Von Dennis Schneider
Wer den neuen Subaru E-Outback nur nach Datenblatt beurteilt, verpasst den eigentlichen Punkt. Dieses Auto will nicht bloss elektrisch sein, sondern Subaru bleiben – also dorthin fahren, wo Asphalt endet, Haftung wechselt und Marketing-Sätze plötzlich arbeiten müssen. Genau dafür war der Teltow-Fläming-Ring in Kallinchen der passende Ort: ein weitläufiges Fahr- und Offroad-Areal südlich von Berlin mit Trainingsmodulen auf unterschiedlichsten Belägen, von glattem Nassasphalt über Kopfsteinpflaster bis zu Gleitflächen und Schikanen.
Der Ort selbst liefert die passende Kulisse gleich mit. Heute ist der Teltow-Fläming-Ring ein grosser Motor-, Event- und Abenteuerpark mit Aussenring, Offroadbereich und eigenem Fahrsicherheitszentrum. Zu DDR-Zeiten war das Gelände allerdings kein Ort für Wochenendromantik, sondern ein abgeschirmtes Trainingsareal der Staatssicherheit. Hier wurden Extremsituationen geübt, hier gehörte kontrollierter Fahrzeugstress zum Programm. Dass auch die Berliner Polizei das Areal bis heute für Fahrsicherheitstrainings nutzt, zeigt, wie sich der Zweck des Geländes über die Jahrzehnte verändert hat – und im Kern doch derselbe geblieben ist.
In diese Umgebung stellte Subaru nun sein neues elektrisches Flaggschiff. Der E-Outback ist als batterieelektrische Neuinterpretation des bekannten Modellnamens gedacht und soll jene Mischung aus Vielseitigkeit, Robustheit und Allradkompetenz ins Elektrozeitalter übersetzen, mit der der Outback seit 1995 gross geworden ist. Offiziell spricht Subaru von 280 kW beziehungsweise 381 PS, einer 74,7-kWh-Batterie, bis zu 526 Kilometern Reichweite, Schnellladen mit bis zu 150 kW, 211 Millimetern Bodenfreiheit und 1500 Kilogramm Anhängelast. Das Fahrzeug markiert zugleich einen wichtigen Schritt in der Elektrifizierungsstrategie der Marke und soll als erstes von Subaru selbst produziertes Elektroauto für den globalen Markt eine zentrale Rolle im wachsenden EV-Portfolio übernehmen. Die Preise sind derzeit noch nicht bekannt.
Interessant wurde es dort, wo Zahlen auf Untergrund trafen. Auf den Offroad-Passagen zeigte der E-Outback sehr schnell, was Subaru unter einem elektrischen Subaru versteht: nicht bloss Traktion auf Abruf, sondern Ruhe im Aufbau, saubere Dosierbarkeit und das Gefühl, dass sich das Auto auch dann nicht aus der Fassung bringen lässt, wenn die Strecke genau darauf angelegt ist. Der permanente Allradantrieb, das X-Mode-System mit den Modi «Snow/Dirt» und «Deep Snow/Mud», die Grip Control und die Bergabfahrhilfe liefern dafür das technische Fundament. Entscheidend war vor Ort aber der Eindruck hinter dem Lenkrad: Der Wagen wirkte nie hektisch, nie nervös, sondern erstaunlich souverän.
Das setzte sich auf den nassen Strassen und im Slalom fort. Elektromobile Leistung kann grobschlächtig serviert werden; hier wirkte sie eher sortiert. Der E-Outback beschleunigt in 4,5 Sekunden auf 100 km/h, aber nicht mit jener billigen Effekthascherei, die manche Elektroautos so gern als Charakterersatz verkaufen. Er bleibt berechenbar, auch wenn Belag, Tempo und Richtungswechsel im Minutentakt variieren. Gerade auf den Gleitflächen und zwischen den Pylonen zeigte sich, dass Subaru offenbar nicht nur Leistung addiert, sondern Fahrwerk und Lenkung tatsächlich auf Kontrolle abgestimmt hat. Dazu passt auch der niedrige Schwerpunkt, der das Fahrzeug stabil und präzise wirken lässt.
