Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Personalie wirkt, ist in Wahrheit der nächste Schritt in einem grösseren Umbau. BASF Coatings hat am 26. März bekanntgegeben, dass Jens Lühring nach dem Vollzug der Transaktion Chief Executive Officer werden soll. Bis dahin führt Dr. Uta Holzenkamp das Unternehmen weiter; anschliessend soll sie den Übergang begleiten. Damit wird sichtbar, dass die Zeit nach dem Eigentümerwechsel nicht erst geplant wird, wenn der Deal vollzogen ist, sondern längst vorbereitet wird.
Der Hintergrund ist der im Oktober 2025 vereinbarte Verkauf der Geschäfte mit Fahrzeugserienlacken, Autoreparaturlacken und Oberflächentechnik an Carlyle, das dabei mit der Qatar Investment Authority zusammenarbeitet. BASF bezifferte den Unternehmenswert dieses Pakets auf 7,7 Milliarden Euro. Beim Vollzug soll BASF rund 5,8 Milliarden Euro vor Steuern erhalten und zugleich mit 40 Prozent beteiligt bleiben. Von einem vollständigen Abschied kann also keine Rede sein; vielmehr entsteht ein eigenständiges Unternehmen unter neuer Mehrheit, an dem BASF weiterhin beteiligt bleibt.
Die Grössenordnung ist beträchtlich. BASF bezifferte den Umsatz der betroffenen Geschäfte für 2024 auf rund 3,8 Milliarden Euro. Nach Angaben von BASF Coatings umfasst die Transaktion rund 10’700 Mitarbeitende an 160 relevanten Standorten. Für Kunden und Werkstätten lautet die Botschaft vorerst: Das Geschäft läuft weiter, Marken wie Glasurit und Chemetall bleiben bestehen, und für Münster als Hauptsitz gibt es derzeit keine Umzugspläne. Zudem verweist das Unternehmen darauf, dass für den Abschluss Freigaben von mehr als 20 Behörden weltweit nötig sind.
Dass die Trennung nicht mehr bloss ein Vorhaben auf dem Papier ist, zeigt sich auch in den BASF-Zahlen. Im Geschäftsbericht 2025 werden die betroffenen Aktivitäten bereits rückwirkend ab dem 1. Januar 2025 als aufgegebene Geschäfte ausgewiesen. Der rechtliche Vollzug steht zwar noch aus, bilanziell ist die Abspaltung aber bereits vorbereitet.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Wahl von Jens Lühring schlüssig. Er kommt nicht aus dem klassischen Lackgeschäft, sondern aus einem Umfeld, in dem Unternehmen aus grösseren Konzernstrukturen herausgelöst und anschliessend eigenständig aufgestellt werden. Bei Messer Americas stand er 2019 an der Spitze, als aus übernommenen Linde-Aktivitäten in Nord- und Südamerika ein neues Unternehmen geformt wurde. Genau diese Erfahrung passt zu dem, was BASF Coatings nun bevorsteht: weniger Konzernlogik, mehr Aufbauarbeit für eine eigenständige Industriegesellschaft.
Für die Branche ist das deshalb mehr als ein Wechsel an der Spitze. BASF Coatings ordnet seine Führung schon vor dem Abschluss neu, während Eigentümerstruktur, Finanzrahmen und rechtliche Herauslösung bereits feststehen. Die Produkte bleiben vorerst dieselben. Das Unternehmen dahinter wird jedoch gerade neu gebaut.