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    Für Sie gefahren:

    Dacia Bigster

    Extreme Mild Hybrid

    130 4x4

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Von Heinz Schneider (Text), Dennis Schneider und Werk (Fotos)

Dacia Bigster – ein Name, der klingt wie ein übermütiger US-Westernheld, in Wahrheit aber aus der rumänisch-französischen Küche serviert wird. Wir haben die jüngste SUV-Kreation der Renault-Tochter ausprobiert – selbstverständlich in der Top-Ausführung «Extreme» mit Allrad und Mildhybrid. Ein bisschen Protz muss sein, auch wenn das Auto weiterhin das ist, was man früher mal schlicht «vernünftig» nannte.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Bigster sei ein Duster nach einem Wachstumsschub. Stimmt: 26 Zentimeter länger, ein Radstand, der Knie im Fond endlich nicht mehr gegen Vordersitzlehnen presst, und ein Auftritt, der so tut, als gehöre er längst in die SUV-Liga über dem kleinen Bruder. Innen und aussen werden Bronze verteilt wie Konfetti – zum Beispiel auf den Lüftungsdüsen, an der Beschriftung draussen, ja sogar auf den Spiegelgehäusen. Ein Hauch Karbonoptik für die Insassen gibt es obendrauf. Hartplastik auch. Aber das gehört zur DNA von Dacia wie Pommes-Frites zum Fleischkäse.

Wir nehmen Platz. Digitale Instrumente? Check. Zweizonen-Klima? Check, ist Premiere bei Dacia. Und die «You Clip»-Punkte, an die man Lampen oder Becher- und Handyhalter klicken kann, sind so herrlich pragmatisch, dass man sich fragt, warum andere Hersteller so etwas nicht schon längst erfunden haben. Weniger charmant sind die erzieherischen Hinweise auf dem Display: «Lenkrad festhalten!», «Gänge schneller schalten!», «Weniger beschleunigen!» – das nervt. Glücklicherweise lassen sich alle Bimmeltöne mit einem beherzten Druck auf eine kleine Taste links vom Lenkrad ins Exil schicken. Bis zum nächsten Motorstart.

Unter der Haube werkelt ein Dreizylinder mit 1,2 Liter Hubraum und 48-Volt-Mildhybrid, im Testwagen gekoppelt an eine Handschaltung mit sechs Gängen. 130 PS sind nicht gerade eine Provokation für die Alpenpässe, und der Motor will schon etwas Drehzahl, bevor er munter zieht. Unter 2500 Touren herrscht Kaffeepause. Dafür bedankt er sich im Unterland mit weniger als fünf Litern Verbrauch, im Oberland mit knapp über sechs. Kein schlechter Wert für ein Allrad-SUV dieser Grösse. Übrigens: Wer auf 4x4 verzichten will, kann den Bigster als Fronttriebler wählen. Der hat zehn PS und ein wenig «Pfupf» mehr. Bei 27 990 Franken fällt der Startschuss.

Wir fahren los. Fahrgefühl? Überraschend solide. Bodenwellen nimmt er mit einem Schulterzucken, die Lenkung ist leichtgängig, nicht nervös, alles bleibt entspannt. Und dann ist da im Testwagen noch das grosse serienmässig verbaute Panoramadach. Ein riesiger Lichtspender, der die Kabine zum Wintergarten macht. Wer Schatten will, zieht das Sonnensegel über die volle Länge.

Im Heck warten 566 bis 1912 Liter Ladevolumen auf Kinderwagen, Sporttaschen oder Bierharasse. Die Fondsitze sind längs nicht verschiebbar, aber immerhin gibt es einen quer verstellbaren Dachträger. Unser Testwagen war zusätzlich mit dem «Pack Sleep» ausgerüstet – Holzbox, Matratze, 1,90 mal 1,30 Meter. Wer also Lust hat, kann den Bigster für 1590 Franken für immer zum Hotelzimmer mit Aussicht umbauen.

Bleibt der Preis. 31 190 Franken für die volle Ladung SUV mit Allrad, Bergabfahrhilfe, Smartphone-Ladestation und umfangreichen Assistenzpaket – das ist in dieser Klasse der Fehdehandschuh. Métallic- und Zweifarbenlackierung, die elektrische Heckklappe und Zusatzpakete mit unter anderem «Toter-Winkel»-Assistent, 360-Grad-Kamera sowie Sitz- und Lenkradheizung gibt es für bescheidene Aufpreise.

Am Ende setzt sich die Überzeugung fest: Der Dacia Bigster hat Allrad, einen fairen Preis, Panoramadach und Schlafbox. Trotzdem ist er kein Angeber, sondern ein durch und durch ehrlicher Kerl ohne Lifestyle-Gehabe geworden – kein Blender, kein Muskelprotz. Er spielt die Rolle des starken Mannes, ohne die Sporen klirren zu lassen, macht genau das, was man von ihm erwartet – und das sogar erstaunlich gut. In einer SUV-Welt voller eitler Showstars wirkt das fast schon radikal. 

 

Dacia Bigster Extreme Mild Hybrid 130 4x4
Preis ab 31 190 Fr.
Benziner Dreizylinder / 1199 ccm
Leistung 130 PS / 230 Nm
Antrieb 4x4, manuell, 6 Gänge
0 – 100 / Spitze 11,2 Sek, 180 km/h
Verbrauch (WLTP) 6,3 l / 100 km
Energieklasse E CO2 142 g/km
Länge / Breite / Höhe 4,57 / 1,81 / 1,70 m
Anhängelast 1500 Kilo
Kofferraum 550 bis 1853 Liter