• Homeslider Bild: https://www.carwing.ch/images/home/slider/tiguan_h.jpg
  • Zusätzliche Kategorien: Homeslider
  • Homeslider Text:

    Langstreckentest, Teil 1: Bestseller auf Bewährungsprobe – mit dem Tiguan Richtung Süden

Von Dennis Schneider (Text)

Ein Bestseller hat es nicht unbedingt leichter. Im Gegenteil. Wer sich derart gut verkauft, muss irgendwann erklären, warum. Der VW Tiguan kennt diese Rolle. Seit 2007 gehört er zum festen Inventar der SUV-Welt, seit 2024 steht die dritte Generation bei den Händlern. Bis zu deren Markteinführung waren in der Schweiz bereits mehr als 75 000 Exemplare verkauft worden.

2025 setzte der Tiguan noch einen drauf: Mit 5181 Neuzulassungen war er das meistgekaufte Automodell der Schweiz – gerade einmal 101 Fahrzeuge vor dem Tesla Model Y. Eine beeindruckende Statistik. Aber Verkaufszahlen fahren nicht nach Spanien. Autos schon.

Also musste der Tiguan zeigen, was hinter seinem Erfolg steckt. Nicht auf einer hübsch präparierten Teststrecke und auch nicht auf einer zweistündigen Runde ums Redaktionsbüro. Sondern dort, wo ein Familien-SUV tatsächlich liefern muss: vier Personen, Feriengepäck, Bündner Berge, Autobahn, Frankreich, Stau, Hitze, Spanien und wieder zurück.

Unser Testwagen trat dafür ziemlich selbstbewusst an. Tiguan R-Line, 2.0 TSI, 265 PS, 7-Gang-DSG und 4Motion. Dazu reichlich Komfortausstattung und ein Gesamtpreis von 73 198 Franken. Kein Tiguan für Sparfüchse also, sondern nahezu das grosse Reisebesteck.

Die Strecke führte von Obersaxen in Graubünden über Zürich, Genf und Frankreich bis an die spanische Costa Blanca in die Region Dénia. Rund 1680 Kilometer pro Richtung, mindestens 3360 Kilometer für Hin- und Rückfahrt. Auf der Navigationskarte sieht das nach einer violetten Linie aus. In der Realität bedeutet es Berge, Gepäck, Pausen, Raststätten, Staus und sehr viele Stunden im Auto.

Die erste Bewährungsprobe findet allerdings schon statt, bevor sich auch nur ein Rad bewegt: Kofferraum auf. Vier Personen für die Ferien auszurüsten bedeutet grosse Koffer, Taschen, Schuhe, Kühlbox, Getränke, Kabel, Tablets und jenes zusätzliche Material, von dem vor der Abreise jeder behauptet, es müsse unbedingt noch mit.

Volkswagen nennt für den Tiguan 652 Liter Kofferraumvolumen. Das sind 37 Liter mehr als beim Vorgänger. Der Testwagen schluckte entsprechend viel. Unter dem Kofferraumboden blieb zudem ein nutzbares Fach für Material, das zwar mitmusste, aber nicht bei jedem Öffnen des Heckdeckels entgegenfallen sollte.

Praktisch ist auch die verstellbare Neigung der Rücksitzlehnen. Ein paar Zentimeter steiler eingestellt, und schon passte der grosse Koffer so hinein, dass auch der Heckdeckel wieder sauber zuging. Keine Revolution der Automobilgeschichte. Auf einer Ferienreise trotzdem Gold wert.

Im Innenraum zieht sich dieses Prinzip weiter. Die Türfächer sind gross genug für 1,5-Liter-Flaschen und weiteres Material. Im Fond gibt es verschiedene Ablagen für Smartphones, Tablets und Kleinkram. Besonders gut kamen die Haltemöglichkeiten an den Rückseiten der Vordersitze beziehungsweise im Bereich der Ablagen an: Tablet oder Handy verstauen, Film einschalten, Ruhe.

Automobiljournalismus kann grausam banal sein. Aber wer mit mehreren Personen 1680 Kilometer fährt, weiss: Ein gut platziertes Tablet kann für den Reisefrieden wertvoller sein als zehn zusätzliche PS. Auch beim Platzangebot gab es von hinten wenig zu meckern. Genügend Bewegungsfreiheit, eine bequeme Sitzposition und selbst nach mehreren Stunden weder Nacken- noch Rückenschmerzen. Das klingt unspektakulär. Für einen Familien-SUV ist es eines der besseren Komplimente.

Dann ging es aus den Bündner Bergen hinunter Richtung Zürich und weiter auf die Autobahn Richtung Westschweiz. Schon dort zeigte der starke TSI jene Eigenschaft, die den Tiguan während der gesamten Reise prägen sollte: Souveränität. Der Zweiliter arbeitet kräftig, aber nicht nervös. Das DSG sortiert seine sieben Gänge unauffällig, der Allrad bringt Ruhe ins Auto.

265 PS wirken in einem Familien-SUV zunächst etwas übermotiviert. Auf der Autobahn verändert sich die Perspektive. Leistung bedeutet hier weniger Sport als Reserve. Beim Einfädeln, Überholen oder wenn man aus einer unangenehmen Verkehrssituation herausbeschleunigen möchte, ist die Kraft sofort vorhanden. Pedal runter, der Tiguan geht.

Überraschend war dabei der Verbrauch. Im Eco-Modus sank die Anzeige auf der leicht abfallenden Autobahn vor Zürich und auf der weiteren Fahrt zeitweise auf 7,2 Liter pro 100 Kilometer. Mit vier Personen. Voll beladen. 265 PS. Allrad. Natürlich ist eine einzelne Verbrauchsphase kein wissenschaftlicher Normtest. Sie zeigte aber früh, dass Leistung und ein einigermassen vernünftiger Verbrauch beim Tiguan nicht zwangsläufig Gegner sein müssen.

Der erste Reisetag brachte deshalb eine Erkenntnis, die uns später immer wieder begegnen sollte: Der Tiguan beeindruckt weniger mit einem einzelnen grossen Effekt als mit der Summe vieler kleiner Dinge. Platz, Ablagen, Komfort, Kraft, Bedienung und Ruhe.

Er macht wenig Theater. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb sich dieser SUV in der Schweiz derart hartnäckig verkauft. Ferienreisen beginnen schliesslich selten mit Pathos. Sie beginnen mit Koffern, vergessenen Ladekabeln und der Frage, ob wirklich alles hineinpasst.

Beim Tiguan passte es. Tür zu. Spanien, wir kommen.

 

VW Tiguan R-Line 2.0 TSI 4MOTION
Basispreis 64 200 Fr.
Testwagenpreis 73 198 Fr.
Motor 2,0-Liter-TSI, 4 Zylinder
Leistung / Drehmoment 265 PS (195 kW) / 400 Nm
Antrieb / Getriebe Allrad, 7-Gang-DSG
0–100 / Spitze 5,9 Sek. / 242 km/h
Verbrauch (WLTP) 8,7 l/100 km
Praxisverbrauch 8,6 l/100 km
CO₂ / Energieklasse 199 g/km / G
Länge / Breite / Höhe 4,539 / 1,859 / 1,656 m
Leergewicht ab 1772 kg
Kofferraum 652 bis 1650 Liter