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    Jaguar E-Type: Mit Vollgas zur Weltpremiere in Genf

Dennis Schneider (Text)

Vor 65 Jahren wurde der Jaguar E-Type in Genf zur Sensation. Hinter der Weltpremiere stecken zwei eilige Nachtfahrten, ein Ansturm auf die Vorführwagen und ein drittes Auto, dessen Geschichte tief in die Schweiz führt.

Die Form war atemberaubend. Der Zeitplan auch. Bevor Jaguar im März 1961 mit dem E-Type die Autowelt begeisterte, musste Presseverantwortlicher Bob Berry überhaupt rechtzeitig in Genf ankommen.

Der grosse Termin war der 15. März 1961. Im Parc des Eaux-Vives stellte Firmenchef Sir William Lyons seinen neuen Sportwagen der Presse vor. Am folgenden Tag öffnete der Genfer Autosalon seine Türen. Der E-Type war bereit für die Welt. Die Anreise seines Vorführwagens war allerdings eine Geschichte für sich.

Berry sass im grauen Coupé mit dem britischen Kennzeichen 9600 HP. Er nahm die Mitternachtsfähre ab Dover und geriet zwischen Calais und Reims in Nebel. Ein ungünstiger Begleiter, wenn der Chef in Genf ein Auto erwartet.

Gerade noch 20 Minuten blieben laut Jaguar Daimler Heritage Trust bis zur Präsentation. Die britische gemeinnützige Organisation bewahrt historische Fahrzeuge und die Archive von Jaguar und Daimler. Das Coupé wurde rasch sauber gewischt. Nach der Nachtfahrt musste es nun so aussehen, als wäre die ganze Angelegenheit bestens geplant gewesen.

Doch die Journalisten wollten den Wagen nicht bloss bewundern. Sie wollten erleben, was er konnte. Der Andrang auf die Demonstrationsfahrten war so gross, dass Lyons Nachschub aus Coventry anforderte: einen zweiten E-Type und einen Fahrer, der wusste, wie man Strecke macht.

Nun kam Norman Dewis zum Zug. Jaguars Test- und Entwicklungsingenieur brachte den grünen Roadster mit dem Kennzeichen 77 RW nach Genf. Die Stiftung beziffert diese Nachtfahrt auf 17 Stunden. Berry im Coupé, Dewis im Roadster: zwei verschiedene Überführungen, aus denen später eine einzige grosse Genfer Legende wurde.

Das Auto lieferte genügend Stoff dafür. Aerodynamiker Malcolm Sayer gab dem E-Type seine lange Haube und die niedrige, geschmeidige Silhouette. Darunter steckten ein 3,8-Liter-Reihensechszylinder, eine selbsttragende Struktur mit vorderem Hilfsrahmen und eine unabhängige Hinterradaufhängung. Die Schönheit hatte ein technisches Fundament, gewachsen aus Jaguars Rennsporterfahrung und den Entwicklungsfahrzeugen E1A und E2A.

Zur Premiere gehörte aber noch ein drittes Auto: das Coupé mit der Chassisnummer 885005 für den Salonstand. Es war bereits vor der Ausstellung in Genf eingetroffen. Bei der örtlichen Jaguar-Vertretung, der Garage Place Claparède, fanden die letzten Vorbereitungen statt. Hinter dem grossen Auftritt stand also auch Schweizer Werkstattarbeit.

Dieses Coupé blieb nach dem Salon in der Schweiz. 2002 gelangte es zu Jaguar-Spezialist Georg Dönni in Roggliswil. Für den Käufer Christian J. Jenny wurde der historisch bedeutende Wagen aufwendig restauriert.

Dr. Christian J. Jenny aus Thalwil am Zürichsee zählt zu den international bekannten Schweizer Jaguar-Sammlern und Kennern der Marke. Über Jahrzehnte trug er aussergewöhnliche Sportwagen zusammen, von frühen SS-Modellen über XK 120 und C-Type bis zum E-Type. Seine Sammlung zeichnet die Entwicklung der britischen Sportwagen nach.

Bei der Restaurierung hatte auch das Blech einiges zu erzählen. Das Genfer Ausstellungsauto war ursprünglich als Roadster angelegt und erst danach zum Coupé aufgebaut worden. Spätere Änderungen an Carrosserie und Technik mussten zurückgenommen werden. Gefragt war genaue Rekonstruktionsarbeit: Die Besonderheiten dieses frühen Wagens sollten ebenso erhalten bleiben wie möglichst viel seiner ursprünglichen Substanz.

2005 stand 885005 wieder auf dem Jaguar-Stand in Genf. 44 Jahre nach der Premiere kehrte der Wagen an seinen Schweizer Schauplatz zurück. 2011 folgte der nächste Auftritt zum 50. Geburtstag des E-Type.

Auch die beiden berühmten Überführungsautos überlebten. Das Coupé 9600 HP liess Jaguar-Autor Philip Porter restaurieren. Der ebenfalls umfassend restaurierte Roadster 77 RW gilt als der älteste erhaltene offene E-Type.

Genf war damit weit mehr als eine Kulisse. Hier wurde der E-Type zur öffentlichen Sensation, hier begann auch die Schweizer Geschichte eines seiner wichtigsten frühen Exemplare. Coventry lieferte die Form. Genf den grossen Auftritt. Für die Dramaturgie sorgten zwei Fahrer mit sehr wenig Zeit.

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