• Homeslider Bild: https://www.carwing.ch/images/home/slider/skoda_h.jpg
  • Zusätzliche Kategorien: Homeslider
  • Homeslider Text:

    Skoda Peaq: Der Gipfelstürmer mit viel Raum und Reichweite

Von Dennis Schneider (Text)

Ein Auto namens Peaq auf einem Berg zu präsentieren, ist natürlich keine zufällige Pointe. Skoda hat sein neues elektrisches Flaggschiff auf dem Mont Salève in Frankreich enthüllt, hoch über Genf, mit Blick in die Schweiz und genug Symbolik für einen ganzen Markenabend. Peaq klingt wie «Peak», also Gipfel. Das kann man bemüht finden. Oder man kann anerkennen: Für das grösste elektrische SUV der Marke passt diese Bühne ziemlich gut.

Der Anlass begann unten an der Talstation der Seilbahn, bevor es hinauf auf den Berg ging. Oben wartete nicht nur das Auto, sondern auch eine sauber gebaute Erzählung. Skoda verband die Weltpremiere mit dem Radsport, also mit jenem Kapitel der eigenen Geschichte, das lange vor den Autos begann. Die Marke startete einst mit Fahrrädern, heute fährt sie seit Jahren im Umfeld der Tour de France mit. Einige Teilnehmer fuhren mit dem Rennvelo hinauf auf den Mont Salève, begleitet von Chris Froome. Der vierfache Tour-de-France-Sieger brachte die sportliche Glaubwürdigkeit mit, Skoda die passende Kulisse und der Peaq den Namen für die Gipfelnummer.

Das war geschickt inszeniert, aber nicht falsch. Unten Muskelkraft, oben Elektrokraft. Dazwischen ein Berg, der sich für Wortspiele geradezu anbietet. Natürlich war das alles sorgfältig choreografiert. Aber bei einer statischen Weltpremiere muss die Geschichte fahren, wenn das Auto noch nicht fährt.

Der Peaq übernimmt bei Skoda künftig die Rolle des elektrischen Spitzenmodells. Er ist das erste rein elektrische Modell der Marke im Segment der grossen SUV und positioniert sich oberhalb des bisherigen Elektroangebots. Er soll Familien ansprechen, Langstreckenfahrer, Kunden mit Platzbedarf und jene, die bei einem Elektroauto nicht bei der zweiten Reihe gedanklich schon Schluss machen wollen. Bis zu sieben Sitze, ein sehr grosser Kofferraum, ein zusätzlicher Stauraum unter der Fronthaube und eine grosse Batterie sollen aus dem Peaq nicht nur ein grosses, sondern vor allem ein nützliches Auto machen.

Technisch nutzt der Peaq den weiterentwickelten MEB+. MEB steht für Modularer E-Antriebs-Baukasten, also die Elektroplattform des Volkswagen-Konzerns. Auf ihr werden Batterie, Antrieb, Radstand und Innenraumarchitektur aufgebaut. Gegenüber unserem Magazin erklärte Dr. Johannes Neft, Vorstand Technische Entwicklung bei Skoda Auto, dass man die MEB-Familie grundsätzlich in zwei Bereiche aufteilen müsse. Die eine Seite bildet die elektrische Kleinwagenfamilie des Konzerns – intern auch als Small-BEV-Familie bezeichnet. Dazu gehören Modelle wie Skoda Epiq, VW ID. Polo, VW ID. Cross und Cupra Raval. Sie sind auf Frontantrieb, kleinere Batterien und eine kompaktere Architektur ausgelegt.

Der Peaq gehört dagegen zur grösseren Ausprägung des Baukastens. Hier setzt Skoda auf Heck- oder Allradantrieb, mehr Bauraum, grössere Achsen und eine deutlich grössere Batterie. Hinten arbeitet ein permanenterregter Elektromotor, also ein besonders effizienter E-Motor mit fest eingebauten Magneten. Bei den Allradversionen kommt vorne zusätzlich eine Asynchronmaschine zum Einsatz, ein E-Motor, der vor allem dann zugeschaltet wird, wenn zusätzliche Traktion gebraucht wird. Der Kern der Aussage von Neft: Der Peaq ist keine Sonderlösung auf grüner Wiese, sondern nutzt konsequent den Konzernbaukasten. Genau darin liegt seine Stärke.

