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    Mitsubishi: Rückzug war Denkpause – Comeback mit Renault-Genen

Von Heinz Schneider (Text) und Dennis Schneider (Fotos)

Manchmal kommt es anders, als es die Pressemitteilung vermuten lässt. 2020 sah es für Mitsubishi in Europa ziemlich düster aus. Die Japaner kündigten damals an, sich vom europäischen Markt zurückziehen zu wollen. Die wirtschaftliche Lage war angespannt, die Modellpalette hierzulande eher von der Sorte «zuverlässig, aber kaum ein Quell automobiler Begierde.» Kurz gesagt: Mitsubishi fuhr Richtung Ausfahrt.

Doch dann griff die Allianz mit Renault und Nissan ein – und plötzlich wurde aus dem Abschied ein Comeback. Mit jener pragmatischen Konzernlogik, die in der Autoindustrie mittlerweile fast so wichtig ist wie Reifenluft. Ein weiteres Mitsubishi-Beispiel dafür ist neben dem kleinen ASX der Eclipse Cross, vollelektrisch, technisch eng verwandt mit dem Renault Scenic E-Tech und damit ein Japaner mit französischem Akzent.

Die Familienbande sind schnell zu erkennen. Grundform, Proportionen, technische Basis – vieles erinnert an den Scenic. Aber Mitsubishi hat sich bemüht, dem Stromer ein eigenes Gesicht zu geben. Vorne trägt er die «Dynamic Shield 2.0»-Optik, dazu eine veränderte Schürze und leicht angepasste Leuchtgrafiken. Alles in allem ein sorgfältig gesetzter Lidstrich – womit der Mitsubishi eigenständig genug ausschaut, um nicht bloss als Renault mit japanischem Pass durchzugehen.

Der Innenraum ist aufgeräumt, übersichtlich und optisch sehr nah am französischen Verwandten. Das ist allerdings kein Makel. Die Materialien wirken durchdacht, die Oberflächen fühlen sich hochwertig an, und die Bedienung gibt keine Rätsel auf. In Zeiten, in denen manche Hersteller glauben, ein Handschuhfach müsse über drei Untermenüs und einen Sprachbefehl geöffnet werden, ist vieles schon fast angenehm einfach. Man steigt ein, und muss nicht erst ein Semester Infotainment-Kunde belegen.

Los gehts in der Palette mit den Varianten Inform (ab 42 998.–), Intense und Intense+. Unser Testauto in der Top-Ausführung Instyle steht mit 52 998 Franken in der Liste. Viel zusätzliches Wunschkonzert bleibt nicht mehr: Die Zweitonlackierung kostet 1399, das Wartungspaket (5 Jahre) 1000 Franken. Das war es dann weitgehend.

Zur Serienausstattung gehören unter anderem der Einparkassistent, Rundumkamera, acht Jahre Garantie sowie die ganze Phalanx an Warn-, Brems-, Aufmerksamkeits- und Mahnsystemen, ohne die man heute nicht mal mehr zur Post fahren darf. Besonders angenehm fallen die elektrisch verstellbaren Kunstledersitze mit Massage- und Memory-Funktion (Fahrer) sowie das dimmbare Panoramadach auf. Eine Nachricht dürfte allerdings bei einigen Schweizer Kunden weniger Begeisterung auslösen: Den Eclipse gibt es nur mit Frontantrieb.

Unter der Haube arbeitet ein E-Motor mit 218 PS (300 Nm). Das klingt nicht nach Raketenwissenschaft, reicht im Alltag aber völlig aus. In rund acht Sekunden geht es auf Tempo 100, wichtiger ist jedoch die souveräne Art, mit der er aus Kurven herauszieht und Überholmanöver erledigt.

Die Batterie stammt aus dem Renault-Regal (87 kWh) Laut Hersteller reicht das für rund 630 Kilometer, was in unserem hügeligen Testgebiet unmöglich ist. Rund 450 Kilometer haben wir dennoch geschafft. Muss nachgeladen werden, nimmt er an der DC-Säule bis zu 150 kW auf. Im Test dauerte der Ladevorgang von 15 auf 80 Prozent rund 40 Minuten. Das ist solide, wenn auch nicht spektakulär. An der heimischen Wallbox lädt der Eclipse mit 11 kW Wechselstrom.

Auf der Strasse überzeugt der Eclipse Cross mit einer angenehm direkten Art. Die Fahrwerksabstimmung ist straff und dynamisch, ohne dabei unkomfortabel zu werden. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, gleichzeitig bleibt genügend Rückmeldung vorhanden. Auf kurvigen Landstrassen zeigt er sich erstaunlich agil. Auch die Lenkung passt zum Charakter. Sie ist leichtgängig und ausreichend direkt. Bei schnellen Richtungswechseln bleibt der Eclipse ruhig.

Ein kleines Detail verdient besondere Erwähnung: der unscheinbare «My Safety»-Knopf neben dem Lenkrad. Ist er einmal konfiguriert, lassen sich per Doppelklick vorher definierte Assistenzsysteme ab- oder zuschalten, ohne sich durch das Menü zu hangeln. Das klingt banal, ist im Alltag aber Gold wert. Denn moderne Assistenzsysteme können hilfreich, aber auch nervig sein.

Am Ende bleibt ein klarer Eindruck: Der Eclipse Cross BEV ist kein Revolutionär, aber ein sehr gelungener Stromer. Er nutzt die Technik des Renault Scenic E-Tech, versteckt diese Verwandtschaft nicht vollständig, macht daraus aber ein eigenständiges, gut ausgestattetes und angenehm fahrendes Gesamtpaket. Er fährt effizient, bietet genügend Reichweite, viel Platz und eine überzeugende Ausstattung. Frei übersetzt: Der Eclipse zeigt, dass Mitsubishi Motors in Europa noch nicht fertig ist. Vielleicht war der angekündigte Rückzug von 2020 am Ende also weniger ein Abschied als eine Denkpause. Und manchmal tut eine Denkpause gut – besonders, wenn danach ein Auto kommt, das wieder Lust macht, hinzuschauen und sich reinzusetzen.

 

Mitsubishi Eclipse Cross BEV Instyle
Preis ab 52 998 Fr.
Elektromotor 218 PS / 300 Nm
Batteriekapazität 87 kWh (brutto)
Stromverbrauch (WLTP) 17,1 kWh / 100 km
Reichweite (WLTP) 615 km
0 – 100 / Spitze 7,9 Sek, 170 km/h
Länge / Breite / Höhe 4,49 / 1,91 / 1,57 m
Leergewicht ca. 1980 Kilo
Kofferraum 545 bis 1670 Liter
Anhängelast 1100 Kilo

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