Von Dennis Schneider (Text & Fotos)
Der neue Audi Q3 ist kein Auto, das laut um Aufmerksamkeit bettelt. Er fährt nicht mit Showeinlage vor, sondern mit jener Selbstverständlichkeit, die Audi über Jahre kultiviert hat. Einsteigen, losfahren, wohlfühlen – so einfach kann Premium sein, wenn es gut gemacht ist. Und genau das ist nach zwei Wochen mit dem Q3 die wichtigste Erkenntnis: Dieses Auto macht wenig falsch. Fast zu wenig, um sich daran zu reiben.
Unser Testwagen war der Audi Q3 SUV TFSI quattro mit 265 PS, also die stärkste klassische Benzinversion der Baureihe. Der Zweiliter-Turbobenziner passt gut zu diesem Auto. Er wirkt kräftig, souverän und nie angestrengt. Das Doppelkupplungsgetriebe arbeitet sauber, der quattro-Antrieb bringt Ruhe ins Fahrverhalten, und gerade auf Schweizer Strassen ist diese Kombination ein starkes Argument. Nicht, weil man diese Leistung ständig braucht. Sondern weil sie das Fahren entspannter macht. Überholen, Einfädeln, Bergstrassen, nasse Fahrbahn – der Q3 erledigt das ohne Drama.
Auch beim Komfort zeigt der neue Q3, weshalb er für Audi so wichtig ist. Er rollt satt ab, bleibt auf der Autobahn ruhig und vermittelt dieses solide, leicht abgeschirmte Gefühl, das viele an der Marke schätzen. Die Lenkung ist präzis genug, das Fahrwerk angenehm abgestimmt, die Carrosserie gut kontrolliert. Sportlich im engeren Sinn ist er nicht, aber das muss er auch nicht sein. Er ist ein kompakter SUV für den Alltag, die Familie, die Pendlerstrecke, den Wochenendausflug. Kurz: für genau jene Realität, in der die meisten Autos nicht glänzen müssen, sondern funktionieren.
Innen hat Audi den Q3 deutlich aufgewertet. Das Cockpit wirkt moderner, digitaler und näher an den grösseren Baureihen. Die Anzeigen sind klar, das Infotainment reagiert schnell, die Materialien fühlen sich hochwertig an. Die neue Bedienlogik rund um die Lenkradhebel braucht allerdings etwas Eingewöhnung. Der Gangwählhebel sitzt nun rechts hinter dem Lenkrad, Licht und Wischer werden links bedient. Das schafft Platz in der Mittelkonsole, wirkt am Anfang aber wie eine kleine Prüfung in Audi-Neudeutsch. Nach einigen Tagen funktioniert es, doch ganz selbstverständlich ist es nicht sofort.
Stark ist der Q3 bei Licht, Assistenz und Ambiente. Die Matrix-LED-Scheinwerfer leuchten die Strasse hervorragend aus, die digitalen OLED-Heckleuchten setzen optisch ein klares Zeichen, und die Assistenzsysteme arbeiten im Hintergrund angenehm unaufgeregt. Audi bringt hier viel Technik aus höheren Klassen ins Kompaktsegment. Das wirkt nicht nur auf dem Papier gut, sondern auch im Alltag. Gerade bei Nacht, Regen oder dichtem Verkehr merkt man, dass solche Systeme nicht nur Spielerei sind, sondern echten Komfort bringen.
Beim Platzangebot bleibt der Q3 praktisch, aber nicht ohne Einschränkung. Vorne sitzt man sehr gut, hinten ordentlich, und die verschiebbare Rückbank hilft im Alltag. Im Kofferraum zeigt sich allerdings einer der wenigen echten Rückschritte. Der neue Q3 bietet 488 Liter, mit nach vorne geschobener Rückbank bis 575 Liter und maximal 1 386 Liter bei umgelegter Rückbank. Der Vorgänger kam noch auf 530 bis 1 525 Liter. Das ist kein Weltuntergang, aber es ist auch kein Detail für Erbsenzähler. Gerade bei Familiengepäck, Sporttaschen oder Ferienmaterial merkt man: Der neue Q3 ist edler und technischer geworden, aber nicht praktischer.
Der grösste Kritikpunkt bleibt der Preis. Der neue Q3 startet in der Schweiz bei 49 200 Franken, unsere kräftige quattro-Version beginnt bei 63 000 Franken. Schon das ist selbstbewusst. Unser Testwagen mit umfangreicher Ausstattung kam schliesslich auf 85 454 Franken. Damit verlässt der Q3 gedanklich schnell die klassische Kompaktklasse und fährt preislich in Regionen, in denen man automatisch zu vergleichen beginnt. Mit grösseren Modellen. Mit anderen Marken. Mit der eigenen Vernunft. Audi liefert dafür viel Qualität, viel Technik und ein sehr rundes Gesamtpaket. Aber günstig ist daran gar nichts.
Auch beim Verbrauch zeigt sich der Q3 angenehm ehrlich. Der kräftige Zweiliter-Benziner mit quattro ist kein Sparmodell auf dem Papier, aber im Alltag wirkt er erstaunlich gelassen. Wer ruhig fährt, kommt mit vernünftigen Werten durch den Verkehr; wer die Leistung abruft, bekommt dafür auch spürbar etwas geboten. Genau das macht den Motor sympathisch: Er wirkt nicht hochgezüchtet, nicht nervös, nicht künstlich auf Effizienz getrimmt, sondern souverän und passend zum Auto. Kräftig, unaufgeregt, berechenbar. Kein Hochleistungsdrama, sondern Alltagsluxus mit Reserve.
Unterm Strich ist der neue Audi Q3 ein sehr überzeugender Premium-SUV. Er fährt souverän, wirkt hochwertig, bietet starke Technik und passt mit Allrad, kräftigem Benziner und gutem Komfort hervorragend in die Schweiz. Seine Schwächen sind überschaubar, aber nicht unsichtbar: weniger Kofferraum als früher, eine Bedienung mit kurzer Angewöhnungszeit und ein Preis, der den Begriff Kompaktklasse ziemlich grosszügig auslegt. Dafür bekommt man ein Auto, das im Alltag sehr rund wirkt und gerade mit dem Zweiliter-Benziner eine angenehme Souveränität mitbringt. Der Q3 ist damit kein Blender. Er ist einfach ein sehr guter Audi. Nur eben einer, der sich das sehr gut bezahlen lässt.
| Audi Q3 SUV TFSI quattro | |
| Preis ab | 63 000 Fr. |
| Testwagen | 85 454 Fr. |
| Antrieb / Motor | quattro, 2,0-Liter-TFSI |
| Leistung | 265 PS / 400 Nm |
| Getriebe | 7-Gang S tronic |
| 0 – 100 / Spitze | 5,7 Sek., 240 km/h |
| Verbrauch | 8,7 l / 100 km |
| CO2 | 196 g/km |
| Länge / Breite / Höhe | 4,53 / 1,86 / 1,60 m |
| Leergewicht | 1808 kg |
| Kofferraum | 488 bis 1386 Liter |
| Anhängelast | bis 2100 kg |