Das zeigt sich auch bei der Batterie. Der Peaq 90 und der Peaq 90x nutzen die grosse Batterie mit 91 kWh brutto beziehungsweise 86 kWh netto. Brutto meint die gesamte technische Kapazität, netto den tatsächlich nutzbaren Anteil. Spezifische Einzelteile nur für den Peaq gebe es laut Neft nicht. Der entscheidende Unterschied sei vielmehr der längere Radstand. Dadurch kann Skoda die grosse Batterie unterbringen und gleichzeitig den Innenraum konsequent ausnutzen. Es ist ein sehr nüchterner Satz, aber ein wichtiger: Der Peaq lebt nicht von exotischer Technik, sondern von konsequenter Raumausnutzung.

Beim Laden bleibt Skoda bei einer 400-Volt-Architektur. Das beschreibt vereinfacht das elektrische Grundsystem des Fahrzeugs. Während manche Konkurrenten mit 800 Volt und entsprechend grossen Ladeversprechen auftreten, setzt Skoda auf eine weiterentwickelte Ladekurve. Sie beschreibt, wie lange ein Elektroauto eine hohe Ladeleistung halten kann. Entscheidend ist also nicht nur ein kurzer Spitzenwert, der im Prospekt gut aussieht, sondern das stabile Verhalten über den Ladevorgang hinweg. Neft verweist darauf, dass sich der MEB über die vergangenen Jahre gerade beim Laden stetig weiterentwickelt habe. Für eine Batterie dieser Grösse sei die angegebene Ladezeit von rund 27 bis 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent ein guter Wert.

Noch wichtiger als die reine Zahlenspielerei ist beim Peaq aber das sogenannte Packaging. Packaging bedeutet die technische Raumaufteilung im Auto: Wo sitzen Batterie, Antrieb, Menschen, Kofferraum, Sicherheitsstruktur und Nebenaggregate? Beim Peaq ist genau das entscheidend. Das Auto ist länger als der Kodiaq, hat fast drei Meter Radstand, kann bis zu sieben Sitze bieten, besitzt als Fünfsitzer einen sehr grossen Kofferraum und zusätzlich einen Frunk. Frunk nennt man den Stauraum unter der Fronthaube, dort, wo früher beim Verbrenner der Motor sass.

Neft wollte im Gespräch keinen einzelnen Punkt als besonders heikel herausgreifen. Entscheidend sei gewesen, den grossen Radstand bestmöglich zu nutzen und möglichst viel aus dem Package herauszuholen. Der Peaq hat einen sehr kurzen vorderen Überhang, der vorhandene Bauraum wird konsequent genutzt. Möglichst wenig Luft zwischen den Bauteilen, dafür möglichst viel nutzbarer Innenraum: Das klingt nach Ingenieursprosa, ist aber ziemlich genau der Grund, weshalb Skoda seit Jahren im Innenraum oft grösser wirkt, als es von aussen aussieht.

Optisch führt der Peaq die Designsprache Modern Solid weiter. Modern Solid meint bei Skoda eine reduzierte, robuste und klar gezeichnete Formensprache. Head of Design Oliver Stefani sagte im Gespräch mit Carwing, der Peaq gehe nochmals einen Schritt weiter. Er wolle nicht einfach sagen, das Auto wirke wertvoller, aber es zeige eine nochmals höhere gestalterische Qualität. An der Front sieht man das besonders deutlich. Schwarze Elemente, die Skoda bereits bei Elroq und Epiq einsetzt, werden beim Peaq weiterentwickelt und stärker integriert. Dahinter sitzt auch Sensorik. Die Technik soll also nicht wie ein Fremdkörper wirken, sondern Teil des Designs werden.

Wichtig war Stefani auch die Seitenlinie. Sie zieht sich klar über das ganze Fahrzeug und stellt den Peaq optisch gut auf die Räder. Hinten betont eine ausgeprägte Schulter den Carrosseriekörper. Gerade bei einem SUV dieser Grösse ist das entscheidend. Ein grosses Auto kann souverän wirken. Oder einfach nur schwer. Skoda versucht, den Peaq über klare Linien, eine gestreckte Kabine und robuste Flächen auf die richtige Seite dieser Grenze zu bringen.

Der Peaq ist gross, aber er soll nicht plump wirken. Stefani beschreibt den Ansatz so: Der Carrosseriekörper sollte stark und solide erscheinen, die Kabine dagegen aerodynamisch. Deshalb ist die A-Säule, also die vordere Dachstütze neben der Frontscheibe, relativ stark geneigt. Der Übergang ins Dach ist weich, nicht typisch kantig aufgestellt wie bei manchen klassischen SUV. Hinten setzt Skoda dagegen auf ein markantes, aufrechtes Element. Dieses Wechselspiel aus fliessender Kabine und solidem Carrosseriekörper gibt dem Peaq seine Präsenz.

