Von Heinz Schneider (Text und Fotos)
Kia ist derzeit mit einer solchen Konsequenz elektrisch unterwegs, dass man beinahe meinen könnte, Benzin sei in Seoul längst aus dem Firmenwortschatz gestrichen worden. EV3, EV4, EV5, EV6, EV9 – die Modellpalette klingt stellenweise wie die Inventarliste eines Elektronikmarkts. Doch ganz so radikal haben die Koreaner die Verbrennerwelt nicht entsorgt. Es gibt sie noch, die Autos mit Tankdeckel, Auspuff und jenem beruhigenden Wissen, dass nach fünf Minuten an der Zapfsäule wieder für viele hundert Kilometer Ruhe herrscht.
Eines davon ist der K4. Er tritt die Nachfolge des Ceed an und rollte als Sportswagon vor der Redaktion vor. Und das nicht gerade auf leisen optischen Sohlen. Der K4 wirkt selbstbewusst, kantig und präsent. Kia hat längst aufgehört, sich gestalterisch irgendwo zwischen Toyota, Opel und VW einzureihen. Die Koreaner machen ihr eigenes Ding. Und das ziemlich gut.
Interessant ist auch, was unter dem Blech nicht passiert. Kia verzichtet auf die Elektrifizierung des Antriebs. Kein Mildhybrid, kein kleiner Elektromotor im Getriebe, kein Riemenstartergenerator, der beim Anfahren noch ein paar Newtonmeter beisteuert. Nichts. Vorne arbeitet ein Benzinmotor, hinten kommt Gepäck hinein. Das Konzept hat eine wohltuende Klarheit.
Und Gepäck darf es reichlich sein. Mit knapp 4,70 Metern Länge ist der Sportswagon ein stattliches Auto mit grosszügigen Platzverhältnissen. Ins Heck passen 604 Liter, mit umgelegten Rücksitzlehnen sind es 1439 Liter. Damit taugt er für Ferienkoffer, Kinderwagen, Sportgerät und nimmt gleichzeitig auch kleine Kommoden Huckepack.
Unser Testwagen tritt als GT-Line ab 42 950 Franken an. Da wird einiges geboten – zum Beispiel Parksensoren, Rückfahrkamera, Privacy-Verglasung, heizbare Vordersitze und ein beheizbares Lenkrad. Dazu kommt die Kia-Garantie über sieben Jahre. Das freut nicht nur Neuwagenkäufer, sondern hilft auch beim Wiederverkauf.
Weniger entspannend ist die elektronische Assistenzabteilung. Praktisch alles ist an Bord, was heute schützen, warnen, bremsen, lenken und aufmerksam machen soll. Sinnvoll, keine Frage. Nur hat die Sache einen akustischen Haken. Der K4 warnt, bimmelt, tönt und mahnt mit einer Hingabe, als hätte er nebenbei eine Stelle als Pausenaufsicht angenommen. Einige Helfer lassen sich deaktivieren, doch dafür muss man sich durch die Menüs hangeln. Und wer kurz beim Bäcker hält oder an der Tanksäule den Motor abstellt, beginnt nach dem Neustart von vorne.
Zum Glück gibt es auch elektronische Helfer, die man nicht missen will. Soll heissen: Die breiten B- und C-Säulen schränken die Sicht nach hinten und schräg zur Seite merklich ein. Hier spielt Kia seine Kamerakompetenz aus. Schon beim Setzen des Blinkers erscheint im Instrumentendisplay ein Kamerabild der entsprechenden Fahrzeugseite und zeigt, was sich im toten Winkel befindet. Wo sonst Tacho oder Drehzahlmesser sitzen, schaut man plötzlich neben das Auto. Das funktioniert hervorragend und liefert genau dort Information, wo man sie braucht.
Nicht nur die Blechsäulen erschweren den Überblick. Auch die Sicht auf die Instrumente ist nicht in jeder Sitzposition perfekt. Je nach Stellung des Lenkrads werden einzelne Informationen verdeckt. Im Fall des Chronisten verschwanden etwa die Anzeige der gewählten Fahrstufe und die Aussentemperatur hinter dem Lenkradkranz. Kein Drama, aber ein Detail, das bei einem sonst durchdachten Cockpit sauberer gelöst sein sollte.
Für optische Würze innen sorgen das Dekor in Karbon-Anmutung, Chrom-Look und das unten abgeflachte Lenkrad mit auffälligem weissem Pralltopf. Überhaupt greift Kia kräftig zu Weiss. Seitenwangen und Sitzflächen der Sportsitze tragen helle Partien, ebenso Rückbank und Lehnen im Fond. Das sieht frisch und hochwertig aus – zumindest solange niemand mit Schokolade, Glacè oder Kugelschreiber einsteigt. Clever gelöst ist die Bedienung der Sitz- und Lenkradheizung. Kia hat die Tasten in die Türverkleidungen oberhalb des Türöffners verlegt. Dort sind sie schnell erreichbar, entlasten die Mittelkonsole und bringen optisch Ruhe ins Cockpit. So banal kann gute Ergonomie sein.
Sportliche Akzente setzt zudem die Alu-Pedalerie. Und wer will, kann aufrüsten. Der Testwagen bringt das Panoramaglasdach, Metallic-Lackierung, 18-Zoll-Räder, Head-up-Display, Ambientebeleuchtung, ein Top-Soundsystem, seitliche Parksensoren und Ledersitze mit Memory-Funktion mit. Damit steigt der Preis auf 49 000 Franken.
Unter der Haube arbeitet ein 1,6-Literbenziner, gekoppelt an ein Siebenstufen-Doppelkupplungsgetriebe mit Lenkrad-Schaltwippen. 180 PS stehen bereit – und die verharren im Leerlauf so leise, dass man einen Blick auf die Instrumente wirft, weil man denkt, sie machen grad Pause.
Auch beim Losfahren bleibt alles kultiviert. Die Automatik sortiert die sieben Gänge angenehm unauffällig, hält meist die passende Übersetzung bereit. Der K4 kann entspannt durch die Stadt rollen, gelassen über die Autobahn gleiten und bei Bedarf deutlich engagierter werden. Den Sprint von null auf 100 km/h erledigt er in 8,4 Sekunden. Kein Wert, der am Stammtisch die Bierdeckel erzittern lässt, aber genug für jene Souveränität, die man von einem Sportkombi erwartet.
Unterm Strich bleibt ein ausgesprochen stimmiges Auto. Für sein Geld liefert der K4 Sportswagon viel Wagen, viel Raum und viel Ausstattung – und erinnert daran, warum der klassische Kombi über Jahrzehnte hinweg eine der vernünftigsten Carrosserieformen überhaupt war. Dass Kia dafür nicht einmal einen Elektromotor bemühen muss, wirkt im Jahr 2026 fast schon ein wenig rebellisch.
| Kia K4 Sportswagon 1.6 T-GDi DCT GT-Line | |
| Preis ab | 42 950 Fr. |
| Turbobenziner / Hubraum | R4 / 1598 ccm |
| Leistung | 180 PS / 265 Nm |
| Antrieb | Front, Doppelkupplung, 7 Gänge |
| 0 – 100 / Spitze | 8,4 Sek., 210 km/h |
| Verbrauch (WLTP) | 7,1 l / 100 km |
| Energieklasse / CO₂ | F / 161 g/km |
| Länge / Breite / Höhe | 4,69 / 1,85 / 1,43 m |
| Leergewicht | ca. 1625 kg |
| Kofferraum | 604 bis 1439 Liter |
| Anhängelast | 1410 kg |