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    Refinish Innovation Day: Weniger Energie, mehr Tempo

Von Dennis Schneider (Text & Fotos)

Manchmal zeigt sich die Zukunft einer Branche nicht in grossen Ankündigungen, sondern in der Lackierkabine. Dort, wo Luft bewegt, Wärme erzeugt, Material verarbeitet und Zeit verbrannt wird. Genau dort setzte der Refinish Innovation Day in der Glas Trösch Automotive Academy in Oensingen an, zu dem AkzoNobel & Carbesa mit der Lackmarke Sikkens eingeladen hatten. Der Anlass richtete sich an Fachleute aus der Carrosserie- und Lackierbranche, an Vertreter von Versicherungen und Flotten sowie an Betriebe, die sich fragen müssen, wie lange man steigende Energiepreise, strengere CO₂-Anforderungen und knappe Margen noch mit Schulterzucken beantworten kann.

Mathias Dufaux von Carbesa begrüsste die Gäste in Oensingen und machte früh klar, dass dieser Tag nicht als klassische Produktschau gedacht war. Natürlich ging es auch um Lacke, Füller und Klarlacke. Aber dahinter stand die grössere Frage: Wie kann ein Betrieb schneller, sauberer, effizienter und gleichzeitig nachhaltiger arbeiten? Carbesa, Teil der Glas Trösch Gruppe und zugleich Sikkens-Lacklieferant, versteht sich in diesem Umfeld nicht nur als Anbieter von Material und Ausrüstung, sondern als Partner für Carrosserie- und Lackierbetriebe – von Verbrauchsmaterialien über Werkstattausrüstung bis hin zu Schulung und Prozessunterstützung. Die Automotive Academy in Oensingen ist dafür die passende Bühne: weniger Showroom, mehr Werkstattrealität.

Amedeo Bonorva von AkzoNobel ordnete anschliessend den Refinish-Bereich des Konzerns ein. Seine Botschaft war eindeutig: AkzoNobel sei längst nicht mehr nur ein Farblieferant. Gerade in der Reparaturlackierung gehe es heute um ein Gesamtpaket aus Produkten, technischer Unterstützung, digitalen Hilfsmitteln, Schulung, Prozessoptimierung und CO₂-Reduktion. Moderne Lackprodukte müssten nicht nur decken, glänzen und halten. Sie müssten auch helfen, Kabinenzeiten zu reduzieren, Material effizienter einzusetzen und Energie zu sparen. Denn die Unterschiede zwischen guten Produkten werden kleiner; entscheidend wird, wer dem Betrieb im Alltag messbar hilft.

Besonders greifbar wurde dieser Anspruch später in der Live-Praxis. Piero Teruel von Carbesa und Claudio Vietri von AkzoNobel zeigten, wie Produkte aus der Sikkens-Optima-Linie im Reparaturprozess eingesetzt werden können. Dabei ging es nicht um die einzelne Dose im Regal, sondern um den gesamten Ablauf: vorbereiten, füllen, schleifen, lackieren, trocknen und klarlackieren. Bereits beim Füller wurde sichtbar, wie stark moderne Systeme heute auf Tempo, Prozesssicherheit und flexible Anwendung ausgelegt sind. Der Sikkens Autosurfacer Optima kann je nach Reparaturaufgabe als Schleiffüller oder nass-in-nass eingesetzt werden. Damit lässt sich der Untergrund zügig für den weiteren Lackaufbau vorbereiten, ohne dass der Prozess unnötig an Fahrt verliert. Für den Betrieb ist das kein hübsches technisches Detail am Rand, sondern ein handfester Vorteil: weniger Wartezeit, bessere Planbarkeit und ein Ablauf, der nicht bei jedem Zwischenschritt ins Stocken gerät. Für sich allein klingt das unspektakulär. Im Tagesgeschäft ist genau das der Unterschied zwischen Stillstand und Durchsatz.

Im Zentrum stand dann der wasserbasierte Basislack Sikkens Autowave Optima. Das System ist als One-Stop-Lösung ausgelegt und soll mit 1,5 Schichten auskommen, ohne Ablüftzeit zwischen den Schichten. Gemäss Hersteller lassen sich damit Prozesszeiten deutlich verkürzen, Materialverbrauch und Energieeinsatz reduzieren. Für den Lackierer bedeutet das: weniger Unterbrüche, weniger Warten, weniger Kabinenbelegung. Für den Betrieb bedeutet es: mehr planbare Abläufe, tiefere Energiekosten und weniger Reibungsverlust im Prozess. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass ein einzelner Arbeitsschritt schneller wird. Entscheidend ist, dass das ganze System zusammenpasst. Spritzabstand, Materialmenge, Schichtaufbau, Trocknungszeit, Übergänge und Farbtonsicherheit greifen ineinander. Genau darin liegt der Anspruch der Optima-Linie: Füller, Basislack und Klarlack sollen nicht als einzelne Produkte nebeneinanderstehen, sondern gemeinsam einen Reparaturprozess ermöglichen, der schneller, stabiler und besser steuerbar wird. Effizienz beginnt nicht beim Tempo allein, sondern bei der Wiederholbarkeit.

