Von Dennis Schneider (Text)
In Affalterbach (D) hat man offenbar verstanden, dass 671 PS zwar beeindruckend aussehen, aber nicht automatisch Begeisterung auslösen – besonders dann nicht, wenn das Gesamtpaket mehr nach Rechenaufgabe als nach AMG wirkt. Der aktuelle AMG C 63 mit aufgeladenem 2,0-Liter-Vierzylinder und Plug-in-Hybridtechnik (intern M139) steht vor dem Aus. Mercedes-AMG setzt stattdessen wieder auf einen Reihensechszylinder – und positioniert das Ganze als AMG C 53, also als sportliche C-Klasse-Variante mit klassischerem Antriebskonzept.
Klarheit brachte AMG-Chef Michael Schiebe in Gesprächen mit US-Medien: Gegenüber dem Magazin Edmunds erklärte er, man werde den Vierzylinder ersetzen und den Sechszylinder auch in die C-Klasse bringen. In derselben Linie führte Schiebe aus, dass es nicht um den Plug-in-Hybrid-Reihensechser gehe, wie er etwa im AMG E 53 eingesetzt wird, sondern um eine rein verbrennerbasierte Lösung. Und er machte gegenüber Edmunds unmissverständlich, was das in der Praxis bedeutet: Der C 53 kommt ohne Plug-in-Hybrid – also Sechszylinder pur.
Als Spender für den Antrieb dient der AMG CLE 53. Dort steht der bekannte 3,0-Liter-Reihensechser aktuell mit 449 PS in den Daten, ergänzt je nach Auslegung durch eine 48-Volt-Unterstützung über Startergenerator mit zusätzlichen 23 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 560 Nm. Damit ist klar: Der C 53 dürfte leistungsmässig unter dem bisherigen C 63 liegen, aber konzeptionell deutlich näher an dem, was viele unter einem AMG verstehen.
Natürlich wirkt das neben der Systemleistung des C 63 E Performance wie ein Schritt zurück. Aber Leistung ist im Alltag nicht das einzige Kriterium, und genau hier begann das Problem des Vierzylinder-Plug-in: viel Technik, viel Gewicht, weniger Platz – und ein Charakter, der bei vielen Käufern nicht das Gefühl auslöste, in einem echten AMG zu sitzen. Denn je mehr Komponenten man in ein Auto stapelt, desto eher wird aus Sportlichkeit ein Kompromiss-Paket: schwerer, voller, enger. Und am Ende bleibt die Frage, die kein Datenblatt beantwortet: Fühlt es sich wie AMG an – oder nur wie ein sehr schneller Vorschlag aus der Entwicklungsabteilung?
Der entscheidende Druck kommt ohnehin nicht aus der Fan-Kurve, sondern aus dem Regelwerk. Schiebe sagte gegenüber Edmunds, dass es unter Euro-7-Vorgaben «ziemlich schwierig» werde, den M139 in die Zukunft zu tragen – deshalb ende dieses Angebot, und im Mittelklasse-Segment wechsle AMG auf den Reihensechszylinder. Euro 7 ist beschlossen, und der Zeitplan ist klar: Neue Typgenehmigungen für Personenwagen (M1) gelten ab dem 29. November 2026, breit für Neuzulassungen ab dem 29. November 2027. Wer in diese Phase hinein ein komplexes Hochleistungs-Plug-in-System mit kleinem Turbo-Motor retten will, braucht nicht nur Ingenieure, sondern auch Geduld – und vermutlich gute Nerven.
Auch zeitlich passt die Entscheidung ins Bild. Man kann davon ausgehen, dass der AMG C 53 in der zweiten Hälfte 2026 gezeigt wird – also genau in dem Fenster, in dem Modellpflege und Antriebsstrategie typischerweise zusammengeführt werden. Und vieles spricht dafür, dass der Schritt über die C-Klasse hinaus Wirkung zeigt: In der eng verwandten Mittelklasse-Familie rund um den GLC dürfte der Reihensechszylinder künftig ebenfalls stärker ins Zentrum rücken, während der bisherige Turbo-Vierzylinder an Bedeutung verliert.
Und weil AMG selten nur eine Tür schliesst, ohne hinten schon die nächste zu entriegeln, schwingt parallel die nächste Botschaft mit: Sechs- und Achtzylinder sollen bleiben. Mercedes hat beim Update der S-Klasse für das Modelljahr 2027 einen neuen V8 mit Flat-Plane-Kurbelwelle im S 580 präsentiert, der mit 530 PS ausgewiesen wird – ein technisches Statement, dass man die grossen Motoren nicht komplett aus dem Programm schreiben will. In diese Richtung deutete Schiebe ebenfalls: Ein C 63 könnte irgendwann zurückkehren – dann eher mit einem V8 aus dieser neuen Familie als mit einem hochgezüchteten Vierzylinder-Plug-in.
Am Ende ist das Ganze weniger ein romantisches Zurück-zu-den-Wurzeln als eine nüchterne Korrektur: weniger Komplexität, mehr stimmige Mechanik, besseres Überleben im Regulierungs-Alltag. Und wenn der sportliche C-Klasse-Ableger künftig wieder eher nach AMG klingt und sich auch so anfühlt, dann ist das vielleicht die seltene Situation, in der Bürokratie und Fahrspass aus Versehen am selben Strang ziehen.