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    Skoda Epiq im ersten Test: Bodenständig trotz grosser Kulisse

Von Dennis Schneider (Text)

Ein bezahlbarer Elektro-Skoda vor einem Fünf-Sterne-Superior-Hotel auf 1300 Metern. Das nennt man wohl Kontrastprogramm. Doch während die Kulisse auf dem Seefelder Plateau durchaus den grossen Auftritt beherrscht, gibt sich der neue Skoda Epiq bemerkenswert bodenständig. Er will kein elektrisches Wunderwerk sein. Er will einfach ein gutes Auto sein.

Los geht es am Flughafen München. Nach einem kurzen Briefing im Hilton Munich Airport stehen die beiden neuen Stromer Epiq und Peaq bereit. Wir übernehmen den Epiq 55 Selection in Jasper Red. 155 kW, also 211 PS, Frontantrieb und eine Batterie mit 52 kWh nutzbarer Kapazität. Das Ziel: das Interalpen-Hotel Tyrol in Telfs-Buchen, ein aussergewöhnliches Fünf-Sterne-Superior-Haus in Alleinlage hoch über dem Tiroler Inntal.

Im Rahmen der Veranstaltung durften wir auch den deutlich grösseren Skoda Peaq fahren. Er bildet das Gegenstück zum kompakten Epiq und verfolgt schon aufgrund seiner Dimensionen ein völlig anderes Konzept. Wie sich das neue elektrische Flaggschiff auf der Strasse schlägt, erzählen wir in einem separaten Fahrbericht, der in Kürze erscheint.

Die Route führt über Autobahnen, Landstrassen und kurvige Alpenabschnitte. Rund 250 bis 300 Kilometer stehen an. Dazu herrliches Wetter, klare Sicht und eine Bergkulisse, bei der selbst ein durchschnittliches Auto plötzlich fotogen wirkt. Der Epiq hat solche Hilfe allerdings nicht nötig.

Mit 4,17 Metern Länge bleibt der Epiq angenehm kompakt. Damit steht er ziemlich genau dort, wo heute viele Kunden ihr Auto suchen: gross genug für den Alltag, klein genug für Stadt und Parkhaus. Skoda bezeichnet ihn als elektrisches Pendant zum Kamiq. Das trifft es recht gut.

Optisch ist der Epiq das erste Serienmodell, das die neue Designsprache «Modern Solid» vollständig umsetzt. Schlanke T-förmige Leuchten, das schwarz glänzende Tech-Deck Face und klare Flächen sorgen für einen modernen Auftritt. Spektakulär? Nein. Eigenständig? Durchaus. Der Epiq versucht nicht, mit Lichtorgeln und Blechfalten Aufmerksamkeit zu erbetteln. Wohltuend.

Auch die Aerodynamik wurde nicht dem Zufall überlassen. Der cw-Wert liegt bei 0,275. Aktive Kühlluftklappen, ein weitgehend verkleideter Unterboden und aerodynamisch optimierte Räder helfen mit. Man sieht davon wenig. Genau so soll es sein.

Das eigentliche Kunststück wartet hinter der Heckklappe. 475 Liter Kofferraum sind in dieser Klasse eine Ansage. Hinzu kommt ein 25 Liter grosser Frunk unter der Fronthaube, der allerdings erst später in der Produktion verfügbar sein wird. Dort lässt sich das Ladekabel verstauen, statt im Kofferraum unter dem Feriengepäck ein kleines Suchspiel zu veranstalten.

Auch der Innenraum nutzt den vorhandenen Platz geschickt. Das Cockpit wirkt aufgeräumt, der zentrale 13-Zoll-Bildschirm dominiert, ohne gleich das ganze Armaturenbrett zu verschlucken. Unser Testwagen trägt die Innenausstattung Loft Mint. Die hellen Akzente lockern das nüchterne Ambiente auf, ohne daraus eine rollende Lounge zu machen.

Skoda setzt konsequent auf tierfreie und wiederverwertete Materialien. Sämtliche textilen Sitzbezüge bestehen aus recyceltem Polyester, insgesamt stecken mehr als 34 Kilogramm Recyclingmaterial im Fahrzeug. Das klingt in einer Pressemappe natürlich vorbildlich. Entscheidend ist aber: Im Auto wirkt es nicht nach Verzicht.

Der stärkste Epiq liefert 155 kW und 290 Nm. Das reicht für einen kräftigen Antritt, ohne dass beim ersten Druck aufs Fahrpedal gleich das gesamte Alpenpanorama nach hinten kippt. Die Leistung kommt sauber und berechenbar. Der Frontantrieb erledigt seine Arbeit unauffällig, der Wagen lässt sich leicht platzieren und wirkt auf der kurvigen Strecke angenehm handlich.

