Von Heinz Schneider (Text)
Es gibt Momente in Unternehmungen, die weder laut noch spektakulär daherkommen – und trotzdem oder gerade deswegen Gewicht haben. Die Stabsübergabe bei «Axalta Axcess Switzerland GmbH» gehört genau in diese Kategorie. Kein Paukenschlag, keine hastige Rochade, sondern ein Übergang mit Ansage, vorbereitet über Monate, vergleichbar mit der Ruhe eines gut geplanten Boxenstopps.
Volker Wistorf, bislang Leiter Technik und Mitglied der Geschäftsleitung, hat die operative Verantwortung an Clint Kaufmann übergeben. Ein Schritt, der nicht aus der Laune eines Quartals heraus geboren wurde, sondern – wie Wistorf selbst sagt – «schon vor längerer Zeit» gereift ist. Und doch bleibt ein Rest Wehmut: «Leicht gefallen ist mir dieser Schritt dennoch nicht.» Es ist dieser eine Satz, der mehr erzählt als jede nüchterne Pressemitteilung.
Die Übergabe selbst verlief so, wie man es sich in einer Branche wünscht, die von Präzision lebt: strukturiert, schrittweise, ohne Brüche. Verantwortung wurde nicht einfach weitergereicht, sondern entwickelt – operativ wie strategisch. Clint Kaufmann bekam Zeit, sich in die Rolle hineinzudenken, hineinzuwachsen. «Ich konnte schrittweise mehr Verantwortung übernehmen und mich vertieft mit strategischen Themen auseinandersetzen», sagt er. Als es dann konkret wurde, war es vor allem eines: ein Moment des Vertrauens.
Kaufmann bringt für seine neue Rolle ein solides Fundament mit. Mehr als 13 Jahre im Unternehmen haben ihn durch Produkte, Märkte und Kundenlandschaften geführt – ein Erfahrungsschatz, der nun nicht mehr nur im Tagesgeschäft wirkt, sondern auf strategischer Ebene eingesetzt wird. Seine Position versteht er entsprechend: als Weiterentwicklung, nicht als Neuanfang. Der technische Bereich soll enger mit dem Vertrieb verzahnt werden, die Position als technologischer Partner geschärft, die Technik selbst stärker zum strategischen Erfolgsfaktor werden. Man spürt: Hier übernimmt keiner, der sich erst orientieren muss. Sondern einer, der das Terrain kennt – und nun beginnt, die Linien neu zu ziehen.
Für Wistorf ist diese Kontinuität kein Zufall, sondern bewusst gewählt. «Clint vereint technisches Know-how, langjährige Marktkenntnis und ein ausgeprägtes Verständnis für die Kunden.» Es ist das klassische Dreigestirn, das in der Praxis oft schwer zu finden ist. Dass er die Organisation aus verschiedenen Perspektiven kennt, macht ihn für Wistorf zur logischen Besetzung. Oder, etwas weniger nüchtern formuliert: zur sicheren Bank.
Als Volker Wistorf vor rund fünf Jahren zur damaligen André Koch AG wechselte, sprach er von seiner «letzten beruflichen Herausforderung». Rückblickend klingt das nicht wie eine Floskel, sondern wie eine zutreffende Einschätzung. Die Jahre waren, wie er sagt, «intensiv und lehrreich». Wachstum, gewonnene Marktanteile, gefestigte Kundenbeziehungen – und nicht zuletzt der Zusammenschluss mit Axalta, der das Unternehmen nachhaltig geprägt hat.
Ganz loslassen wird er dennoch nicht. Er bleibt Axalta verbunden und wird sich künftig im Industriebereich engagieren. Bevor es so weit ist, zieht es ihn erst einmal dorthin, wo Strategiepapiere Pause haben: auf den Camino von Porto nach Santiago. Eine Fernwanderung, die weniger mit Geschäftszahlen zu tun hat als mit Perspektiven. Vielleicht ist es genau diese Art von Übergang, die am besten zu ihm passt – nicht abrupt, sondern Schritt für Schritt.