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    Skoda Kodiaq RS im Test: Wenn die Vernunft plötzlich 265 PS hat

Von Heinz Schneider (Text und Fotos)

Streng genommen ist Skoda ja eine vernünftige Marke. Sie baut Autos mit viel Platz, noch mehr praktischen Ideen und Motoren, die mehrheitlich eher auf Effizienz und Alltag als auf den grossen Auftritt getrimmt sind. Auch beim Design hält man sich mit abenteuerlichen Experimenten vornehm zurück. Und beim Preis-Leistungs-Verhältnis schaffen es die Tschechen erstaunlich oft, die Konkurrenz ratlos zu machen. Kurz: Ein Skoda ist normalerweise ein Auto, das man mit guten Argumenten kauft.

Eine Ausnahme von dieser gepflegten Vernunft gönnt sich die VW-Tochter allerdings: die RS-Modelle. Sie sind teurer, sehen dynamischer aus und schlagen auch hinsichtlich der Fahrleistungen deutlich über die sonst so solide Skoda-Hutschnur. Offenbar trifft genau diese Mischung einen Nerv. Über alle Baureihen hinweg bringen es die RS-Versionen auf einen Anteil von mehr als 16 Prozent. Vernunft ja – aber gerne auch mal mit Pfeffer.

Mit dem 265 PS starken Kodiaq RS haben wir kürzlich genauso einen Vertreter in unseren Testwagenpark aufgenommen. Wobei «Vertreter» fast zu brav klingt. Vor uns steht ein 1,9 Tonnen schweres SUV, das Platz für Familie, Gepäck und Freizeitgeräte bietet, bei Bedarf sieben Personen aufnimmt und trotzdem nicht den Eindruck erwecken möchte, sein Lebenszweck bestehe ausschliesslich aus Schulweg, Wochenendeinkauf und Ferienfahrt.

67 290 Franken kostet unser Kodiaq RS. Das ist kein Schnäppchen mehr, sondern eine selbstbewusste Ansage. Und natürlich gibt es genügend Möglichkeiten, die Rechnung weiter nach oben zu schrauben. Da wäre das Panoramaschiebedach. Oder das Family-Paket mit Seitenairbags hinten, Sonnenschutzrollos, Türkantenschutz und jenem kleinen Abfallbehälter in der Türverkleidung, über den man zunächst lächelt und den man nach einer Woche nicht mehr missen möchte. Head-up-Display und Winterpaket mit beheizbaren Vorder- und Rücksitzen sowie beheizbarer Frontscheibe stehen ebenfalls bereit. Wer beim Ankreuzen nicht aufpasst, hat schnell weitere 4000 bis 5000 Franken versenkt. Konfiguratoren sind bekanntlich die Spielcasinos des modernen Autofahrers.

Optisch macht der RS keinen Hehl daraus, dass er innerhalb der Kodiaq-Familie kaum für die Buchhaltung zuständig ist. Schwarz ist das bevorzugte Stilmittel. Kühlergrill, Spiegelkappen und Zierelemente setzen dunkle Akzente, dazu kommen die markanten 20-Zoll-Räder. Hinter ihnen leuchten rote Bremssättel hervor – ein klassisches Signal aus der automobilen Zeichensprache: Hier könnte es etwas schneller zur Sache gehen.

Erfreulich ist, dass der Kodiaq seine Dynamik sichtbar trägt, aber nicht aufdringlich zur Schau stellt. Keine grotesken Flügel, keine Lufteinlässe im Format eines Garagentors und kein martialischer Zierrat. Der RS bleibt ein Kodiaq. Nur einer, der offenbar regelmässig im Fitnessstudio vorbeischaut.

Drinnen setzt sich dieser Eindruck fort. Das Raumgefühl ist ausgezeichnet, die Übersicht gut. Und es herrschen Komfort und Stil. Rote Nähte ziehen sich über Armauflagen, Armaturenbrett und Sitze, dazu kommen Dekorelemente im Aluminium-Look.

Unter der Haube arbeitet ein Zweiliter-Turbobenziner aus dem VW-Regal, jedoch in einer Abstimmung, die bestens zum kräftigen Kodiaq passt. 265 PS und 400 Newtonmeter stehen bereit. Geschaltet wird über ein Siebengang-DSG, die Kraft geht serienmässig an alle vier Räder. Ein kurzer Druck aufs rechte Pedal, und aus dem gemütlichen Familien-SUV wird ein ausgesprochen ernst zu nehmender Überholpartner. Das geschieht weniger brutal als souverän. Der Kodiaq reisst nicht an der Leine, er spannt sie einfach straff.

Natürlich bleibt die erhöhte Sitzposition spürbar. Wer ein 4,76 Meter langes SUV mit knapp zwei Tonnen Gewicht wie einen Kompaktsportler in eine enge Kurve wirft, führt ein kleines Experiment mit der Fliehkraft durch. Aber der Kodiaq macht lange mit. Die Lenkung arbeitet präzise genug, die Seitenneigung hält sich in vernünftigen Grenzen, und vor allem baut das Auto schnell Vertrauen auf. Man weiss genau, was die Vorderachse macht – und hat nie den Eindruck, dass das Heck plötzlich eigene Freizeitpläne entwickelt.

Einen wesentlichen Anteil daran hat der Allradantrieb. Das System kann bei Bedarf bis zu 100 Prozent des Drehmoments nach hinten schicken; zusammen mit der elektronischen Differenzialsperre können bis zu 85 Prozent an ein einzelnes Rad gelangen. Das klingt in der technischen Beschreibung dramatischer, als es sich hinter dem Lenkrad anfühlt. Und das ist als Kompliment gemeint.

Auch akustisch darf der RS etwas mehr Theater spielen als seine zivile Verwandtschaft. Skoda setzt auf einen «Dynamic Sound Boost», der die sportliche Stimmung zusätzlich untermalt. Puristen werden darüber die Stirn runzeln. Familienväter, die am Samstagmorgen allein zum Bäcker fahren und dafür plötzlich den längeren Weg wählen, vermutlich weniger.

Fazit: Der Kodiaq RS versucht nicht, etwas zu sein, was er nicht ist. Er ist kein Sportwagen auf Stelzen und kein verkleideter Rennwagen. Er bleibt ein ausgesprochen geräumiges, komfortables und praktisches Familien-SUV – bloss mit einer erfreulich kräftigen zweiten Persönlichkeit. 

  

Skoda Kodiaq RS 4x4, 5 Sitze
Preis ab 67 290 Fr.
Turbobenziner / Hubraum R4 / 1984 ccm
Leistung 265 PS / 400 Nm
Antrieb 4x4, DSG 7 Stufen
0–100 / Spitze 6,3 Sek. / 231 km/h
Verbrauch (WLTP) 8,5 l / 100 km
Energieklasse / CO₂ G / 192 g/km
Länge / Breite / Höhe 4,76 / 1,86 / 1,66 m
Leergewicht ca. 1950 kg
Kofferraum 910 bis 2105 Liter
Anhängelast 2300 kg