Auch die Aerodynamik spielt dabei eine grosse Rolle. Der cW-Wert, also der Luftwiderstandsbeiwert, liegt bei 0,249. Je tiefer dieser Wert, desto leichter gleitet ein Auto durch die Luft. Für ein grosses Elektro-SUV ist das keine Nebensache, sondern Reichweitenarbeit. Skoda nutzt dafür unter anderem aktive Klappen, aerodynamische Räder, einen glatten Unterboden, bündig eingelassene Türgriffe, Air Curtains und Finlets. Air Curtains sind Luftleitkanäle an der Front, die den Luftstrom kontrolliert um Räder und Carrosserie führen. Finlets sind kleine Luftleitflossen, die Verwirbelungen reduzieren.

Gerade die Air Curtains seien gestalterisch besonders anspruchsvoll gewesen, sagte Stefani. Man habe lange daran gearbeitet, die Luft vorne sauber an den Carrosseriekörper anzulegen und diese Elemente gleichzeitig möglichst unsichtbar zu halten. Für ihn ist Aerodynamik keine Einschränkung, sondern eine kreative Aufgabe. Ein gutes Detail erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Es hilft der Luftführung, erfüllt gesetzliche Vorgaben und passt ins Design. Stefani nennt das im besten Sinn Simply Clever.

Diese Haltung sieht man auch an den erstmals bei Skoda bündig eingelassenen Türgriffen. Sie liegen flach in der Carrosserie und fahren erst bei Bedarf aus. Das sieht sauber aus, hilft der Aerodynamik und spart kleine Luftwirbel. Gleichzeitig ist es ein Detail, das im Alltag bestehen muss. Eis, Schmutz, Parkrempler und Reparaturen interessieren sich bekanntlich wenig für Premierenlicht und Designrhetorik.

Im Innenraum spielt Skoda bewusst die Lounge-Karte. Auf Wunsch gibt es Komfortsitze mit Massagefunktion, ausfahrbare Beinauflagen, eine Wellness-App und ein Sonos-Soundsystem. Das klingt nach Geschäftsreise, Familienferien und ein wenig Wellnesshotel auf Rädern. Gleichzeitig bleibt die Marke bei jenen Dingen, mit denen sie gross geworden ist: Stauraum, praktische Details und möglichst viel Nutzwert aus dem vorhandenen Format. Der Peaq soll nicht nur elektrisch und gross sein, sondern im Alltag funktionieren.

Erfreulich ist, dass Skoda bei der Bedienung nicht vollständig dem Touchscreen-Glauben verfällt. Zwar steht auch im Peaq ein grosses vertikales Display im Zentrum, doch wichtige Funktionen verschwinden nicht komplett im digitalen Unterholz. Für Temperatur, Gebläse und Lautstärke gibt es weiterhin physische Bedienelemente, also echte Regler und Tasten. Eine kleine Korrektur an der Bildschirmgläubigkeit der letzten Jahre, aber eine willkommene. Nicht jede Einstellung muss zur Fingerübung auf Glas werden.

Der Peaq ist damit kein elektrischer Kodiaq mit anderem Gesicht. Er ist grösser, anders aufgebaut und konsequenter auf den Elektroantrieb zugeschnitten. Er soll das elektrische Angebot von Skoda nach oben abrunden und zeigen, dass die Marke auch im grossen SUV-Segment nicht nur mit Vernunft, sondern mit Präsenz antreten kann. Dass Skoda dafür auf dem Mont Salève gleich den Gipfel suchte, war naheliegend. Ein bisschen Pathos gehört zu solchen Premieren. Entscheidend ist, ob darunter genug Auto steckt. Beim Peaq scheint die Antwort ziemlich klar: viel Raum, viel Batterie, viel Baukastenlogik, aber auch ein sauberer Sinn für Inszenierung. Mehr Gipfelmetapher geht kaum. Und weniger hätte Skoda an diesem Abend wohl auch nicht gereicht.

   

Skoda Peaq 90 / 90x
Preis ab 60 350 Franken
Antrieb / E-Motor Heck, 210 kW / 286 PS; 90x Allrad, 220 kW / 299 PS
Batterie 91 kWh brutto / 86 kWh netto
0 – 100 / Spitze 7,1 Sek. / 180 km/h; 90x: 6,7 Sek. / 180 km/h
Verbrauch (WLTP) noch nicht kommuniziert
Reichweite (WLTP) mehr als 640 km; 90x mehr als 610 km
Laden 10 – 80 % in 28 Min.
Länge / Radstand 4,87 / 2,97 m
Anhängelast bis 1800 kg; 90x bis 2000 kg
Kofferraum 299 bis 935 Liter, Frunk 37 Liter

Neuste Artikel: Automobil