Auf der Autobahn bleibt der Epiq ruhig und souverän. In den Bergen zeigt er sich ausgewogen: komfortabel genug für lange Etappen, kontrolliert genug für rasch gefahrene Kurven. Die Lenkung arbeitet präzise, ohne dem Fahrer eine grosse Heldengeschichte zu erzählen. Kurz: Der Epiq fährt sehr gut. Nicht spektakulär, nicht künstlich sportlich, sondern einfach stimmig.

Besonders angenehm ist das vollständige One-Pedal-Driving im B-Modus. Die Stärke der Verzögerung lässt sich über das Infotainment oder über zwei kleine, wippenähnliche Tasten hinter dem Lenkrad verändern. Klassische Schaltwippen gibt es nicht. Nimmt man den Fuss vom Fahrpedal, verzögert der Epiq bis zum Stillstand und gewinnt dabei Energie zurück. Die zuletzt gewählte Einstellung bleibt gespeichert.

Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 160 km/h begrenzt. Mehr braucht in dieser Fahrzeugklasse kaum jemand. Wer trotzdem regelmässig mit deutscher Autobahn-Dramatik liebäugelt, findet ohnehin andere Spielzeuge.

Mit der grossen Batterie soll der Epiq 55 mehr als 430 Kilometer weit kommen. Von zehn auf 80 Prozent lädt er an einer geeigneten DC-Säule in rund 24 Minuten. Wechselstrom fliesst serienmässig mit bis zu 11 kW. Hinzu kommt bidirektionales Laden: Über Vehicle-to-Load lassen sich externe Geräte versorgen, über Vehicle-to-Home kann der Wagen mit der passenden Infrastruktur sogar Energie ans Haus abgeben.

Eine belastbare Verbrauchsbilanz lässt diese erste Ausfahrt nicht zu. Das Wetter war nahezu ideal, die Strecke vorgegeben und der Tag Teil einer Fahrpräsentation. Für eine ehrliche Alltagsmessung braucht es mehr Zeit und weniger Inszenierung. Die versprochene Reichweite wirkt angesichts der Batteriegrösse und des kompakten Formats jedoch plausibel.

Auch bei den praktischen Talenten bleibt der Epiq typisch Skoda. Der Epiq 55 darf gebremst bis zu 1200 Kilogramm ziehen. Sieben Airbags sowie Front Assist, Side Assist und Lane Assist gehören zur Grundausstattung. Je nach Paket kommen Travel Assist 3.0, eine 360-Grad-Kamera und verschiedene Parkfunktionen hinzu. Viel Technik also, aber ohne das übliche digitale Feuerwerk um seiner selbst willen.

In der Schweiz startet der gefahrene Epiq 55 Selection bei 37 800 Franken. Die ebenfalls 155 kW starke First Edition kostet ab 40 000 Franken. Sie fällt unter anderem mit speziellen Designdetails und 20-Zoll-Rädern auf.

Der eigentliche Preisbrecher soll der Epiq 35 werden. Er ist ab 25 900 Franken angekündigt, kann derzeit aber noch nicht bestellt werden. Der Preis für den Epiq 40 steht ebenfalls noch aus. Das grosse Versprechen vom günstigen Elektro-Skoda hängt damit vorerst an einer Variante, die noch auf ihren Marktstart wartet. Papier ist bekanntlich geduldig. Kunden gelegentlich weniger.

Der Skoda Epiq ist kein Auto, das nach wenigen Kilometern sämtliche Massstäbe verschiebt. Er fährt nicht wie ein Sportwagen, sieht nicht wie ein Raumschiff aus und inszeniert Elektromobilität nicht als Weltanschauung. Zum Glück.

Er bietet viel Platz auf wenig Fläche, fährt ausgewogen, lädt schnell genug und bleibt bei Bedienung und Auftritt angenehm vernünftig. Genau darin liegt seine Stärke. Der Name verspricht Epiq, der Auftritt bleibt nüchtern. Aber im Alltag braucht es selten ein Epos. Meist reicht ein Auto, das seinen Job richtig gut macht.

 

Skoda Epiq 55 Selection
Preis ab 37 800 Fr.
Elektromotor Permanentmagnet-Synchronmotor
Leistung / Drehmoment 155 kW (211 PS) / 290 Nm
Antrieb Frontantrieb
Batterie brutto / netto 55 / 52 kWh
Reichweite über 430 km
Laden DC 10–80 % ca. 24 Min.
Laden AC max. 11 kW
Spitze 160 km/h
Länge / Breite / Höhe 4,17 / 1,80 / 1,58 m
Kofferraum / Frunk 475 / 25 Liter
Anhängelast gebremst 1200 kg