Auch der Klarlack passte in diese Logik. Moderne Systeme wie Autoclear Optima sollen flexibler trocknen können und damit helfen, den Energieeinsatz in der Kabine zu senken. Der Punkt ist simpel: Jede Minute, in der eine Kabine aufgeheizt und blockiert wird, kostet Geld. Früher war das vor allem ein technischer Nebenaspekt. Heute ist es Teil der Betriebsrechnung. Die Lackiererei wird damit immer stärker zum Prozessgeschäft. Das perfekte Reparaturergebnis bleibt für den Kunden sichtbar. Was dahinter zählt, sieht er nicht: Energie, Zeit, Material, Daten.

Diesen betriebswirtschaftlichen Blick schärfte Andreas Hofer von Enerprice AG. Er erklärte, weshalb CO₂ für viele Betriebe nicht nur ein politisches Thema bleibt, sondern über Kunden, Versicherungen, Flotten und grössere Auftraggeber direkt in die Werkstatt kommen wird. Grössere Unternehmen müssen ihre Emissionen erfassen und reduzieren. Damit geraten automatisch auch Lieferanten und Dienstleister in den Fokus. Ein Carrosserie- und Lackierbetrieb kann also auch dann betroffen sein, wenn er selbst nicht unter umfangreiche Berichtspflichten fällt. Wer für Flotten, Versicherungen oder Grosskunden arbeitet, wird künftig eher gefragt werden, wie viel Energie der Betrieb verbraucht, welche Emissionen entstehen und welche Massnahmen geplant sind.

Hofer sprach zwar von Scope 1, 2 und 3, machte daraus aber keine akademische Übung. Für die Betriebe zählt zuerst, was im eigenen Haus passiert: Heizung, Strom, Druckluft, Lackierkabine, Beleuchtung und Prozessführung. Dort entstehen Kosten, dort entstehen Emissionen, und dort lassen sich Massnahmen am schnellsten greifen. Sein entscheidender Hinweis: Wer sich mit CO₂ beschäftigt, beschäftigt sich automatisch mit Kosten. Eine CO₂-Ermittlung kann zeigen, wo Energie verpufft, wo Material verschwendet wird und wo Abläufe unnötig teuer sind. CO₂ wird damit nicht zur moralischen Vitrine, sondern zu einer betriebswirtschaftlichen Kennzahl. Wer seine Zahlen kennt, kann gegenüber Kunden, Partnern und Förderstellen besser auftreten.

Am Nachmittag machte André Flückiger von eicher+pauli deutlich, weshalb die Lackierkabine energetisch eine Schlüsselrolle spielt. Während der Lackierphase werden grosse Luftmengen bewegt, gefiltert und temperiert. In der Trocknungsphase steigt der Energiebedarf zusätzlich. Wer warme Abluft einfach ins Freie bläst, verliert Energie und damit Geld. Flückiger zeigte verschiedene Stufen auf: vom besseren Umgang mit bestehenden Anlagen über Wärmerückgewinnung bis hin zum Wechsel auf andere Energieträger oder zu Wärmepumpenlösungen. Eine Lösung ab Stange gibt es allerdings nicht. Jede Kabine, jedes Gebäude und jeder Betrieb hat andere Voraussetzungen. Platz, Anschlüsse, bestehende Technik und Investitionsbedarf entscheiden darüber, was sinnvoll ist.

Salvatore Malomo von AkzoNobel weitete den Blick danach auf Netzwerke und Standards. Seine Frage war berechtigt: Wozu braucht es heute noch ein Netzwerk? Seine Antwort fiel pragmatisch aus. Weil ein einzelner Betrieb Elektromobilität, Digitalisierung, Fachkräftemangel, Nachhaltigkeit, Herstelleranforderungen und neue Kundenerwartungen kaum noch allein stemmen kann. Ein Netzwerk dürfe allerdings nicht nur ein Logo an der Fassade sein. Es müsse Austausch ermöglichen, Qualität sichern, neue Geschäftschancen schaffen und Betriebe in ihrer Leistung verbessern. Malomo fasste dies in die Begriffe Networking, Business und Performance. Dahinter steckt keine Wortakrobatik, sondern eine einfache Logik: Wer alleine arbeitet, macht auch alle Fehler alleine.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Sustainable Repair Network von AkzoNobel. Es soll Betriebe dabei unterstützen, Energie- und CO₂-Daten zu erfassen, Massnahmen abzuleiten und Fortschritte sichtbar zu machen. Auch hier ging es nicht darum, Betriebe mit zusätzlicher Bürokratie zu beschäftigen. Zumindest nicht offiziell. Der eigentliche Zweck ist Transparenz. Versicherungen, Flotten und Grosskunden werden künftig belastbare Angaben verlangen. Wer dann noch in der Schublade nach der letzten Stromrechnung sucht, hat ein Problem. Wer seine Daten kennt, kann argumentieren.

