Von Dennis Schneider (Text)
Fahrerlos bedeutet nicht menschenlos: Bleibt ein selbstfahrendes Taxi wegen einer Baustelle oder einer unklaren Verkehrssituation stehen, kann eine Fachperson in einer Leitstelle weiterhelfen. Eine neue internationale Empfehlung beschreibt nun, wie solche Fernassistenten ausgebildet werden sollen.
Die Fachpersonen übernehmen das Fahrzeug nicht mit Lenkrad und Pedalen. Sie bestätigen beispielsweise eine vorgeschlagene Fahrspur oder helfen dem System bei der Wahl eines zulässigen Weges. Dafür sollen sie die örtlichen Verkehrsregeln, die Sensoren und die Entscheidungsweise des Fahrzeugs kennen. Vorgesehen sind zudem regelmässige Nachschulungen und Pausen bei nachlassender Aufmerksamkeit. Einen Führerausweis verlangt die internationale Empfehlung nicht zwingend.
In der Schweiz gelten strengere Regeln. Wer ein automatisiertes Fahrzeug aus einer Leitstelle unterstützt, muss mindestens einen Führerausweis der Kategorie B besitzen, speziell geschult sein und von einem Arbeitsplatz in der Schweiz aus arbeiten. Die Person kann Manöver vorschlagen oder bestätigen – gefahren wird weiterhin vom Fahrzeug selbst.
In Europa ist Zagreb derzeit am weitesten. Dort können zahlende Fahrgäste seit April 2026 selbstfahrende Taxis bestellen. Allerdings sitzt weiterhin ein Sicherheitsfahrer an Bord. In Hamburg laufen seit Juli kostenlose Fahrten mit ausgewählten Personen und bis zu zehn automatisierten Kleinbussen. Auch dort fährt Sicherheitspersonal mit. München soll folgen: Waymo bereitet dort Versuchsfahrten vor und strebt einen öffentlichen Betrieb gegen Ende 2027 an.
In der Schweiz laufen gleich zwei Projekte. PostAuto testet AmiGo seit Juni 2026 in der Ostschweiz. Ab 2027 sollen bis zu 25 Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer unterwegs sein. Im Zürcher Furttal sollen beim Projekt iamo im Laufe des Jahres 2026 erste Fahrgäste automatisiert befördert werden. Später ist auch dort ein Betrieb ohne Sicherheitsfahrer vorgesehen, überwacht von einer Leitstelle in Regensdorf.
Der Fahrer verschwindet damit möglicherweise vom Fahrersitz – die menschliche Verantwortung aber nicht. Sie verlagert sich in die Leitstelle.
Kurz erklärt: die fünf Automatisierungsstufen
- Stufe 1: Das Fahrzeug unterstützt entweder beim Lenken oder beim Tempo. Der Mensch fährt.
- Stufe 2: Das Fahrzeug kann gleichzeitig lenken sowie beschleunigen und bremsen. Der Mensch muss den Verkehr ständig überwachen.
- Stufe 3: Das Fahrzeug fährt unter bestimmten Bedingungen selbst. Auf Aufforderung muss der Mensch übernehmen können.
- Stufe 4: In einem festgelegten Gebiet oder unter bestimmten Bedingungen ist kein Fahrer nötig. Das Fahrzeug muss sich bei Problemen selbst in einen sicheren Zustand bringen können.
- Stufe 5: Das Fahrzeug könnte überall und unter allen Bedingungen vollständig selbst fahren. Solche Fahrzeuge gibt es im regulären Strassenverkehr noch nicht.