-Familie übernahm der 375/4 die Rolle der viertürigen Luxuslimousine. Unter der langen Haube arbeitet ein 7,2-Liter-V8 von Chrysler, beim angebotenen Wagen gekoppelt an eine Dreigangautomatik. Das Konzept hatte eine gewisse Unverfrorenheit: Eine kleine Schweizer Marke wollte dort mitspielen, wo sich die etablierte Oberklasse eingerichtet hatte.

Das Exemplar mit der Fahrgestellnummer 3115 wurde laut Katalog im Februar 1975 erstmals in der Schweiz zugelassen. Der heutige Besitzer übernahm es 2016 und liess es bis 2020 umfassend restaurieren. Seither präsentiert sich die Limousine in Silbergrau mit schwarzem Leder. Broad Arrow nennt einen Schätzpreis von 185 000 bis 230 000 Franken.

Noch eigenwilliger fällt der zweite Schweizer Schwerpunkt aus. Der Aston Martin Lagonda Series 3 von 1987 war schon als Limousine ein rollender Gegenentwurf zum guten alten britischen Understatement. Seine scharf gezeichnete Keilform stammte von William Towns. Roos Engineering machte daraus im Kundenauftrag einen Shooting Brake – einen exklusiven Kombi, dessen Umbau 1996 begann und 2000 abgeschlossen wurde.

Die Arbeit ging weit über ein neues Heck hinaus. Nach der Katalogbeschreibung wurden unter anderem die Mechanik überholt, die Elektrik erneuert und die Scheiben nach Mass angefertigt. Beat Roos erklärte 2024 in einem Interview mit der «Automobil Revue», dass die nach hinten abfallende Dachlinie erhalten bleiben musste; Chassis und wesentliche Verstärkungen seien unverändert geblieben.

Gerade darin liegt der Reiz dieses Einzelstücks: Die neue Form führt den ursprünglichen Entwurf weiter. Geschätzt wird der Lagonda auf 250 000 bis 350 000 Franken. Er wird ohne Mindestpreis angeboten.

Grosse Automobilgeschichte bringt der Mercedes-Benz 300 SL von 1955 mit. Beim Flügeltürer ergab sich die berühmte Türform aus dem hoch bauenden Gitterrohrrahmen. Dazu kamen die Benzindirekteinspritzung und die enge Verwandtschaft mit dem erfolgreichen Rennsportwagen von 1952. Der 1954 vorgestellte Serien-SL machte Rennsporttechnik für zahlungskräftige Strassenfahrer zugänglich.

Der in Zürich angebotene rote Wagen liefert eine zusätzliche Geschichte. Als Erstbesitzer nennt Broad Arrow den amerikanischen Zeichner Alex Raymond, den Schöpfer von «Flash Gordon» und «Rip Kirby». Später gehörte der 300 SL dem BBS-Mitgründer Klaus Brand, bevor er 1994 über den Schweizer Spezialisten Hans Hürlimann in die Familie des heutigen Einlieferers gelangte. Der Schätzpreis liegt bei 1,35 bis 1,65 Millionen Franken.

Beim BMW M1 von 1981 führt die Spur ebenfalls in die Schweiz. Laut Katalog wurde er neu an Seger & Hoffmann geliefert, jene Firma, die Carrosserien für die M1-Procar-Rennwagen fertigte. Die Procar-Serie brachte 1979 und 1980 Formel-1-Piloten und Sportwagenfahrer in gleichen Autos gegeneinander auf die Strecke; die Titel gewannen Niki Lauda und Nelson Piquet.

Das Zürcher Los ist ein Strassenwagen mit einer bewegten Vergangenheit: ursprünglich weiss, später rot lackiert und beim Wiederaufbau mit dem Motor eines anderen M1 ausgestattet. Erwartet werden 450 000 bis 500 000 Franken.