Ralf Käser vom Schweizer Mobilitätsverband sffv stellte dazu eine Weiterbildung im Nachhaltigkeitsbereich vor. Sie soll nicht als klassischer Kurs funktionieren, bei dem man ein paar Tage zuhört und danach im Alltag wieder von der Realität überfahren wird. Käser sprach von Blended Learning: digitale Wissensvermittlung, Präsenzblöcke, Praxisprojekte und Erfahrungsaustausch. Der entscheidende Punkt sei das Tun. Nachhaltigkeit müsse im eigenen Betrieb als konkretes Projekt umgesetzt werden. Es gehe darum, Daten zu verstehen, Massnahmen zu planen, Risiken einzuschätzen und den wirtschaftlichen Nutzen sichtbar zu machen. Velofahren lernt man schliesslich auch nicht aus einem PDF.

Res Witschi von Swisscom stellte mit GreenOne eine digitale Plattform vor, die Unternehmen beim Erfassen und Strukturieren von Nachhaltigkeitsdaten unterstützen soll. Viele Betriebe arbeiten heute noch mit Excel-Tabellen, verstreuten Rechnungen und manuellen Erfassungen. Das kostet Zeit, die gerade kleine Unternehmen kaum haben. GreenOne soll Daten bündeln, wo möglich automatisieren und für verschiedene Zwecke nutzbar machen: CO₂-Bilanz, Massnahmenplanung, Reporting, Fördergesuche oder Kommunikation mit Geschäftspartnern. Der Anspruch ist klar: Nachhaltigkeitsdaten sollen nicht zum eigenen Verwaltungsmonster werden.

Michel Müller von EBP Schweiz zeigte schliesslich, dass Nachhaltigkeit auch über Förderprogramme greifbar werden kann. Energieberatung, ProKilowatt-Programme und spezifische Fördermöglichkeiten wie ColorWatt können Betriebe unterstützen, wenn sie alte Anlagen durch effizientere Technik ersetzen oder Stromeffizienzmassnahmen umsetzen. Entscheidend ist der Zeitpunkt. Wer zuerst bestellt und danach Fördergelder beantragt, kommt in der Regel zu spät. Der Antrag muss vor der Umsetzung erfolgen. Gerade bei Lackieranlagen, Druckluft, Beleuchtung oder Lüftung können Fördergelder helfen, Investitionen wirtschaftlicher zu machen und gleichzeitig den Energieverbrauch zu senken.

Für einen kurzen emotionalen Bruch sorgte das Porsche Zentrum Zug. Thomas Güntert stellte die Driving Events 2026 vor – strukturierte Fahrveranstaltungen auf Rennstrecken wie Le Castellet, Spa, Imola, Mugello oder Misano. Es ging um Fahrtechnik, Instruktion, Sicherheit und das Erlebnis, einen Porsche dort zu bewegen, wo er nicht ständig von Tempolimiten beleidigt wird. AkzoNobel und Carbesa verlosten zudem ein Wochenende mit einem Porsche GT4. Gewinner war Adriano Pan von der Carrozzeria Globocar. Nach Stunden voller CO₂, Energiekennzahlen und Förderlogik war das ein bewusst gesetzter Kontrast. Aber kein völlig fremder. Auch auf der Rennstrecke zählen Präzision, Technik und Kontrolle.

Am Ende zeigte der Refinish Innovation Day vor allem eines: Die Zukunft der Carrosserie- und Lackierbranche entscheidet sich nicht nur am Glanz der Oberfläche. Sie entscheidet sich an Minuten, Kilowattstunden, Materialeinsatz, Daten und Prozesssicherheit. Nachhaltigkeit kommt hier nicht als hübsches Etikett daher, sondern als Betriebsfrage. Wer weniger Energie verbraucht, schneller arbeitet, seine Prozesse kennt und seine Zahlen belegen kann, hat einen Vorteil. Wer wartet, bis Versicherer, Flotten oder Gesetzgeber die Spielregeln diktieren, wird später vielleicht auch noch nachhaltig – aber ziemlich sicher unter Druck.