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    Kein Bildschirm, kein Strom: Hennessey entfesselt den Blackbird

Von Dennis Schneider (Text)

Die Zukunft des Hypercars sieht plötzlich erstaunlich altmodisch aus. Hennessey verzichtet beim neuen Blackbird auf Elektromotoren, Turbolader und digitale Spielereien. Stattdessen gibt es einen V8-Saugmotor, eine offene Sechsgang-Schaltkulisse und einen echten Zündschlüssel. Revolution durch Rückschritt – manchmal kann Fortschritt so einfach sein.

Der Blackbird ist kein umgebauter Venom F5, sondern ein komplett neu entwickeltes Modell. Gemeinsam mit Ilmor Engineering entsteht ein 6,2-Liter-V8, der rund 810 bis 860 PS leisten und über 9000 Touren drehen soll. Die Kraft geht ausschliesslich an die Hinterräder. Schalten muss der Fahrer selbst, was in dieser Preisklasse inzwischen beinahe als körperliche Zumutung gilt.

Auch im Innenraum herrscht digitale Enthaltsamkeit. Es gibt weder Infotainment-Bildschirm noch digitale Instrumente oder Lenkradtasten. Im Zentrum sitzt ein grosser analoger Drehzahlmesser, gestartet wird mit einem Schlüssel. Navigation, Apple CarPlay und Android Auto laufen bei Bedarf über das Smartphone in einer speziellen Halterung. Mehr Bildschirm braucht offenbar nur, wer vergessen hat, weshalb er überhaupt im Auto sitzt.

Unter der Carbon-Carrosserie steckt ein neu entwickeltes Monocoque aus Kohlefaser. Das Trockengewicht soll unter 1360 Kilogramm bleiben. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h dürften weniger als drei Sekunden genügen, die angepeilte Höchstgeschwindigkeit liegt bei 354 km/h. Noch sind das Zielwerte. Die ersten Kundenfahrzeuge sollen schliesslich erst 2029 oder 2030 entstehen.

Seinen Namen und einen Teil seiner Formensprache übernimmt der Blackbird vom legendären Aufklärungsflugzeug Lockheed SR-71. Zwei vertikale Stabilisatoren am Heck fahren bei rund 114 km/h automatisch aus. Flügeltüren, vier zentrale Auspuffrohre und eine langgestreckte Silhouette vervollständigen den Auftritt. Trotz aller Luftfahrtromantik bleibt Hennessey bodenständig amerikanisch: Vier Getränkehalter müssen sein.

Gebaut werden lediglich 71 Exemplare. Der Preis beginnt umgerechnet bei rund 2,02 Millionen Franken vor Steuern und Optionen. Mehr als zwei Drittel der Produktion sollen bereits vergeben sein. Ob der Blackbird offiziell in die Schweiz kommt, ist noch offen. Hennessey spricht lediglich von einer Zulassung für wichtige internationale Märkte. Die eigentliche Provokation sind ohnehin nicht seine gut 800 PS. Es ist die beinahe vergessene Idee, dass der Mensch am Steuer noch selbst fahren darf.

 

  

Hennessey Blackbird
Preis ab ca. 2,02 Mio. Fr., vor Steuern
Antrieb / Motor Heckantrieb, 6,2-Liter-V8-Saugmotor
Leistung ca. 810 bis 860 PS, Zielwert
Getriebe 6-Gang-Handschaltung
Maximale Drehzahl über 9000 U/min
0 – 100 km/h / Spitze voraussichtlich unter 3,0 Sek. / 354 km/h
Chassis / Carrosserie Carbon-Monocoque / Carbon
Trockengewicht unter 1360 kg, Zielwert
Bereifung Michelin Pilot Sport Cup 2
Produktion 71 Exemplare, ab 2029/2030

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