Von Heinz Schneider (Text und Fotos)
Der Jeep Avenger 4xe 1.2 MHEV in der Sonderausführung «The North Face» ist ein Auto, an dem sich anschaulich erklären lässt, wie modernes Marketing im Automobilbau heute funktioniert. Denn diese Kooperation ist ein sauber kalkulierter Schulterschluss zweier Marken, die seit Jahren dasselbe Lebensgefühl verkaufen: Freiheit, Outdoor, Abenteuer – nur in unterschiedlicher Verpackung. Jeep steht seit Jahrzehnten für Gelände, Robustheit und den Mythos vom Weg abseits der Strasse. «The North Face» wiederum verkauft Jacken, Rucksäcke und das gute Gefühl, theoretisch jederzeit den Mont Blanc besteigen zu können, auch wenn es praktisch auch nur bis zum Bahnhof reicht.
Beide Marken leben also von derselben Erzählung: raus aus dem Alltag, rein ins Abenteuer. Genau das nennt Jeep selbst als Fundament dieser Zusammenarbeit: gemeinsame Werte wie Exploration, Natur, Freiheit und Nachhaltigkeit. Das klingt auf dem Papier erwartbar, passt hier aber erstaunlich gut.
Gleichzeitig ist der Avenger für Jeep strategisch enorm wichtig. Er ist kleiner, urbaner und europäischer als die klassischen Modelle der Marke. In Europa muss Jeep heute eben nicht mehr nur Wüste und Geröll symbolisieren, sondern auch Innenstädte, CO₂-Flottenziele und Parkhäuser. Für «The North Face» passt all dies sowieso: Die Marke bekommt Zugang zu Autofahrern mit aktivem Lebensstil sowie Präsenz ausserhalb des klassischen Outdoor- und Modehandels.
In der Testwagenversion erhält der Avenger etwas, das vielen kleinen SUV im dicht besetzten Segment fehlt: Charakter. Und gleichzeitig ein Hauch Exklusivität, denn die Stückzahl ist auf 4806 Exemplare limitiert – als Verweis auf die Höhe des Mont Blanc. Die eigentliche Botschaft dahinter ist klar: Früher verkaufte die Autoindustrie Hubraum, dann Technik, heute Identität. Der Preis: 41 690 Franken – plus 900 Franken für die Lackierung «Snow White» mit schwarzem Dach.
Die Serienausstattung ist breit gefächert – mit elektrischer Heckklappe, Ambiente-Beleuchtung (8 Farben), getönten hinteren Seitenscheiben und Parksensoren. Hinzu kommen jene akustischen Warner, die bisweilen mit der Beharrlichkeit eines schlecht gelaunten Fahrlehrers auftreten. Auch die Verkehrszeicheninformation zeigt gelegentlich Abenteuerlust und meldet schon mal eine 50er-Zone auf der Autobahn.
Dazu kommen die spezifischen Zutaten: Spezielle Fussmatten mit Bergprofil, ein Expeditions-Set aus Tasche, Zelt und Flasche (siehe Fotogalerie), robuste und abwaschbare Sitzbezüge, ein Armaturenbrett mit topografischen Linien und Mont-Blanc-Profil sowie das North-Logo auf der Motorhaube. Ebenfalls dabei: das Selec-Terrain-System mit verschiedenen Fahrprogrammen für unterschiedliche Untergründe.
Angetrieben wird «unser» Avenger vom bekannten Dreizylinderturbo (1,2 Liter). Ein Druck auf die D-Taste, und er rollt los. Der Turbo klingt sportlich, ohne lästig oder angestrengt zu wirken. Unterstützt wird er von einem 29 PS starken Elektromotor am Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe sowie einer gleich starken zweiten E-Maschine an der Hinterachse. Letztere beteiligt sich bei Schlupf an den Vorderrädern bedarfsweise am Vortrieb und zieht sich ab 90 km/h wieder aus dem Geschehen zurück – aus Effizienzgründen. Bestmögliche Traktion bietet der Modus für Schnee, Sand und Matsch. Hier steuern Vorder- und Hinterachse bis 30 km/h zu jeweils 50 Prozent das Antriebsdrehmoment bei. Das ist für ein kleines Hybrid-SUV durchaus beachtlich und verleiht dem Avenger mehr Substanz, als sein modischer Auftritt vermuten lässt.
Im Innenraum erwartet die Insassen eine aufgehübschte Plastiklandschaft. Das klingt härter, als es wirkt, denn die Verarbeitung ist ordentlich und die Gestaltung bemüht sich erfolgreich um Eigenständigkeit. Auf dem Armaturenbrett fällt die aufgedruckte topografische Karte ins Auge, dazu kommen Verzierungen in Alu-Optik und knallig gelbe Seitenwangen an den höchst bequemen Sitzen. Das bringt Farbe ins Spiel.
So bleibt unter dem Strich ein Jeep Avenger 4xe, der mehr kann als bloss gut auszusehen. Die Edition «The North Face» ist natürlich Markeninszenierung, und zwar ziemlich gekonnt. Aber sie ist eben nicht nur Fassade. Der Wagen verbindet ein gefälliges, leises Fahrgefühl mit Hybrid-Allrad, moderatem Verbrauch, viel Ausstattung und einer Gestaltung, die sich wohltuend vom Einerlei der Klasse absetzt. Er ist damit weniger Grobschmied als Grosstadt-Abenteurer – einer, der den Feldweg nicht scheut, im Alltag aber vor allem mit Stil und einer gut erzählten Geschichte punktet. Und manchmal ist das ja schon die halbe Miete.
| Jeep Avenger 4xe 1.2 MHEV The North Face | |
| Preis ab | 41 690 Fr. |
| Motor, Mildhybrid | R3 Turbo / 1199 ccm |
| Leistung | 136 PS |
| Drehmoment | 230 Nm |
| 2 Elektromotoren | je 21 kW, 48-Volt-System |
| Systemleistung | 145 PS |
| Antrieb / Getriebe | 4x4, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe |
| 0 – 100 / Spitze | 9,5 Sek. / 194 km/h |
| Verbrauch (WLTP) | 5,8 l / 100 km |
| Effizienzkategorie / CO₂ | E / 131 g/km |
| Leergewicht | ca. 1350 Kilo |
| Länge / Breite / Höhe | 4,08 / 1,81 / 1,53 m |
| Bodenfreiheit | 21 cm |
| Wattiefe | 49 cm |
| Kofferraum | 325 bis 1218 l |
| Anhängelast | 1200 Kilo |