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    Serie: Hobbies und Leidenschaften der Carrossiers

Erfinden, musizieren, reisen, malen, fischen, fliegen, kochen, sammeln – viele Fachleute aus der Carrosserie-, Lackier- und Automobilbranche haben die tollsten Hobbies. Wir haben einiges über diese Personen und ihre Steckenpferde erfahren. Wer welchem Freizeitvergnügen frönt, lesen Sie in der Serie «Hobbies und Leidenschaften der Carrossiers», die wir in loser Folge «abdrucken».

Heute: Simon Rusch (24), Schweizer Volksmusiker, Fahrzeugschlosser, Vorderthal (SZ)

Von Heinz Schneider (Text)

Wenn im Schwyzer Vorderthal die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwindet und sich das letzte Licht an den Hausdächern bricht, klingt es manchmal nach Feierabend – und manchmal nach einem kleinen Fest. Dann könnte es durchaus sein, dass ein junger Mann zuhause zur Handorgel gegriffen hat, und ein munteres Stück die Luft füllt. Neben ihm: sein Zwillingsbruder Cyrill, konzentriert am Schwyzerörgeli, und Vater Roger (57), mit stoischer Ruhe am Bass. Das sind die Rusch-Büeblä – eine Familienformation, die zwischen Schraubstock und Schwyzerörgeli ihren ganz eigenen Takt gefunden hat.

Simon Rusch, 2001 geboren, ist gelernter Fahrzeugschlosser – einer, der sich mit Metall ebenso versteht wie mit Melodien. Seine Lehrzeit absolvierte er bei der Firma Rusterholz in Richterswil. «Es waren schöne Jahre», sagt er. «Mein Lehrmeister und die drei Firmenchefs – die haben uns Lehrlinge wirklich gefördert. Und sie nehmen jeden so, wie er ist.» Solche Worte hört man selten – und sie klingen ehrlich. Nach der Lehre blieb Simon noch zwei Jahre bei Rusterholz, bis ihn die Neugier packte: Er wechselte zu einem kleinen Metallbaubetrieb, zehn Mann stark, viel Montagearbeit, viel Abwechslung. «Dort bin ich hängen geblieben», sagt er und lacht – ein Satz, der alles und nichts verspricht. Denn dass ihn das Fahrzeugschlosser-Handwerk irgendwann wieder zurückholt, schliesst er nicht aus.

Aber sobald der Arbeitstag endet, schlägt die Stunde der Rusch-Büeblä. Vater Roger, Dachdecker von Beruf, ist auf der Bühne der ruhende Pol – der Bassmann, der das Fundament legt. Cyrill, Schreiner und Schwyzerörgelilehrer, bringt das Feingefühl, den musikalischen Glanz. Simon, das Energiebündel, spielt Handorgel – und übt daheim für den Privatgebrauch fleissig Gitarre. «Musik war bei uns nie einfach ein Hobby», erzählt er. «Sie war immer Teil unseres Lebens. Bei uns standen immer Örgelis herum. Musik war einfach da.»

Was 2010 als Auftritt am Männerchor-Chränzli in Samstagern begann – die Zwillinge gerade neun Jahre alt –, wurde zur kleinen Volksmusik-Sensation. 2015 folgte der erste Auftritt bei «Potzmusig», und mit ihm ein Name, der seither durch Säle und Festzelte hallt: die «Rusch-Büeblä». Frisch, echt, urchig – so beschreiben sie sich selbst. Und tatsächlich trifft das den Ton.

Inzwischen füllen die drei mit ihrem Ländler-Pop, ihren zweistimmigen und selbst komponierten Dialektliedern und ihrer ansteckenden Spielfreude, ganze Hallen. Rund hundert Auftritte im Jahr, vom Dorffest bis zur Fernsehbühne. Sie standen in der Sendung «Bauer, ledig, sucht» genauso wie bei «Potzmusig» und holten im Juni 2025 – wie schon im Jahr zuvor – den Swiss Music Award.

Ein besonderer Höhepunkt: das Engagement mit Trauffer im Zürcher Hallenstadion. Dreimal durften die Rusch-Büeblä im vergangenen November mit dem Berner Alpenrocker auftreten – ausverkauft, tosender Applaus, und mittendrin drei Schwyzer, die eigentlich nur «ein bisschen Ländler» machen wollten. Auch am Eröffnungsumzug des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests waren sie dabei – zwischen Sennen, Sägemehl und schwingenden Fahnen.

Trotz solcher Erfolge bleibt der Ruhm für Simon und seine Familie ein Nebenschauplatz. «Wir alle haben tolle Berufe, und die halten uns vorderhand noch am Boden», sagt er. Das klingt nicht nach falscher Bescheidenheit, sondern nach gesunder Bodenhaftung – und die ist im Handwerk wie in der Musik Gold wert.

Und so werden die Rusch-Büeblä auch künftig zwischen Werkstatt, Baustelle und Bühne pendeln. Bis Ende 2026 sind sie praktisch ausgebucht, und wer sie live erleben will, sollte sich den 24. Januar 2026 vormerken: «Hüttengaudi» in der Stadthalle Sursee – mit Tanz, Brauchtum und ganz viel Ländlermusik. Wenn die drei dann wieder loslegen, werden aus Arbeitshänden Musikerhände, aus Örgeliklängen Harmonien – und aus einem musikalischen Abend ein kleines Stück Schweiz mit Herz.

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