Von Heinz Schneider (Text) und Irene Schneider (Fotos)
Es gibt Abende, da stimmt einfach alles: das Wetter, die Stimmung, das Essen – und vor allem der Anlass. Die Lehrabschlussfeier der Sektion Nordwestschweiz von «Carrosserie Suisse» in Biel-Benken gehört genau in diese Kategorie. Herrliches Sommerwetter legte sich über das Gelände der «Falcone Carrosserie + Spritzwerk GmbH», als hätte jemand den Lackiermodus auf «Hochglanz» gestellt. Kein Wunder also, dass der offizielle Teil für den einen oder die andere nur der Auftakt war. Der Abend rollte weiter, gemütlich, beschwingt – und in einigen Fällen bis beinahe Mitternacht.
Die aufwändige Durchführung und Organisation lag in den Händen von Rosario Falcone. Und wer die Branche kennt, weiss: Wenn er mit seinem Team anpackt, dann ist alles sauber vorbereitet, exakt ausgeführt und glänzt mit schöner Oberfläche. Genau so präsentierte sich auch diese Feier. Ein weiteres Team – in der Fotogalerie dokumentiert – sorgte für das kulinarische Fundament des Abends. Als Vorspeise gab es eine feine Salat- und Fleischplatte, danach hervorragende Teigwaren mit wahlweisem Pesto oder Tomatensauce. Bodenständig, grosszügig, gut. Also ziemlich genau das Gegenteil jener Häppchen, bei denen man nach drei Stück noch immer hungrig in die Serviette beisst.
Begrüsst wurden die Gäste von Sektionspräsident Erwin Leu. Er gratulierte den jungen Berufsleuten nicht nur zum erfolgreichen Abschluss, sondern richtete den Blick gleich nach vorn. Denn mit dem Lehrabschluss ist in dieser Branche nicht Schluss, sondern eher der erste sauber gesetzte Schweisspunkt einer längeren beruflichen Konstruktion. Leu wies auf die vielen Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten hin – vom Carrosseriefachmann über den Werkstattkoordinator bis hin zum Werkstatt- und Betriebsleiter. Die Botschaft war klar: Wer will, kann in dieser Branche weit kommen.
Dazu passte das an diesem Abend zitierte Sprichwort ausgezeichnet: «Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein.» Es wird häufig Marie von Ebner-Eschenbach zugeschrieben, dürfte tatsächlich aber älter sein und aus einer lateinisch-englischen Tradition stammen. Wie auch immer: Es sass. Gerade an einem Abend, an dem junge Fachkräfte bewiesen hatten, dass sie nicht nur gelernt, sondern geliefert haben.
Obmann Pascal Volk übernahm die detaillierten Informationen zu den Prüfungen der Lackierer. Gestartet waren diese am 30. April 2026 mit den schriftlichen Prüfungen. Am 4. Mai folgten die praktischen Arbeiten – und die hatten es in sich, dauerten zwanzig Stunden. Es traten 15 Lackierer an, zwei Damen und 13 Herren. Das schönste Resultat des Abends: Alle haben bestanden. Für das besonders feine Finish sorgten einmal mehr die Damen: Michèle Selina Beck und Sahra Schaub legten mit einem Durchschnitt von 5,2 die besten Prüfungen ab.
Die Übergabe der Zertifikate an die Carrosseriespengler übernahm Andreas Arnold vom üK-Zentrum Zofingen. Die Absolventen mussten bei den schriftlichen Prüfungen in Berufskunde – unter anderem mit dem Führen eines Fachgesprächs – sowie in Allgemeinbildung zeigen, was sie können. Danach folgte auch hier die 20-stündige Praxisprüfung. Und die verlangte deutlich mehr als ein bisschen Blechgefühl. Unter anderem musste ein Auto vermessen werden, defekte Teile an einem Frontschaden waren zu erkennen und zu ersetzen, ein Heckschaden musste beurteilt werden, und im Rahmen einer Restauration hatten die Kandidaten Teile nach Plan anzufertigen. Kurz: Genau jene Mischung aus Auge, Handwerk, Verstand und Geduld, die diesen Beruf ausmacht. Vier Carrosseriespengler und ein Reparateur traten an, alle haben bestanden. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann – auch ohne Nachpolieren.
Unter den Gästen war auch Verbandsdirektor Daniel Röschli. Er gratulierte den jungen Berufsleuten, lobte die duale Bildung in der Schweiz und erinnerte daran, was dieser Tag bedeutet: Die Absolventen hätten heute den Grundstein für ihre berufliche Karriere gelegt. Nun stünden ihnen alle Türen offen. Und er gab ihnen einen Satz mit auf den Weg, der ziemlich dringend klang: «Bleiben Sie unserer tollen Branche erhalten – wir brauchen Sie.»
Damit traf Röschli den Kern des Abends. Denn gefeiert wurde nicht nur ein Abschluss, sondern auch ein Anfang. Die jungen Berufsleute haben gezeigt, dass sie die Werkzeuge beherrschen, die Abläufe verstehen und den Beruf ernst nehmen. Sie können lackieren, richten, messen, beurteilen, ersetzen, anfertigen – und, was mindestens so wichtig ist: Sie haben durchgehalten.
In Biel-Benken wurde an diesem Sommerabend also mehr gefeiert als ein Stapel Zertifikate. Gefeiert wurde eine Branche, die Fachkräfte braucht. Eine Ausbildung, die trägt. Und ein Nachwuchs, der bewiesen hat, dass er bereit ist für den nächsten Gang.
Dass dieser Abend bei bestem Wetter, gutem Essen und bester Stimmung bis in den späten Abend weiterlief, passte nur zu gut. Denn wenn schon ein neuer beruflicher Abschnitt beginnt, darf man ruhig noch einen Moment länger sitzen bleiben. Vor allem, wenn die Pasta stimmt.