Heinz Schneider (Text und Fotos)
Surcuolm liegt im Bündner Oberland, Richterswil unten am Zürichsee. Dazwischen warten Gefälle, Autobahn und genügend Kilometer, um einem Plug-in-Hybrid auf den Strom zu fühlen. Wir starten mit vollständig geladener Batterie. Als wir Richterswil erreichen, zeigt die elektrische Vorratskammer Ebbe. Das ist keine Blamage, aber eine brauchbare Lektion: Auch ein grosser Akku kennt Grenzen – besonders auf der Autobahn, wo bei gleichmässiger Fahrt kaum Gelegenheit zum Rekuperieren bleibt.
Der VW Bus der aktuellen Baureihe soll als Version «Multivan» Familienauto, Geschäftslimousine, Ferienbegleiter und gelegentlich sogar rollendes Hotelzimmer sein. Zum Modelljahr 2026 wurde er in mehreren Bereichen überarbeitet. Sichtbar wird das vor allem an der neu gezeichneten Frontpartie mit verändertem Stossfänger, LED-Scheinwerfern und einer illuminierten Querspange zwischen den Leuchten.
Gefahren sind wir die 5,18-Meter-Langversion «Style Liberty» mit sieben Einzelsitzen – ein Sondermodell, das VW mit 8420 Franken Bonus führt. Das klingt erfreulich, bis der Blick auf den Endpreis fällt: Mit Zusatzausstattungen landet unser Testwagen dennoch knapp unter 100 000 Franken.
An Ausstattung mangelt es nicht. Serienmässig gibts eine Standklimatisierung (kühlt, belüftet, beheizt Innenraum beim Laden, Parkieren oder Campen), heizbare Features (Frontscheibe, Sitze, Lenkrad) und Rundumkamera. Dazu kommen Massagefunktion, drahtlose Smartphoneanbindung, zwei elektrische Schiebetüren und DSG-Getriebe.
Bei dachhoher Beladung bis Reihe 1 passen 4005 Liter ins Heck. Entscheidend ist jedoch die Variabilität: Die Einzelsitze lassen sich verschieben, umklappen oder herausnehmen. Ganz so mühelos funktioniert der Ausbau jedoch nicht. Die Sessel sind handlich, aber keine Leichtgewichte. Idealerweise packt eine zweite Person mit an – sonst wird aus dem Umbau unverhofft eine kleine Trainingseinheit für Rücken und Wortschatz.
Der Testwagen kombiniert Allradantrieb mit modernisierter Plug-in-Hybridtechnik. Unter der Haube arbeitet ein neuer 1,5-Liter-Turbobenziner mit 177 PS. Ein E-Motor (116 PS) ist ins Doppelkupplungsgetriebe integriert, ein weiterer Stromer (136 PS) treibt die Hinterachse an und sichert den 4x4-Antrieb. Bemerkenswert: Dieser Motor bleibt auch bei leerem Akku im Einsatz. In diesem Fall liefert der Benziner über einen Generator die nötige Energie.
Die Systemleistung beträgt 245 PS (Vormodell 218 PS) und 350 Newtonmeter. Der Leistungszuwachs steht dem Multivan gut, denn Masse und Gewicht (2,5 Tonnen) sind reichlich vorhanden. Beim Anfahren und im normalen Verkehr kaschiert der Elektromotor dieses Gewicht überzeugend – der Bus wirkt kräftig, aber nie aggressiv.
Angenehm arbeitet die adaptive Rekuperation. Sie berücksichtigt Kurven, Tempolimits und vorausfahrende Fahrzeuge und verzögert rechtzeitig. Wer vorausschauend fährt, muss das Bremspedal erstaunlich selten benutzen. Das System wirkt dabei nicht übervorsichtig, sondern meist so, als hätte jemand die Strecke bereits gelesen.
Genehmigt hat sich unser Auto bei regelmässigem Nachladen knapp fünf Liter Sprit plus 22 kWh Strom. Diese Werte gehören stets zusammen: Der tiefe Benzinverbrauch ist nur möglich, weil ein Teil der Energie aus der Steckdose kommt. Mit leerem Akku werden es schnell zehn Liter oder mehr.
Diese Werte lassen sich etwas drücken. Der Akku nimmt beim Verzögern immer wieder Energie auf, sodass die E-Motoren auch nach dem Ende der ursprünglichen elektrischen Reichweite weiter unterstützen können. Wunder vollbringt die Rekuperation allerdings nicht. Wer zweieinhalb Tonnen bergauf bewegt, muss die dafür nötige Energie irgendwo bezahlen – an der Ladesäule oder an der Tankstelle.
Das hohe Gewicht wirkt sich auch auf die Nutzbarkeit aus. Die Zuladung beträgt nur rund 560 Kilogramm. Bei sieben Erwachsenen und Gepäck kann es somit rechnerisch eng werden. Auch die Anhängelast von 1600 Kilo fällt für ein Auto dieser Grösse eher bescheiden aus. Wer regelmässig schwere Anhänger zieht oder die maximale Nutzlast ausschöpfen möchte, ist mit dem Diesel besser bedient.
Der VW Multivan eHybrid 4Motion ist deshalb kein universeller Sieger, aber ein ausgesprochen vielseitiger Spezialist. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, viele kürzere Strecken fährt und den grosszügigen, variablen Innenraum nutzt, bekommt einen komfortablen und kultivierten Bus. Auf Langstrecken ohne Ladepausen verliert der Plug-in-Hybrid dagegen einen Teil seines Reizes und trägt seine komplexe Technik hauptsächlich als zusätzliches Gewicht spazieren.
Knapp 100 000 Franken bleiben eine stolze Ansage. Dafür bietet der Multivan viel Platz, Komfort und Luxusausstattung. Und er kann fast alles: Familie transportieren, Geschäftspartner chauffieren, Feriengepäck schlucken und im Stand klimatisieren. Nur leicht sein, das kann er nicht.
| VW Multivan eHybrid 4Motion Style Liberty | |
| Preis ab | 97 200 Fr. |
| Turbobenziner | R4, DOHC, 1498 ccm |
| Leistung | 177 PS / 250 Nm (ab 1500 U/min) |
| Antrieb / E-Motoren | 4x4, 6-Gang-DSG / 116 PS, 136 PS |
| Systemleistung | 245 PS / 350 Nm |
| Batteriekapazität | 19 kWh (netto) |
| 0–100 / Spitze | 8,9 Sek. / 200 km/h |
| Verbrauch (WLTP) | 0,9 Liter / 22,5 kWh pro 100 km |
| Elektrische Reichweite (WLTP) | 91 km |
| Länge / Breite / Höhe | 5,17 / 1,94 / 1,91 m |
| Leergewicht | ca. 2500 kg |
| Kofferraum / Anhängelast | 469 bis 4005 Liter / 1600 kg |