Von Heinz Schneider (Text)

Wenn am Samstagmorgen irgendwo zwischen Emmental und Engadin ein paar Dutzend Kinder mit erwartungsvollem Blick ihre Helme zurechtrücken, dann ist wieder Seifenkistenzeit. Es riecht nicht nach Benzin, sondern nach frischem Holz, Farbe – und ein bisschen nach Abenteuer. Seit 1970 organisiert die «IG Seifenkisten Derby Schweiz» genau solche Momente: Rennen für Kinder und Jugendliche – Events im Zeichen von Rennsport, Do-it-yourself und Familienausflug.

Die Saison zieht sich von April bis Oktober, ein halbes Jahr also, in dem es landauf, landab rollt. Rund 30 bis 35 Rennen stehen auf dem Programm – eine beachtliche Kadenz für eine Disziplin, die ganz ohne Motor auskommt. «Let’s drive!», möchte man sagen, auch wenn der Antrieb ausschliesslich aus Schwerkraft, Mut und ein bisschen Technikverständnis besteht. Wer die provisorischen Termine sucht, wird in unserer Fotogalerie fündig.

Der Einstieg ins Rennprogramm ist erfreulich unkompliziert. Erst wird gebaut – die Seifenkiste ist Pflicht und Kür zugleich –, dann erfolgt die Anmeldung über die Plattform «Seifenkisten Derbys» (seifenkisten.ch). Am Renntag selbst wird die Startnummer abgeholt, meist gegen zehn Uhr geht es los. Drei Läufe pro Tag stehen an, die zwei besten Zeiten zählen. Ein Modus, der auch im grossen Motorsport seine Freunde hätte: Fehler verzeihend, aber nicht beliebig.

Die Altersstruktur ist klar geregelt. Unter sieben Jahren fährt man im Doppelsitz – quasi Co-Pilot mit eingebauter Sicherheitsinstanz. Ab sieben bis 16 geht es solo, vorausgesetzt, die Lizenz stimmt. Gefahren wird in verschiedenen Kategorien: Gesamtcup, Jahrgangscup und die Rookieklasse für die jüngsten vier Jahrgänge. Ein fein austariertes System, das Ehrgeiz fördert, ohne den Spass zu opfern.

Und dann ist da noch eine zweite Bühne, die fast ebenso spannend ist wie die Strecke selbst. Mitgliederbetriebe von «Carrosserie Suisse» nutzen die Rennen als Schaufenster. Während draussen die Seifenkisten über den Asphalt surren, dürfen sich Besucher am Stand selbst als angehende Carrosserieprofis versuchen. Digitales Schweissen am Simulator – eine Tätigkeit, bei der man sich schnell wie ein Profi fühlt –, dazu das Mischen von Farben, ebenfalls virtuell, aber mit sehr realem Aha-Effekt.

Es bleibt nicht bei Bits und Bytes: Verschiedenes Ausstellungsmaterial, Berufsflyer, Give-aways wie Haribo und Kugelschreiber, sorgen für den Kontakt. Dazu kommen kreative Ergänzungen: Kinder gestalten Töffhelme, liefern sich auf der Carrera-Bahn kleine Grand Prix oder drücken mit echtem Werkzeug Dellen aus Carrosserieteilen. Spätestens hier wird klar: Nachwuchsförderung kann auch Spass machen – und muss nicht an Schulbank erinnern.

So entsteht rund um die Seifenkistenrennen ein Treffpunkt, ein Experimentierfeld, eine Bühne für Handwerk und Begeisterung. Und vielleicht auch die Geburtsstätte zukünftiger Fachkräfte – oder zumindest von Menschen, die später mit einem Lächeln sagen: «Angefangen hat alles mit einer Kiste ohne Motor.»