Von Dennis Schneider (Text)
Wenn zwei Marken seit 2008 zusammenspannen, ist das entweder echte Leistungskultur – oder einfach eine sehr teure Gewohnheit. Bei AkzoNobel und McLaren Racing klingt es nach beidem, nur eben mit Hochglanzlack statt Hochglanzbroschüre: Die Partnerschaft wird verlängert, und sie wächst gleich noch in eine zweite Rennwelt hinein. Der Timing-Zufall ist dabei fast schon zu perfekt: McLaren kommt als Doppel-Champion aus der Saison 2025 – Team-Weltmeister, und Lando Norris als Fahrer-Weltmeister.
AkzoNobel bleibt exklusiver offizieller Partner des McLaren Mastercard Formula 1 Teams für Beschichtungslösungen. Das ist die nüchterne Kernbotschaft – und sie ist in diesem Geschäft alles andere als banal. Denn Lack ist im Motorsport längst nicht mehr bloss Farbe, sondern Funktion: Gewicht, Aerodynamik, Reparaturfähigkeit, Oberflächenqualität, Nachhaltigkeitsanforderungen – und ja, auch Image. Klingt eitel? Ist es auch, aber nicht nur: In einer Serie, in der Millimeter über Podien entscheiden, wird selbst die Schichtdicke zur kleinen Wissenschaft mit grosser Wirkung.
Neu ist vor allem der nächste Schritt: AkzoNobel steigt als einer der ersten Partner beim McLaren United Autosports WEC Hypercar Team ein – noch bevor McLaren in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) überhaupt ernst macht. 2026 läuft dabei als Aufbau- und Testjahr: Programm hochfahren, Technik validieren, Abläufe härten – bevor 2027 das offizielle Debüt in der Hypercar-Klasse ansteht. Das ist strategisch clever, weil es die Marke früh im Projekt verankert, bevor das Auto überhaupt die grosse Bühne betritt. Und es ist kommunikativ praktisch: Man kann über Innovation sprechen, bevor irgendjemand Zeiten liefern muss. Oder nur Theater? Die WEC ist jedenfalls nicht die Disziplin für Marketing-Sprints, sondern für Dauerbelastung, Materialstress und Entscheidungen um drei Uhr morgens.
Genau dort sitzt auch das Argument, mit dem beide Seiten den Ausbau der Zusammenarbeit begründen: Leistung und Innovation, seit fast zwei Jahrzehnten als gemeinsamer Nenner gepflegt. Patrick Bourguignon, Direktor des Geschäftsbereichs Automotive and Specialty Coatings bei AkzoNobel, verkauft die Verlängerung als logische Fortsetzung eines Prinzips ohne Enddatum: Das Streben nach Verbesserung höre nie auf, deshalb wolle man weiter Grenzen verschieben und neue Möglichkeiten ausloten – bei Nachhaltigkeit, technologischer Innovation und Produktentwicklung. Das klingt wie ein Satz, der in jedem Konferenzraum der Welt funktionieren würde. Nur: In der WEC wird er gnadenlos überprüft. Dort zählt nicht, was man verspricht, sondern was nach 6, 12 oder 24 Stunden noch hält.
Bei McLaren klingt es ähnlich, nur mit Rennsport-Tonlage. Matt Dennington, Co-Chief Commercial Officer bei McLaren Racing, nennt AkzoNobel einen «vertrauenswürdigen Partner» seit fast zwei Jahrzehnten und spricht vom «nächsten Level» – ausgerechnet jetzt, wo McLaren den Einstieg in die World Endurance Championship vorbereitet. Partner, die Leistung und Innovation teilen, seien der Schlüssel zum Erfolg, sagt er. Übersetzt heisst das: Wer nicht mitzieht, fällt ab. Wer mitzieht, bekommt Sichtbarkeit auf den schnellsten Werbeflächen der Welt. Fairer Tausch, solange das Auto nicht zur rollenden Ausrede wird.
Die WEC selbst liefert den passenden Rahmen für diesen Schritt: eine globale Sportwagenserie mit Fokus auf Langstreckenrennen, in denen Zuverlässigkeit, Strategie und Teamleistung im Zentrum stehen. Die Hypercar-Kategorie ist dabei die Königsklasse – eingeführt 2021 – und der Ort, an dem Hersteller und Teams ihre Technik- und Effizienz-Erzählungen am liebsten testen lassen. Und natürlich gehört zur Meisterschaft auch das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, das mythische Prüfgerät für jede Motorsport-Eitelkeit. McLaren hat dort beim eigenen Debüt 1995 gewonnen – ein historischer Satz, der bis heute wie ein Gütesiegel herumgereicht wird, weil er so schön nach «einmal hingreifen, alles richtig machen» klingt.
Während der Blick Richtung 2027 also schon fest auf Langstrecken-Prestige und Hypercar-Krone gerichtet ist, läuft in der Formel 1 das bekannte Hochgeschwindigkeitsprogramm weiter. Die Team-Präsentation ist für 9. Februar 2026 angesetzt, die offiziellen Bahrain-Testtage starten am 11. Februar, und der Saisonauftakt in Australien findet am 8. März 2026 statt. Drei Daten, drei Bühnen, drei Gelegenheiten, die Partnerschaft wieder sichtbar zu machen – mit Lack, Logos und der stillen Hoffnung, dass alles so reibungslos läuft, wie es die Pressemitteilung verspricht.
Am Ende bleibt die Pointe dieser Verlängerung erstaunlich simpel: AkzoNobel liefert Oberfläche, McLaren liefert Bühne, beide liefern das Versprechen, dass «Innovation» nicht nur ein Wort für Präsentationsfolien ist. In der Formel 1 wird das in Sekunden gemessen, in der WEC in Stunden – und genau deshalb ist dieser Ausbau so konsequent. Denn wer Dauerhaltbarkeit behauptet, sollte sich früher oder später auch dem Dauerlauf stellen.