Von Heinz Schneider (Text)
«Es ist ein kalter Morgen im Januar, die Luft klar, der Atem sichtbar. Der Suzuki eVitara steht «vollgetankt» vor unserer Redaktion, bereit für die Reise ins Unterland – und mit dem leichten Selbstbewusstsein eines Pioniers. Denn er ist Suzukis erstes reines Elektroauto. Entstanden in enger Kooperation mit Toyota, technisch verwandt mit dem Urban Cruiser, aber mit eigener Handschrift. Bruder, ja. Zwilling? Nicht unbedingt.
Schon auf den ersten Blick wirkt der eVitara als Neuerscheinung, die einen Schritt Richtung Zukunft gemacht hat. Dafür sorgen die schmale Scheinwerfereinheiten vorn, hinten eine umlaufende Lichtleiste, kräftige C-Säulen und diese markante Beplankung im unteren Türbereich. Zusammengefasst: Der eVitara schaut deutlich zeitgemässer als der Vitara mit Verbrennungsmotor in die Welt. Dass die hinteren Türöffner in den C-Säulen versteckt sind, verleiht der Seitenansicht einen Hauch Selbständigkeit.
Gebaut werden eVitara und Urban Cruiser im Hansalpur-Werk in Gujarat (Indien). Natürlich auf einer völlig neuen, besonders leichten Plattform, die von Anfang an ausschliesslich für Elektrofahrzeuge entwickelt wurde. Keine umgebaute Verbrennerbasis, sondern ein echtes E-Fundament. Das spürt man.
Unser Testwagen ist die Allrad-Version «Compact Top», zu haben ab 39 990 Franken mit 61-kWh-Batterie. Die Basisversion «Unico» startet bei 31 990 Franken, kommt mit Frontantrieb und 49 kWh. Doch die Topausstattung hat ihre Reize: 19-Zoll-Alufelgen statt 18 Zoll, Glasdach, elektrisch einstellbarer Fahrersitz, kabelloses Laden, Nebelscheinwerfer und ein Soundsystem mit acht Lautsprechern. Die Optionsliste bleibt erfreulich kurz – Metallic-Lack für 790 Franken, Two-Tone für 490 Franken, Anhängerkupplung abnehmbar für 1500 Franken. Fertig. Übersichtlich. Schweizerisch.
Innen öffnet sich eine Welt, die man von Suzuki so noch nicht kennt. Wo der Verbrenner-Vitara eher zweckmässig wirkte, herrscht im eVitara digitale Frische. Zwei grosse Displays, moderner Look, solide Materialien, die sich gut anfassen und spürbar hochwertiger sind als bisher. Hinzu kommen ein zweifarbiges Interieur, dunkle Alu-Optik an Türen und Lüftungsringen, eine grosse Mittelkonsole mit reichlich Stauraum. Alles wirkt durchdacht.
Die Sitze sind bequem, die Übersicht nach vorne gut. Nur der Schulterblick nach schräg hinten verlangt Aufmerksamkeit – die breite C-Säule schränkt das Sichtfeld ein, gefährlich insbesondere im urbanen Umfeld mit Velofahrern. Und wer um die 1,80 Meter misst, sitzt einen Tick höher, als man es vielleicht erwartet.
Überraschend grosszügig sind die Platzverhältnisse. Bei 4,28 Metern Länge fährt man auch hinten ordentlich, mit viel Kopf- und Beinfreiheit. Das eigentliche Ass im Ärmel: die um 16 Zentimeter längs verschiebbare Rückbank. Mehr Beinfreiheit oder mehr Kofferraum – je nach Tagesform. Lehne neigungsverstellbar, 40:20:40 teilbar. Praktischer gehts kaum.
Ein Druck auf den Startknopf, Stille. Der 184-PS-Elektromotor spricht feinfühlig an, zieht kräftig durch und macht das Beschleunigen zu einer beiläufigen Angelegenheit. Kein Drama, kein Getöse, einfach Schub. Das Fahrwerk ist ausgewogen, federt angenehm, nichts klappert, alles wirkt solide. Nur die Lenkung fühlt sich minimal schwergängig an – ein kleiner Dämpfer für das sonst so mühelose Gleiten.
Die Allradversion bringt dank zusätzlichem 65-PS-Motor an der Hinterachse leichte Offroad-Talente mit. Waldweg, verschneite Zufahrt, steile Rampe – kein Problem. Die Fahrmodi Eco, Normal und Sport lassen sich jederzeit anwählen, der Charakter ändert sich spürbar, aber nie nervös.
Dann kommt der Winter. Minus vier Grad. Der eVitara verlässt die Ladesäule mit 90 Prozent Füllstand, der Bordcomputer verspricht etwas über 230 Kilometer Reichweite. Keine Glanzleistung. Auf der Strecke von Surcuolm nach Safenwil – 210 Kilometer, Eco-Modus, Autobahn mit 120 km/h – bleiben bei der Ankunft 22 Prozent Restladung, gut für 57 Kilometer. Das reicht für den Termin. Aber nicht für den Rückweg ins Bündner Oberland.
Der eVitara ist damit kein Langstreckenheld. Er will Pendler sein, Alltagsbegleiter, Zweitwagen vielleicht, urbaner Abenteurer mit gelegentlichem Hang zur Natur. Und genau dort überzeugt er.
Am Ende des Tages steht er wieder da, leise auskühlend, mit einer Selbstverständlichkeit, die man einem Erstlingswerk nicht unbedingt zutraut. Der Suzuki eVitara ist kein Revoluzzer. Aber ein sauber gemachter, ehrlicher Einstieg in die Elektrowelt. Und manchmal ist genau das die grössere Kunst.
| Suzuki eVitara Compact Top | |
| Preis ab | 39 900 Fr. |
| Antrieb / E-Motor | 4x4, 184 PS / 307 Nm |
| Batteriekapazität | 61 kWh (netto) |
| 0–100 / Spitze | 7,4 Sek, 150 km/h |
| Verbrauch (WLTP) | 16,6 kWh / 100 km |
| Reichweite (WLTP) | 395 km |
| Länge / Breite / Höhe | 4,25 / 1,80 / 1,63 m |
| Leergewicht | ca. 1950 kg |
| Kofferraum | 310 bis 1052 Liter |
| Anhängelast | 750 kg |