Auf dem Kopfsteinpflaster wiederum bekam der Test eine andere Qualität. Dort geht es weniger um Show als um Ehrlichkeit. Ein Auto muss arbeiten, federn, filtern, die Carrosserie beruhigen und zugleich Rückmeldung liefern. Genau an solchen Stellen wird klar, ob ein neues Modell nur stark motorisiert ist oder wirklich als Reisewagen taugt. Der E-Outback machte hier einen erwachsenen Eindruck: straff genug, um präzise zu bleiben, und gelassen genug, um seinen Anspruch als Alltags- und Langstreckenbegleiter glaubwürdig zu vertreten.
Das ist wichtig, weil Subaru das Auto nicht als Nischenexperiment inszeniert, sondern als echtes Flaggschiff. Der E-Outback verbindet den klassischen Subaru-Gedanken von Sicherheit, Praktikabilität und Geländetauglichkeit mit einem modernen elektrischen Antrieb. Zwei Elektromotoren mit je 167 kW an Vorder- und Hinterachse sorgen für die Systemleistung von 381 PS. An Schnellladesäulen soll der Akku in rund 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden, eine Batterievorkonditionierung soll auch bei Kälte stabile Ladeleistungen sichern. Für den Alltag verspricht Subaru damit nicht nur Dynamik, sondern auch die nötige Nutzbarkeit.
Auch im Innenraum bleibt die Botschaft klar: Dieses Auto will kein futuristischer Exot sein, sondern ein praktischer Begleiter. Der 14-Zoll-Touchscreen, Apple CarPlay und Android Auto, kabellose Ladeflächen, USB-C-Anschlüsse und grosszügige Platzverhältnisse sollen den E-Outback fit für Alltag und Reise machen. Dazu kommen ein Kofferraumvolumen von 595 bis 1718 Litern, praktische Details im Ladebereich, eine elektrische Heckklappe und eine Dachlast, die ebenso wie die Anhängelast zeigt, dass Subaru das Auto nicht nur als urbanes Statement versteht. Der E-Outback soll ziehen, laden, schlucken und notfalls eben auch dort weiterfahren, wo andere lieber schon eine App öffnen.
Hinzu kommt das umfassende Sicherheitsarsenal von Subaru Safety Sense. 17 Funktionen, darunter Notbremssystem, Spurhalteassistent, adaptive Geschwindigkeitsregelung, 360-Grad-Kamera, Verkehrszeichenerkennung und Notfall-Anhaltesystem, sollen dazu beitragen, das Risiko im Alltag zu senken. Das passt zur Sicherheitsvision der Marke, die Zahl der Verkehrstoten in Subaru-Fahrzeugen langfristig auf null zu reduzieren. Das klingt ambitioniert, aber immerhin ist es eines jener Versprechen, bei denen man lieber zu viel Ernsthaftigkeit als zu wenig sieht.
Der E-Outback trägt allerdings noch einen grösseren Auftrag. Subaru baut seine Elektro-Offensive sichtbar aus und will bis 2030 weltweit die Hälfte seines Absatzes mit batterieelektrischen Fahrzeugen erzielen. Allein in diesem Jahr sollen drei neue Elektro-SUV eingeführt werden. Der E-Outback ist dabei mehr als nur ein weiteres SUV mit Batterie. Er ist der Versuch, eine der prägenden Subaru-Ideen in eine neue Zeit zu retten: ein Auto für Menschen, die nicht bei jedem Wetter nervös werden, die Nutzwert höher gewichten als Attitüde und die einen Allradler nicht als Pose, sondern als Werkzeug verstehen.
Vielleicht war genau deshalb dieser Ort so passend. In Kallinchen wurde schon früher geübt, wie man Fahrzeuge unter Druck bewegt. Heute ist die Bühne ziviler, moderner und deutlich freundlicher, doch die Grundfrage ist dieselbe geblieben: Was kann ein Auto, wenn die Bedingungen anspruchsvoll werden? Der neue Subaru E-Outback hat dort zumindest einen ersten, ziemlich überzeugenden Teil der Antwort gegeben. Nicht laut, nicht effekthascherisch, sondern angenehm souverän. Für einen Outback ist das fast schon die schönste Form von Kontinuität.
| Subaru E-Outback | |
| Leistung | 280 kW / 381 PS |
| 0–100 km/h | 4,5 Sekunden |
| Batterie | 74,7 kWh |
| Reichweite | bis zu 526 km |
| Bodenfreiheit | 211 mm |
| Preise | noch nicht bekannt |