Der Kombi galt lange als Auslaufmodell. Zu brav, zu vernünftig, zu wenig Projektionsfläche für Emotionen. Und dann kommt der K4 Sportswagon und stellt diese Gewissheiten mit stoischer Ruhe infrage. Nicht laut, nicht anbiedernd – sondern mit dem nüchternen Selbstbewusstsein eines Fahrzeugs, das weiss, was es kann. Viel Platz. Klare Linien. Und Technik, die nicht nur verspricht, sondern funktioniert.
Kia erweitert mit dem K4 Sportswagon seine europäische Modellpalette genau dort, wo andere längst aufgegeben haben. Zwischen C- und D-Segment angesiedelt, 4695 Millimeter lang, mit einem Radstand von 2720 Millimetern, nimmt er sich den Raum, den moderne Alltagsmobilität braucht – ohne gleich den SUV zu spielen. 604 Liter Kofferraumvolumen stehen bereit, 1439 Liter bei umgeklappten Rücksitzen. Zahlen, die nicht beeindrucken wollen, sondern entlasten. Kinderwagen, Sportgerät, Wochenendflucht: passt.
Formal übersetzt der K4 Sportswagon Kias Designphilosophie «Opposites United» in eine gestreckte, funktionale Silhouette. Horizontale Linien statt modischer Verrenkungen, eine klar definierte Schulter, dazu die markante «Star Map»-Lichtsignatur und umgekehrte L-förmige LED-Rückleuchten. Versteckte hintere Türgriffe und eine eigenständige C-Säulengrafik sorgen für optische Ruhe – ein Kombi, der nicht so tut, als wäre er etwas anderes. Die GT-Line treibt den Auftritt bewusst weiter: schwarze Hochglanzakzente, schärfer gezeichnete Stossfänger, innen kontrastierende Farbakzente und Materialien mit sportlichem Anspruch. Nicht verspielt, sondern präzise.
Im Innenraum wird klar, wohin die Reise geht. Drei Bildschirme, sauber integriert in ein Panoramadisplay: 12,3 Zoll für Instrumente, 5,3 Zoll für Klima, 12,3 Zoll fürs Infotainment. Das Connected Car Navigation Cockpit bildet die digitale Schaltzentrale, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto gehören serienmässig dazu. Wer mehr will, bekommt es: Harman/Kardon-Soundsystem, beheiz- und belüftete Sitze mit biobasiertem Kunstleder, induktives Laden. Dazu Digital Key 2.0, Over-the-Air-Updates, Streaming-Dienste wie Netflix oder YouTube und ein KI-Sprachassistent, der auf «Hey Kia» reagiert. Vernetzung als Selbstverständlichkeit, nicht als Verkaufsargument.
Der lange Radstand zahlt sich spürbar aus. Grosszügige Beinfreiheit im Fond, effiziente Raumausnutzung, ein Fahrzeug, das Familienlogistik genauso beherrscht wie die Langstrecke. Alltagstauglichkeit ist hier kein Marketingwort, sondern konstruktives Ziel.
Sicherheit wird entsprechend ernst genommen. Totwinkelkameras zeigen Livebilder im Instrumentendisplay, Radarassistenten überwachen Spurwechsel, der adaptive Tempomat kann im Ernstfall selbstständig anhalten. Autobahnassistent 2.0 hält Abstand, Spur und Position, Querverkehrswarner sichern das Rückwärtsfahren ab, die Rundumsicht-Kamera liefert Übersicht statt Stress. Das Frontkollisionssystem erkennt Fahrzeuge, Fussgänger und Velofahrer – früh, konsequent, ohne Drama.
Beim Antrieb setzt Kia auf Vielfalt statt Dogma. Einstieg ist der 1,0-Liter-Turbo mit 115 PS und Handschaltung, optional als Mildhybrid mit Doppelkupplungsgetriebe. Darüber rangiert der 1,6-Turbo mit 150 oder 180 PS, ebenfalls mit Siebengang-DCT. Eine Vollhybrid-Version folgt im Laufe von 2026. Kein radikaler Schnitt, sondern ein kontrollierter Übergang in Richtung Elektromobilität – pragmatisch, fast unaufgeregt.
Gebaut wird der K4 Sportswagon im mexikanischen Werk Pesquería, das seit 2016 stetig ausgebaut wurde. 150 Millionen US-Dollar flossen zuletzt in die Anpassung der Produktion, die heute hochautomatisiert, effizient und nachhaltig arbeitet. Bis zu 400’000 Fahrzeuge jährlich verlassen dort die Bänder, exportiert in über 190 Länder. Der zweimillionste Kia lief 2024 vom Band – ein K4 in Snow White Pearl. Symbolik, die passt.
Preise und Marktstart für die Schweiz folgen später. Doch eines ist bereits klar: Der K4 Sportswagon ist kein nostalgischer Rückgriff auf alte Kombi-Tugenden. Er ist deren nüchterne Aktualisierung. Weniger Pose, mehr Substanz. Und genau das macht ihn überraschend relevant.