Autos waren einmal weiss, schwarz oder irgendetwas dazwischen. Hauptsache unauffällig, hauptsache Wiederverkaufswert. 2025 wirkt diese Haltung plötzlich so zeitgemäss wie ein Nokia mit Antenne. Der aktuelle Color Report von BASF Coatings zeigt eine Branche, die sich farblich neu erfindet – vorsichtig, aber unübersehbar. Grün marschiert nach vorne, Grau legt zu, und die einstigen Helden Blau und Rot treten den geordneten Rückzug an. Wirklich überraschend? Oder einfach überfällig?

Global betrachtet ist Grün der klare Gewinner unter den chromatischen Farben. Keine Explosion, kein Hype – eher ein stetiges, fast trotziges Wachstum. Grün schafft es neu in die Top 3 und lässt damit erkennen, wie sehr sich Autokäufer von alten Reflexen lösen. Blau, lange Zeit die sichere Alternative zum Einheitsgrau, verliert einen Prozentpunkt. Rot, einst Inbegriff von Dynamik und Sportlichkeit, schrumpft auf magere drei Prozent Marktanteil. Der Klassiker verblasst, das Signalrot wird zum Randphänomen. Man könnte sagen: Emotion ja, aber bitte mit gedämpfter Lautstärke.

Parallel dazu erlebt Grau eine bemerkenswerte Karriere. Plus zwei Prozentpunkte, und das in einem Markt, der sonst kaum Bewegung kennt. Grau ist längst nicht mehr das matte Taxi-Grau vergangener Jahrzehnte, sondern eine fein austarierte Palette zwischen Technik, Eleganz und Understatement. Weiss verliert leicht, Schwarz bleibt stabil – allerdings nicht mehr als simple Uni-Lackierung. Der Anteil reiner Uni-Farben fällt auf nur noch 18 Prozent. Glatt, einfach, billig? Offenbar passé. Der Markt will Tiefe, Nuancen, Effekte. Auch wenn sie auf den ersten Blick fast unsichtbar sind.

In der EMEA-Region zeigt sich dieser Wandel besonders deutlich. Grün überholt Rot und etabliert sich als Farbe für Individualisten mit Sinn für Kontrolle. Silber hingegen rutscht weiter ab, als hätte es seinen Zweck erfüllt. Schwarz und Grau festigen ihre Rolle als sichere Konstanten, Weiss verliert minimal, gewinnt dafür an feinen Abstufungen. Florina Trost, Designchefin EMEA bei BASF Coatings, spricht von einem Trend, der sich seit Jahren abgezeichnet habe. Grün sei früh in den Trendkollektionen präsent gewesen – heute sieht man, wie diese Vorarbeit Früchte trägt. Planung schlägt Spontaneität. Auch in der Farbwelt.

Amerika wirkt widersprüchlicher. Grau liegt zwar leicht unter dem Vorjahr, bleibt aber deutlich stärker als noch 2023. Silber erlebt ein kleines Comeback, Weiss verliert weiter. Gleichzeitig wächst der Anteil farbiger Lacke um fast zwei Prozentpunkte. Während Rot und Blau historisch das Bild prägten, drängen nun Grün, Beige, Braun und sogar Violett nach vorne. Natur statt Neon, Erdung statt Pathos. Mark Gutjahr, global verantwortlich für Automotive Color Design, erinnert daran, dass Braun und Beige bereits 2021 als Schlüsselfarben identifiziert wurden. Der Markt folgt langsam, aber konsequent. Trend ist eben kein TikTok-Clip, sondern ein Langstreckenlauf.

Im asiatisch-pazifischen Raum dominieren weiterhin die achromatischen Farben. Grau legt klar zu, Weiss gibt nach, Schwarz und Silber bleiben stabil – verlässlich wie ein gut geöltes Uhrwerk. Und doch: Grün gewinnt auch hier an Bedeutung. Das Spektrum reicht von frischen, fast leuchtenden Tönen bis zu erdigen, traditionellen Nuancen. Blau verliert leicht, chromatische Farben insgesamt ebenfalls. Aber die Vielfalt innerhalb dieser kleineren Farbgruppe wächst. Weniger Masse, mehr Differenzierung. Chiharu Matsuhara, Leiterin Color Design Asien-Pazifik, verweist auf frühere Kollektionen mit nahezu uni wirkendem Grau und urbanem Grün. Heute sind genau diese Ideen im Markt angekommen. Anpassung als Strategie, nicht als Kompromiss.

Der Color Report von BASF Coatings basiert auf weltweiten Produktions- und Lackierdaten von Personenwagen und liefert damit mehr als nur ästhetische Momentaufnahmen. Er zeigt, wie sich Konsum, Design und gesellschaftliche Selbstbilder verschieben – langsam, aber unausweichlich. Grün steht für Nachhaltigkeit, Grau für technologische Nüchternheit. Rot und Blau? Erinnerungen an eine Zeit, in der Autos noch lauter sein durften als ihre Fahrer.