Carwing-Redaktion (Text)
Volkswagens Elektroauto für rund 20 000 Euro soll 2027 mit digitalen Grundlagen von Rivian starten. Auch beim KI-Sprachassistenten greift VW auf amerikanische Technik zurück. Der Motor soll aus China kommen. Der neue Volks-Wagen wird zur internationalen Gemeinschaftsarbeit.
«Aus Europa für Europa» verspricht Volkswagen für seinen günstigen Elektro-Kleinwagen. Beim digitalen Nervensystem führt der Weg allerdings nach Kalifornien. Rivian-Chef RJ Scaringe bestätigte Reuters am 29. Oktober, dass der erste VW mit Technik seines Unternehmens weiterhin für 2027 vorgesehen ist. Gemeint ist die Serienversion der Studie ID. EVERY1.
Das Vorhaben ist länger bekannt: Die Partnerschaft steht seit 2024, den Kleinwagen samt Preisziel hatte VW im März 2025 vorgestellt. Neu sind die erneute Bestätigung des Zeitplans und die Erweiterung um Technik für den KI-Sprachassistenten. Hinter der Zusammenarbeit steht ein Investitionspaket von bis zu 5,8 Milliarden Dollar für Rivian und das gemeinsame Technologieunternehmen RV Tech.
Rivian liefert dabei weit mehr als etwas Software für den Bildschirm. Seine Elektronik- und Softwarebasis bildet den Ausgangspunkt für die gemeinsame Entwicklung. Eine sogenannte zonale Architektur bündelt Fahrzeugfunktionen in weniger Steuergeräten und vernetzt sie mit zentralen Rechnern. Neue Funktionen und Aktualisierungen sollen per Funk ins Auto kommen. Die Fahrzeugplattform bleibt Volkswagens MEB mit Frontantrieb.
Nun reicht die Kooperation auch bis zum Gespräch mit dem Auto. In seiner aktuellen Quartalspräsentation bestätigt Rivian die Lizenzierung von Elementen seiner KI-Sprachassistententechnik im Rahmen des Gemeinschaftsunternehmens. Welche Funktionen VW übernimmt und welche Modelle sie erhalten, bleibt offen. Ein solcher Assistent im 20 000-Euro-VW ist damit noch kein bestätigtes Ausstattungsdetail.
Die Parallele zur Xpeng-Geschichte ist augenfällig. Wie Carwing bereits berichtete, prüft Volkswagen den Import ausgewählter China-Modelle nach Europa. Die chinesische Elektronikarchitektur CEA hat der Konzern mit Xpeng entwickelt. Für Europa und die USA ist dagegen grundsätzlich die mit Rivian entwickelte Architektur vorgesehen. VW-Finanzchef Arno Antlitz hält an dieser Aufteilung fest, prüft aber auch den Einsatz einzelner Elemente der China-Technik in Europa.
Antlitz lieferte noch ein Detail, das die Herkunftsfrage besonders hübsch illustriert: Der Elektromotor des günstigen Einstiegswagens soll aus einem konzerneigenen Werk in China kommen. Softwaregrundlagen aus den USA, Motorenfertigung in China, VW-Zeichen auf der Haube. Die Globalisierung fährt inzwischen im Kleinwagen vor.
Für die Schweiz sind aus den bisherigen Angaben weder ein verbindlicher Frankenpreis noch ein konkreter Liefertermin abzuleiten. Die rund 20 000 Euro bleiben das europäische Preisziel.
Für Käufer zählt, ob Preis und Technik stimmen. Für Volkswagens Anspruch auf technologische Führung ist diese Arbeitsteilung dennoch bemerkenswert. Wolfsburg will die Richtung vorgeben. Beim digitalen Fundament nimmt es amerikanische Starthilfe in Anspruch.