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    Wo einst Soldaten standen, feiern heute junge Carrosserie-Berufsleute

Von Heinz Schneider (Text) und Irene Schneider (Fotos)

Wir beginnen unsere Berichterstattung über die Abschlussfeier von «Carrosserie Suisse Zürich» für einmal mit etwas Staats- beziehungsweise Geschichtsunterricht. Keine Sorge: Es folgt weder eine Prüfung noch müssen Jahreszahlen auswendig gelernt werden. Ein kurzer Blick zurück lohnt sich dennoch. Denn gefeiert wurde in diesen Tagen auf dem Zeughausareal in Uster – als Ersatz für die STFW Winterthur, wo derzeit umgebaut wird und deshalb vorübergehend eher Baulärm als Festreden den Ton angibt.

Die Geschichte des Zeughausareals beginnt in den Krisenjahren um 1936. Uster zählte damals gerademal 9663 Einwohner, die Arbeitslosigkeit war hoch, und wirtschaftliche Zuversicht gehörte nicht eben zur Grundausstattung des Alltags. Die Gemeinde wollte deshalb Zeughaus-Standort werden. Man versprach sich davon Arbeit, Aufschwung und Bewegung in der örtlichen Kasse. Vorgesehen war eine knapp fünf Fussballfelder grosse Fläche ausserhalb des Dorfes. Die Stimmbürger waren dafür, das Land für 150 000 Franken zu kaufen und dem Eidgenössischen Militärdepartement zu schenken.

Uster wurde damit zum Korpssammelplatz. Als der Zweite Weltkrieg begann, rückten rund 10 000 Soldaten ein. Nach dem Krieg änderte sich die Nutzung. Aus den Zeughäusern wurden Lager für Notvorräte – Getreide, gedörrte Härdöpfelscheiben, Speiseöl.

2003 nahm das Schweizer Stimmvolk die Armeereform XXI an, was eine Verkleinerung der Armee zur Folge hatte. Zwei Jahre später wurden die Zeughäuser in Uster definitiv geschlossen. Aus dem militärisch geprägten Areal entwickelte sich ein offener Ort für Kultur und Begegnung. Heute kann man dort Keramik bemalen, lismen, töpfern oder aktuell die Spiele der Fussball-WM auf einer grossen Leinwand verfolgen.

Und man kann eine Diplomfeier durchführen, wie es die Zürcher Sektion für ihre rund 400 angemeldeten Gäste tat. Darunter befanden sich 110 Lehrabgänger, begleitet von Eltern, Lehrern, Freunden, Geschwistern und all jenen, die während der vergangenen Jahre mitgefiebert, mitgelitten oder gelegentlich wohl auch mitgeschimpft hatten.

Das Wetter spielte prächtig mit. Über dem Areal lag jene gelöste Stimmung, die sich einstellt, wenn Prüfungen geschrieben, praktische Arbeiten abgegeben und die entscheidenden Noten längst gesetzt sind. Nun ging es nicht mehr um Spaltmasse, Farbtonabweichungen oder Schweisspunkte. Es ging um Anerkennung. Die Berufsleute wurden auf der Bühne geehrt, ihre Leistungen mit kräftigem Applaus bedacht.

Und es gab Leistungen, die sich sehen lassen können. Hervorzuheben ist Lackiererin Flurina Johanna Schläpfer, die mit 5,4 abschloss. Ein Resultat, das nicht einfach vom Himmel fällt, sondern Präzision, Ausdauer und Wille verlangt.

Auch beim noch jungen Beruf Carrosseriereparateur gab es Grund zur Freude. Gleich 22 Absolventen durfte gratuliert werden. Damit scheint der Beruf endgültig in der Branche angekommen zu sein. Die vier Besten schlossen mit Noten zwischen 5,0 und 5,1 ab – ein respektables Zeichen dafür, dass der Nachwuchs nicht bloss in der Breite, sondern auch an der Spitze überzeugt.

Bei aller Festfreude sollte allerdings nicht verschwiegen werden, dass der Weg durch die Lehrjahre längst nicht für alle ein Spaziergang ist. Das gilt für die Lernenden ebenso wie für Lehrpersonen, Berufsbildner und Prüfungsexperten. Die technischen Anforderungen steigen, gleichzeitig ist es nicht einfacher geworden, junge Menschen über mehrere Jahre hinweg zu motivieren, zu begleiten und gelegentlich wieder auf Kurs zu bringen.
«Es wird immer schwieriger, junge Menschen davon zu überzeugen, dass sie einen tollen Beruf lernen und welcher Weg sie zum erfolgreichen Abschluss führt», sagte ein Brancheninsider, dessen Name dem Verfasser dieser Zeilen soeben entfallen ist.

Apropos Namen: Noch nicht offiziell bekannt ist, wer an der STFW die Nachfolge von üK-Leiter Tin Burek antreten wird. Burek, ein mit fast allen Berufsweihen gesegneter Lackierer, wechselt ins Fach der Gewerbeschullehrer. «Carwing» hat immerhin in Erfahrung gebracht, dass seine Nachfolge eine 24 Jahre junge Frau aus dem Kanton Schwyz übernehmen soll. Mehr wird derzeit noch nicht verraten. Die Branche pflegt ihre Geheimnisse mitunter fast so sorgfältig wie einen neu entwickelten Farbton.

Was an der Zürcher Abschlussfeier in Uster sonst noch alles passiert ist, entnehmen Sie bitte unserer Fotogalerie. Dort finden sich die strahlenden Gesichter, die stolzen Angehörigen und vermutlich auch der eine oder andere Moment, den Worte ohnehin nur unvollständig wiedergeben können.