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    Mehr Platz für Sonderwünsche: MAN baut neues Werk

Carwing-Redaktion (Text)

MAN baut sein Geschäft mit massgeschneiderten Transportern aus. Ein grösserer Betrieb in Polen soll mehr Fahrzeuge für besondere Einsätze vorbereiten. Das betrifft auch die Arbeitsteilung mit Schweizer Fahrzeugbauern.

Ein leerer Lieferwagen ist für viele Kunden erst die halbe Lösung. Der Handwerker braucht Werkzeugschränke, der Fahrdienst zusätzliche Sitze, der Rollstuhltransport eine passende Rampe. Erst solche Anpassungen machen aus dem Serienfahrzeug ein Arbeitsgerät für einen bestimmten Einsatz.

Bei MAN heisst die entsprechende Transporterbaureihe TGE. Sie gehört seit 2017 zum Angebot und ist technisch eng mit dem VW Crafter verwandt. Beide Fahrzeuge entstehen im Volkswagen-Werk im polnischen Września. Den TGE gibt es als geschlossenen Lieferwagen, als Kombi für den Personentransport und als Fahrgestell mit Fahrerkabine, auf das beispielsweise ein Kofferaufbau oder eine Kippbrücke gesetzt werden kann.

«TGE-Umbauten» sind also Anpassungen an diesen Transportern. Einen Teil davon übernimmt MAN mit seiner Spezialabteilung MAN Individual selbst. Dazu gehören etwa drehbare Vordersitze, ein höher gelegtes Fahrwerk oder Vorbereitungen für ein Aufstelldach. Das Fahrzeug wird damit auf seinen späteren Einsatz zugeschnitten. Weitere Arbeiten, beispielsweise der komplette Ausbau zum Wohnmobil, können anschliessend spezialisierte Firmen übernehmen.

Für dieses Geschäft schafft MAN nun mehr Platz. Ein neuer Betrieb in Poznań (Polen) soll den bisherigen Standort in Sady ersetzen und im zweiten Quartal 2027 starten. Die Produktionsfläche wächst nach Unternehmensangaben um rund 120 Prozent auf 3 600 Quadratmeter. Auch die bisher in Sady angesiedelte Fertigung der Kombiversion zieht um. Der feierliche Bauauftakt fand am 22. Oktober 2026 statt.

Die Umbauzahlen erklären den Ausbau: Nach MAN-Angaben wurden 2022 etwas mehr als 1 000 TGE individualisiert, 2025 waren es über 5 000. Der neue Standort ist für bis zu 150 Mitarbeiter ausgelegt. Wie viele Fahrzeuge dort künftig pro Jahr umgebaut werden sollen, sagt MAN in der Meldung nicht. Die mehr als verdoppelte Produktionsfläche ist deshalb noch keine Aussage über eine verdoppelte Jahreskapazität.

Auch Schweizer Fahrzeugbauer arbeiten mit diesem Transporter. Baldinger bietet für den TGE unter anderem leichte, geschlossene Ladeaufbauten und Lösungen zur Nutzlastoptimierung an. Bei biwak lab in Allschwil entstehen individuelle Camper auf dieser Basis. Für diese Unternehmen ist der MAN-Transporter der Ausgangspunkt ihrer Arbeit: Sie ergänzen, was der Kunde für seinen Beruf oder seine Reisen braucht.

MAN setzt seinerseits weiterhin auf externe Anbieter. Auf der Schweizer Website stehen beispielsweise Kofferaufbauten von Spier, Kipper von Meiller und Fahrzeugeinrichtungen von Bott oder Sortimo im Angebot. Ein über MAN bestellter Ausbau kann somit von einer Partnerfirma stammen. «Ab Werk» bedeutet keineswegs automatisch, dass MAN sämtliche Arbeiten selbst erledigt.

Für Kunden kann diese Bündelung die Bestellung vereinfachen. MAN wirbt bei seinen Individual-Lösungen mit einem Ansprechpartner sowie umfassender Garantie und Gewährleistung. Bei einem Fahrzeug mit zusätzlichem Aufbau einer anderen Firma kommt es allerdings auf die konkreten Vertragsbedingungen an. Im Alltag zählt, wer bei einem Defekt zuständig ist und wie rasch der Transporter wieder eingesetzt werden kann.

Für Schweizer Fahrzeugbauer eröffnet die Entwicklung unterschiedliche Möglichkeiten. Wiederkehrende Umbauten könnten stärker beim Hersteller gebündelt werden. Gut vorbereitete Fahrzeuge können den Spezialisten aber auch Arbeit erleichtern, etwa wenn Sitze oder die Vorbereitung für ein Dach bereits vorhanden sind. Ob daraus zusätzliche Aufträge oder schärferer Wettbewerb entstehen, hängt von der tatsächlichen Aufteilung der Arbeiten ab. Ein Verlust Schweizer Aufträge lässt sich aus der Werkserweiterung allein nicht ableiten.

MAN stärkt damit das Geschäft zwischen Serienproduktion und fertig ausgerüstetem Nutzfahrzeug. Für Schweizer Spezialisten wird entscheidend, welche Aufgaben beim Hersteller landen und welche bei ihnen bleiben. Denn mit dem Verkauf des Transporters ist das Geschäft längst nicht erledigt.

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