Lackierer und Autolacke

Sauber F1: Wer hats lackiert? Natürlich die Schweizer

 

Von Heinz Schneider (Text) und Dennis-Mario Schneider (Fotos)

Die Meldung von carwing «Saubere Sache: Lackmarke von BASF lackiert F1-Rennwagen», der brandneue Sauber-Rennbolide der Saison 2023 sei mit einem neuen Produkt (Agilis) der Marke R-M lackiert worden, ist auf riesiges Interesse gestossen – und hat in der Branche ein lautes Echo ausgelöst. Was BASF letztlich auch dazu bewogen hat, nachzudoppeln und in einem aufwändig gemachten aufschlussreichen Kurzfilm über ihren jüngsten Auftrags-Coup zu informieren.

 

In diesem Video, das auch bei carwing aufgeschaltet ist, ist (fast) alles über das BASF-Lackprodukt zu erfahren – zum Beispiel über die Nachhaltigkeit von Agilis, die garantierten kürzeren Arbeitsprozesse, seine Kosteneinsparungen und Effizienz. Doch eine für uns wichtige Information fehlt. Nämlich die Antwort auf die Frage, welche Lackiererei den Rennwagen denn farblich so attraktiv und gekonnt in Szene gesetzt hat. Wir wollten das haargenau wissen – und sind der Sache auf den Grund gegangen. Folgendes haben wir herausgefunden: Bei den Lackierprofis handelt es sich um die «Art Lack Atelier GmbH» – ein Viermannbetrieb im zürcherischen Wetzikon. Natürlich haben wir ihn besucht. Hier ist der Bericht.

 

Die Tatsache, dass Rennwagen von Sauber in der Schweiz und nicht im Ausland lackiert werden, hat seit rund 35 Jahren mit der Person Erik Buser zu tun, Mitinhaber und Geschäftsführer der «Art Lack Atelier GmbH». Nach einigen Anstellungsjahren gründete er 1998 in Hinwil (ZH) die Einzelfirma «Spritzatelier Erik Buser», die hauptsächlich für die Lackierarbeiten des Sauber-Teams zuständig war. 2010 stieg Daniele Cona als stellvertretender Geschäftsführer ein, und seit 1. Juli 2012 gehört den beiden die «Art Lack Atelier GmbH» am Standort in Wetzikon im Zürcher Oberland.

 

Dort werden heute die von Garagen oder Spenglerwerkstätten gelieferten Privatautos verschönert, spezielle Lackierungen an Möbeln und Inneneinrichtungen angebracht oder eben die Rennwagen von Sauber lackiert. Ein Auftrag, der enorme Flexibilität mit teilweise auch Wochenendarbeit erfordert. Weil man nie im Voraus weiss, wann ein Teil eines Formel-1-Wagens beschädigt wird und wie schnell es danach wieder im 1A-Zustand lackiert sein muss. Das Einzige, das immer gleichbleibt, ist die Anliefer- und Ablieferadresse: Sämtliche zu reparierende Carrosserieteile kommen direkt vom Sauber-Hauptsitz in Hinwil und werden von der «Art Lack Atelier GmbH» nach getaner Arbeit auch wieder dort angeliefert.

 

Wobei: Beim Auftragsvolumen nur von lackierten Carrosserieteilen zu sprechen, würde der Sache nicht im Geringsten gerecht werden. Denn das Ganze geht viel weiter: Unter anderem lackieren die Fachleute der «Art Lack Atelier GmbH» auch Werkzeuge für die Mechaniker, Stellwände oder andere Boxen-Gegenstände fürs Sauber-Team.

 

Und wie haben sich die Lackierarbeiten am Rennwagen mit Agilis, dem weiterentwickelten Nachfolger der bisherigen Onyx-Reihe, für die Fachleute in Wetzikon gestaltet? «Wir haben gewusst, dass die Lackierung des Auto vom Gewicht her leichter werden muss,» hält Erik Buser fest. Und ergänzt: «Das haben wir auch deshalb erreicht, weil Agilis eine ausserordentliche Deckungskraft aufweist, was schliesslich weniger Material nötig gemacht hat.»

 

Bleibt uns zum Schluss nur noch folgendes Fazit: Fahren die beiden Sauber-Piloten Bottas und Zhou so schnell auf der Rennstrecke wie Agilis nach dem Lackieren trocknet, sollte einem Podestplatz bis spätestens Sommer 2023 eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

 

 

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