Man kann über PS, Assistenzsysteme und Touchscreens diskutieren, bis der Akku leer ist – am Ende entscheidet oft ein unscheinbarer Ring aus Gummi darüber, ob eine Situation entspannt bleibt oder plötzlich teuer wird. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf den aktuellen Sommerreifentest des Touring Club Schweiz (TCS): Er zeigt, wie stark es bei Reifen auf die Gesamtabstimmung ankommt – und wie schnell ein vermeintlicher Preisknaller zur Kompromisslösung wird, gerade wenn die Hitzers im Sommer richtig arbeiten.
Getestet wurden 16 Sommerreifen in der Dimension 225/50 R17 98W/Y, eine gängige Grösse für Mittelklassefahrzeuge. Als Testfahrzeug diente ein Audi A4 Avant. Bewertet wurde über 15 Kriterien, gebündelt in die Hauptbereiche «Fahrsicherheit» und «Umweltbilanz». Und genau diese Zwei-Säulen-Logik macht die Resultate so klar: Ein Reifen kann in einer Disziplin glänzen – wenn der Rest nicht passt, wird es trotzdem nichts mit einer Empfehlung.
Ganz vorne landen drei Modelle, die praktisch keine nennenswerten Schwächen zeigen und deshalb als «sehr empfehlenswert» abschliessen: Continental PremiumContact 7, der neue Pirelli Cinturato (C3) und Goodyear EfficientGrip Performance 2. Sie liefern konstant hohe Leistungen auf trockener und nasser Fahrbahn und punkten zusätzlich mit überzeugender prognostizierter Laufleistung, geringem Abrieb und guter Effizienz.
Knapp darunter folgt ein Mittelfeld, das zeigt, wie fein die Messlatte inzwischen liegt. Sechs Reifen verpassen «sehr empfehlenswert» wegen einzelner Schwächen: Der Firestone Roadhawk2 ist fahrdynamisch stark, lässt aber bei Laufleistung und Abrieb nach. Der Falken Ziex ZE320 zeigt leichte Defizite auf trockener Fahrbahn und bei der Laufleistung. Der Bridgestone Turanza 6 hat kleine Einbussen bei der Fahrsicherheit, überzeugt dafür in der Umweltbilanz. Beim erstmals getesteten Michelin Primacy 5 ist es umgekehrt: Bestnote Umweltbilanz, aber Schwächen bei der Fahrsicherheit – besonders trocken. Der Maxxis Premitra HP6 lässt vor allem auf nasser Fahrbahn nach; sein Resultat wird zudem durch die Laufleistung gedrückt. Der Kumho Ecsta HS52 zeigt Defizite auf trockener Fahrbahn, Abrieb und Effizienz werden nur mit «befriedigend» bewertet.
Weitere vier Reifen landen insgesamt bei «empfehlenswert», allerdings mit deutlicheren Schattenseiten. Der BFGoodrich Advantage schwächelt auf nasser Fahrbahn und beim Abrieb. Der Hankook Ventus Prime4 hat ebenfalls Probleme im Nassen, was ihn im Gesamturteil bremst. Der Vredestein Ultrac+ zeigt Schwächen auf trockener Fahrbahn und erreicht bei der Laufleistung nur knapp ein befriedigendes Niveau. Schlusslicht dieser Gruppe ist der Greentrac Quest-X: deutliche Defizite beim Bremsen auf nasser Fahrbahn, Handling nur befriedigend, dazu bei Laufleistung, Abrieb und Effizienz ebenfalls nur Durchschnitt – die Summe zieht ihn runter.
Richtig ungemütlich wird es am Tabellenende. Die drei Schlusslichter sind Budget-Reifen, oft günstig online zu finden – auffällig: alle stammen aus China. Der Lassa Revola verpasst eine empfehlenswerte Gesamtnote nur knapp, fällt aber wegen klarer Schwächen auf trockener Fahrbahn auf «bedingt empfehlenswert», dazu Defizite bei Laufleistung und Abrieb. Der Leao Nova-Force Acro zeigt ausgeprägte Schwächen auf trockener Fahrbahn und lässt zusätzlich auf nasser Fahrbahn sowie bei Laufleistung und Abrieb spürbar nach. Ganz am Ende steht der Linglong Sport Master – und er liefert die perfekte Lektion in Sachen Balance: Er erzielt zwar die besten Ergebnisse auf nasser Fahrbahn, hat aber die schwächsten Werte auf trockener Fahrbahn, die geringste Laufleistung, den höchsten Abrieb und die schlechteste Effizienz im Testfeld. Ein Spezialist, der im Alltag teuer und fahrdynamisch unerquicklich werden kann.
Der TCS empfiehlt für durchschnittliche Jahreskilometer einen Reifen, der sowohl bei «Fahrsicherheit» als auch bei «Umweltbilanz» gut bewertet ist. Wer klare Prioritäten setzt – maximale Fahreigenschaften oder eher Umwelt- und Wirtschaftlichkeit – kann dank der Zwei-Säulen-Struktur gezielter auswählen. Als einfache Leitplanke gilt: Im TCS-Test sollte ein Reifen mindestens «empfehlenswert» erreichen; passende Modelle lassen sich über reifen.tcs.ch mit Filtern finden. Am Ende bleibt es simpel: Billig ist schnell gekauft – und manchmal erst später wirklich bezahlt.