Der Audi Sport quattro von 1985 steht für die Verbindung zwischen Strasse und Rallyesport in der Gruppe-B-Ära. Audi baute die auf 214 Fahrzeuge begrenzte Serie für die Homologation. Kurzer Radstand, Allradantrieb und ein aufgeladener Fünfzylinder mit 306 PS machten aus dem ohnehin eigenständigen quattro eine ausgesprochen konzentrierte Fahrmaschine. Für das rote Zürcher Exemplar nennt Broad Arrow 680 000 bis 780 000 Franken.

Eine andere Spielart des Sportwagenbaus verkörpert der De Tomaso Mangusta von 1969, geschätzt auf 230 000 bis 275 000 Franken. Giorgetto Giugiaro zeichnete seine flache Carrosserie während seiner Zeit bei Ghia. Die zweigeteilte, nach oben öffnende Motorabdeckung ist bis heute sein Erkennungszeichen. Darunter sitzt ein Ford-V8. Italienische Form und amerikanischer Motor: Was bei Monteverdi zur grossen Reiselimousine wurde, trat hier als kompromisslos flacher Mittelmotor-Sportwagen auf.

Mit deutlich jüngerer Technik erinnert der Mercedes-Benz SLR McLaren Stirling Moss von 2009 an einen berühmten Sieg. Die auf 75 Exemplare begrenzte Ausführung nimmt Bezug auf die Mille Miglia 1955, die Stirling Moss mit Beifahrer Denis Jenkinson im 300 SLR gewann. Der moderne Namensvetter verzichtet auf Dach und Windschutzscheibe. Für das angebotene Exemplar liegt die Schätzung bei 2,5 bis 3 Millionen Franken. Er stammt aus der Schlussphase der gemeinsamen SLR-Ära von Mercedes-Benz und McLaren.

Den grössten angekündigten Schätzpreis trägt der LaFerrari von 2015: 5,5 bis 7,5 Millionen Franken, ebenfalls ohne Mindestpreis. Mit dem 2013 vorgestellten Modell brachte Ferrari erstmals einen Hybridantrieb in ein Strassenauto der Marke. V12 und Elektromotor liefern zusammen 963 PS. Das Zürcher Exemplar in Bianco Fuji zeigt laut Katalog erst 92 Kilometer.

Fast unbenutzt bedeutet allerdings keineswegs kostenlos konserviert. Der Katalog beschreibt den Austausch der Hochvoltbatterie und weitere Arbeiten bei Ferrari-Händler Rossocorsa in Mailand; die dafür vorliegende Rechnung soll über 200 000 Euro betragen. Auch moderne Sammlerautos altern im Stand.

Prominenz bringt zusätzlich Nick Heidfelds BMW 3.0 CSL von 2023 ins Angebot, einer von 50 gebauten Wagen. Das Auktionshaus nennt 900 000 bis 1,2 Millionen Franken. Der Wagen interpretiert den berühmten Tourenwagen der 1970er-Jahre neu.

Zum Schluss wartet KITT – mit einer wichtigen Präzisierung. Der Pontiac Firebird Trans Am von 1982 ist laut Katalog ein für David Hasselhoffs europäische Auftritte eingesetztes Promotions- und Tourfahrzeug, umgebaut nach Plänen des Fernsehvorbilds. Als Drehfahrzeug der Serie «Knight Rider» wird er damit nicht ausgewiesen. Seine Geschichte führt auch ins Schweizer Fernsehen: Für den 26. November 1990 vermerkt der Katalog einen Studioauftritt mit Beni Thurnheer.

Teile der Instrumentenelektronik wurden später ersetzt. Geschätzt wird das Auto auf 250 000 bis 500 000 Franken; für den Strassenverkehr ist es laut Anbieter nicht zugelassen. Für die Heimfahrt auf eigener Achse reicht der Prominentenbonus also nicht.

Die Auktion findet am Samstag, 7. November 2026, im Dolder Grand in Zürich statt. Alle genannten Beträge sind Schätzpreise. Zum Zuschlag kommen Käuferaufgeld und gegebenenfalls Steuern hinzu. Fahrzeugbezogene Angaben zu Besitzern, Zustand und Arbeiten stammen aus den Beschreibungen des Auktionshauses.