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    Update für den City-Hopper: Dacia Spring zeigt in Nizza neue Stärken

Von Heinz Schneider (Text) und Adrien Cortesi (Fotos)

Wer in Nizza nur auf Duster, Bigster oder Jogger fixiert war (Artikel hier), hätte beinahe einen alten Bekannten übersehen, der sich leise, aber spürbar weiterentwickelt hat. Zwischen den Probefahrten entlang der Küstenstrassen stand nämlich auch der neue Spring bereit – jener kompakte Stromer, der in vielen europäischen Städten längst zum festen Bestandteil des Strassenbilds gehört und nun mit einer Reihe technischer Anpassungen zurückkehrt.

Auf den ersten Blick wirkt alles vertraut: klein, elektrisch, pragmatisch. Doch unter der Oberfläche hat Dacia kräftig nachgeschärft. Bereits 2024 erhielt der Spring eine neu abgestimmte elektrische Servolenkung, die deutlich präziser arbeitet und mehr Rückmeldung liefert – ein Detail, das gerade auf den engen Strassen rund um Nizza positiv auffiel. Dazu kommen 15-Zoll-Räder und ein handlicheres Lenkrad, das besser zur agilen Ausrichtung des 3,70 Meter kurzen Stadtstromers passt.

Grössere Veränderungen verstecken sich im Innern der Struktur. Dacia hat den mittleren Teil der Plattform verstärkt, um eine neue Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit 24,3 kWh und Cell-to-Pack-Technologie aufzunehmen. Klingt nach Ingenieurslatein, macht sich aber auf der Strasse bemerkbar: Die steifere Carrosserie verbessert die Balance zwischen Vorder- und Hinterachse, während ein neuer Stabilisator sowie neu abgestimmte Federn und Dämpfer für mehr Stabilität in Kurven sorgen. Selbst das Bremsverhalten wurde mit stärkerer Unterstützung überarbeitet – eine Massnahme, die dem kleinen Elektroauto spürbar mehr Sicherheit verleiht.

Auch aerodynamisch wurde Hand angelegt. Ein verkleideter Unterboden vorne, an den Seiten und am Heck reduziert Verwirbelungen unter dem Fahrzeug, während ein neuer Spoiler die Luftströme rund um die Heckklappe beruhigt. Das sind keine spektakulären Design-Gimmicks, sondern stille Effizienzhelfer – ganz im Sinne einer Marke, die lieber rechnet als protzt.

Die wohl wichtigste Neuerung betrifft jedoch den Antrieb. Zwei E-Motoren mit 70 und 100 PS ersetzen die bisherigen mit 45 beziehungsweise 65 PS. Vor allem im Bereich zwischen 80 und 120 km/h legt der Spring laut Dacia um bis zu 20 Prozent bei Leistung und Drehmoment zu. Auf der Küstenstrasse zeigt sich schnell: Der kleine Stromer fühlt sich nicht mehr ausschliesslich im Stadtverkehr zu Hause, sondern kann auch ausserhalb urbaner Zonen besser mithalten. Die Kombination aus neuen Motoren, neuer Batterie und optimierter Aerodynamik senkt gleichzeitig den Energieverbrauch um neun Prozent auf 12,4 kWh pro 100 Kilometer – ein Wert, der den Effizienzgedanken der Marke unterstreicht.

An der Reichweite hat sich offiziell wenig geändert. 225 Kilometer nach WLTP bleiben bestehen, zumindest in den Versionen mit 15-Zoll-Rädern. Dacia begründet das mit einer nüchternen Beobachtung: Spring-Kunden legen im Schnitt rund 34 Kilometer pro Tag zurück, meist in der Stadt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 34 km/h. Mit einer einzigen Ladung lässt sich also theoretisch die gesamte Arbeitswoche bestreiten – ein Argument, das eher nach Alltagsrealismus klingt als nach Marketingversprechen.

Dass der Spring oft als Zweit- oder Drittauto genutzt wird, passt zu diesem Ansatz. Er will nicht alles können, sondern genau das, was viele Pendler brauchen: unkomplizierte, elektrische Mobilität ohne grosses Tamtam. Und offenbar funktioniert das Konzept, denn im vergangenen Jahr legte der kleine Stromer in Europa deutlich zu. 35 054 verkaufte Einheiten entsprechen einem Plus von 54 Prozent – Zahlen, die man im Einstiegssegment nicht alle Tage sieht.

Was der neue Spring künftig kosten wird, blieb hingegen offen. Dacia Schweiz nannte zur neuen Preisgestaltung keine Details. Bislang lag der Einstiegspreis bei 17 700 Franken. Dass sich die Marke weiterhin stark über das Preis-Leistungs-Verhältnis definiert, steht ausser Frage – nur wie dieses Verhältnis künftig aussieht, bleibt vorerst ein gut gehütetes Geheimnis.

Interessant war zudem ein Ausblick, der fast beiläufig am Rande der Präsentation fiel: Dacia arbeitet bereits an einem neuen Elektroauto im A-Segment, also in der Liga des Spring. Es soll auf der Basis des kommenden Renault Twingo entstehen und in Europa produziert werden. Ein Hinweis darauf, dass der kleine Stromer nicht nur ein Einzelprojekt bleibt, sondern Teil einer grösseren elektrischen Strategie ist? Oder die Ankündigung, dass die soeben präsentierte Neuheit schon bald zum Alteisen gehört?