Dennis Schneider (Text)
Der Lamborghini Miura P400S aus der Schweizer Sammlung der Brüder Keller ist verkauft. Bonhams meldet umgerechnet rund 1 606 500 Franken inklusive Käuferaufgeld. Zur ursprünglichen Farbe gibt es einen neuen Nachtrag. Die Kupplung bleibt ein Fall für die Werkstatt.
Ein Miura muss offenbar nicht einwandfrei kuppeln, um einen Millionenpreis zu erzielen. Der P400S von 1970 mit der Chassisnummer 4578 wurde am Sonntag, 11. Oktober 2026, bei der «Zoute Sale» im belgischen Knokke-Heist ohne Mindestpreis verkauft. Wer Los 131 ersteigert hat, nennt Bonhams in der öffentlichen Ergebnisanzeige nicht.
Die vorherige Schätzung entsprach rund 1,49 bis 1,86 Millionen Franken. Sie bezog sich auf den Zuschlag ohne Käuferaufgeld; im Verkaufsergebnis ist die Käuferprovision bereits enthalten. Bonhams weist den reinen Zuschlag nicht separat aus. Die beiden Preisangaben lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen. Allfällige Steuern und Importabgaben können zusätzlich anfallen.
Die Schweizer Geschichte begann am 30. Mai 1970 mit der Lieferung an Garage Foitek in Zürich. Laut Bonhams gehört der Wagen zu den 114 späten P400S mit belüfteten Bremsscheiben. Zwischen 1985 und 1995 war er im Besitz eines Zürchers. Ende 2014 oder Anfang 2015 gelangte er über Martini Garage in Heilbronn in die Keller-Sammlung.
Seine Akten sprechen mehrere Farbsprachen. Lamborghini-Unterlagen nennen Bianco, also Weiss, mit schwarzem Interieur. Bei Bertone sowie in den Aufzeichnungen des Verkaufsleiters Ubaldo Sgarzi und des Werksfahrers Enzo Moruzzi steht dagegen Arancio Miura mit schwarzem Leder. Heute trägt der Wagen Gelb.
Dazwischen liegt eine mutmassliche Originalverkaufsrechnung vom 2. Juli 1970 über 54 500 Franken, die in Kopie vorliegt. Sie ist an Baron T de Graffenried in Lausanne adressiert und beschreibt den Wagen als fabrikneu und rot. Bonhams verbindet den Namen mit dem Rennfahrer und späteren Autohändler Emmanuel «Toulo» de Graffenried. Der Aussteller ist jedoch unklar; der prominente Erstbesitzer bleibt damit eine Zuschreibung.
Im aktuellen Auktionsnachtrag bestätigt Bonhams nach weiteren Recherchen nun eine Auslieferung an Foitek in Arancio. Welche zusätzlichen Belege diese Aussage stützen, erläutert die kurze Mitteilung nicht.
Eine vollständige Lack- und Reparaturgeschichte ergibt sich daraus noch nicht. Auch die von Bonhams angegebene Nummerngleichheit von Motor und Carrosserie beantwortet nicht, welche Substanz über die Jahrzehnte erhalten blieb. Vier Farbangaben belegen keine vier Lackierungen. Dafür müssten die Dokumente mit Lackresten und früheren Reparaturen am Fahrzeug abgeglichen werden.
Die Sammlung entstand aus der gemeinsamen Leidenschaft von Christian Keller, nach eigenen Angaben Ingenieur, und seinem älteren Bruder. Ein Alfa Romeo Alfasud gab ihrer Begeisterung früh Schub; das erste eigentliche Sammlerstück war ein Maserati Ghibli. Nach dem Tod seines Bruders entschied Christian Keller, sich von der Sammlung zu trennen. Zwölf Fahrzeuge wurden ohne Mindestpreis angeboten.
Beim Miura steht vor dem Strasseneinsatz eine technische Wiederinbetriebnahme an. Nach längerer statischer Ausstellung wurde der Motor vor der Auktion zwar zum Laufen gebracht. Die Kupplung arbeitet laut Nachtrag aber nicht korrekt; Bonhams vermutet einen defekten Kupplungsnehmerzylinder.
Auch der Countach 25th Anniversary von 1989 aus derselben Sammlung fand einen Käufer: rund 482 000 Franken inklusive Aufgeld. Seit 2014 stand er in Schweizer Besitz. Bonhams konnte seinen Motor vor der Auktion nicht zum Laufen bringen und hält neben einer gründlichen Wiederinbetriebnahme auch umfangreichere mechanische Arbeiten für möglich. Die Auktion funktionierte. Die Technik hat Nachholbedarf.