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    Der nächste M3 lädt Strom, aber BMW zieht den Stecker beim Benziner noch nicht

BMW nimmt ausgerechnet Le Mans als Bühne für einen Ausblick auf die Zukunft von M. Dort, wo Benzin, Bremsstaub und Langstreckenmythos traditionell dichter in der Luft liegen als Vernunftargumente in Elektrodebatten, zeigt die Marke das BMW M Concept Neue Klasse. Ein Serienauto ist es noch nicht. Ein harmloses Schaustück aber auch nicht. Dafür wirkt der Auftritt zu konkret, zu nahe an der Strasse, zu deutlich als Vorbote eines neuen M3 gedacht.

Offiziell spricht BMW von einem Ausblick auf die neue Designsprache künftiger High-Performance-Modelle der M GmbH. Inoffiziell ist die Botschaft kaum zu übersehen: Hier steht der elektrische M3 der nächsten Generation, auch wenn BMW den Namen noch nicht gross auf die Haube klebt. Die Neue Klasse liefert die technische Basis, BMW M die Muskeln, Le Mans die Kulisse. Mehr Pathos geht kaum, ausser man würde den Wagen noch mit einer Startnummer und einem Hans-Zimmer-Soundtrack ausliefern.

Technisch setzt das Concept Car klar auf Elektroantrieb. BMW nennt ein M-eDrive-Konzept mit vier Elektromotoren, eine radindividuelle Steuerung von Antrieb und Bremsen, den Hochleistungsrechner Heart of Joy, 800-Volt-Technik und eine Hochvoltbatterie mit mehr als 100 kWh Energiegehalt. Die Batterie ist als Strukturbauteil mit Vorder- und Hinterachse verbunden. Das klingt weniger nach Messe-Dekoration und mehr nach Serienvorbereitung mit grosser Geste.

Auch optisch versucht BMW gar nicht erst, den Wandel zu verstecken. Der Wagen trägt eine scharf gezeichnete Front mit Sharknose, eine neue Lichtsignatur mit gelben M-Leuchten, breite Radhäuser, Luftführungen, Splitter, Diffusor und Ducktail-Spoiler. Dazu kommen Naturfaser-Elemente statt der üblichen Carbon-Predigt, Zentralverschlussräder und die neue Lackfarbe Monza Red metallic. Der Auftritt ist dramatisch, aber nicht beliebig. BMW will zeigen, dass M auch ohne Auspuffrohre noch nach Motorsport aussehen kann. Ob das genügt, um alte M3-Gläubige zu bekehren, ist eine andere Frage.

Im Innenraum geht BMW denselben Weg. Vier Schalensitze, Fünfpunktgurte, Nubukleder, ein reduziertes Cockpit und ein stark fahrerorientierter Aufbau sollen den bekannten M-Reflex auslösen: weniger Lounge, mehr Werkzeug. Die Neue Klasse bringt die digitale Bühne, M füllt sie mit Rennstrecken-Rhetorik. Man kann das mutig nennen. Oder notwendig. Vermutlich ist es beides.

Die wichtigste Frage bleibt trotzdem: Stirbt der M3 mit Verbrennungsmotor? Nach aktuellem Stand: nein. Der elektrische M3 dürfte zwar das neue Kapitel eröffnen, aber BMW plant den Bruch offenbar nicht als kalte Enthauptung. Neben dem vollelektrischen Modell soll auch ein neuer M3 mit Verbrennungsmotor kommen, voraussichtlich mit weiterentwickeltem Reihensechszylinder und wohl elektrifizierter Unterstützung. Damit fährt BMW eine Doppelstrategie: ein M3 für die elektrische Zukunft, einer für jene Kundschaft, die beim Wort Rekuperation innerlich noch den Notausgang sucht.

Das passt zur bisherigen Linie der Münchner. Schon diesen Sommer erhalten die Reihensechszylinder-Motoren von BMW M eine neue M-Ignite-Technologie, eine aus dem Motorsport abgeleitete Vorkammerzündung. Sie soll Verbrauch und Emissionen senken und bei der Erfüllung der Euro-7-Vorgaben helfen. Für M3 und M4 ist diese Technik ab diesem Juli vorgesehen. Mit anderen Worten: BMW investiert weiterhin in den Verbrenner. Wer also den letzten Benzin-M3 schon beerdigt hat, sollte den Kranz noch nicht bestellen.

Zeitlich deutet vieles darauf hin, dass der elektrische M3 zuerst kommt. Die neue vollelektrische BMW i3 Limousine, also die zivile Neue-Klasse-Basis im 3er-Format, soll ab diesem Sommer im Werk München produziert werden, erste Auslieferungen sind für den kommenden Herbst angekündigt. Der M-Ableger dürfte danach folgen, nach heutigem Stand wohl im Jahr darauf. Der nächste Verbrenner-M3 könnte zeitlich später nachrücken. BMW bestätigt für die Schweiz allerdings noch keine Preise, keine definitive Markteinführung und keine finale Serienbezeichnung.

Damit bleibt auch die Preisfrage offen. Sicher ist nur, dass billig hier nichts wird. Der aktuelle BMW M3 steht in der Schweiz als Limousine ab 124 400 Franken in der offiziellen Modellübersicht, der M3 Touring ab 136 600 Franken. Berichte aus dem Umfeld von BMW M deuten darauf hin, dass der elektrische M3 preislich ungefähr in derselben Liga spielen soll wie der Verbrenner. Für den Schweizer Markt heisst das: Unterhalb von rund 125 000 Schweizer Franken wäre eine Überraschung. Realistischer ist ein Einstieg klar darüber, zumal Optionen bei BMW M bekanntlich nicht als Dekoration im Prospekt stehen, sondern als eigene Finanzierungsdisziplin.

Das BMW M Concept Neue Klasse ist damit weniger eine nette Fingerübung für Designfreunde als ein ziemlich deutliches Signal. Der M3 wird elektrisch. Aber nicht nur. BMW versucht, die alte Welt nicht abrupt abzusägen, sondern neben die neue zu stellen. Zwei M3, zwei Philosophien, eine Marke. Der eine lädt Strom, der andere verbrennt Benzin. Und beide sollen beweisen, dass M mehr ist als die Anzahl Rohre am Heck. Genau dort beginnt der eigentliche Test.

 

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