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    Carrosserie Theus: Frischer Schwung für bewährtes Handwerk

Dennis Schneider (Text)

Zwei neue CMC-Raptor-Lackierkabinen von Domenico Technik, über 30 clevere Teilewagen, die aktuell durch ein KI-basiertes Ersatzteilmanagement ergänzt werden, eine digitale Werkstattplanung und eine KI am Telefon: Bei der Carrosserie Theus AG in Chur gibt es einiges zu entdecken. Und für das nächste Energieprojekt ist bereits Platz geschaffen – für einen grossen Wasserspeicher.

Seit 1961 ist die Carrosserie Theus ein Familienbetrieb, heute in dritter Generation. An der Churer Ringstrasse arbeiten laut Firmenwebsite 27 Mitarbeiter. Geschäftsführer Arno Theus und seine Schwester Tina Bleiker-Theus haben das Unternehmen Anfang 2019 von den Eltern übernommen. Sie gehört zur Geschäftsleitung und verantwortet die Finanzen. Beim Rundgang mit Arno Theus und Lackierereileiter Giuseppe Salemi zeigt sich, wie viel Freude die Weiterentwicklung des Betriebs macht.

Wertvolle Anstösse liefern dabei Timo Hofer und Arnos Bruder Nino Theus. Hofer begleitet das Unternehmen für Glasurit, die Lackmarke von Surventis, ehemals BASF Coatings. Nino wirkt als Verwaltungsrat mit und bringt einen Blick ausserhalb des täglichen Werkstattbetriebs ein. Ohne die Impulse der beiden würde man wohl manches einfach so weiterführen, wie man es seit Jahren gewohnt sei, meint Arno Theus. Der Alltag funktioniere schliesslich – umso wertvoller seien Menschen, die genauer hinschauten und neue Möglichkeiten aufzeigten.

Ein solcher Anstoss führte zur systematischen Analyse der Arbeitsabläufe. Über den damaligen Lackpartner BASF Coatings und das Programm «Body Shop BOOST» kam eine externe Betriebsberatung ins Haus. Kameras zeichneten die Abläufe im Zeitraffer auf; untersucht wurde der Weg eines Auftrags von der Schlüsselannahme bis zur Fahrzeugrückgabe. Wo entstehen unnötige Wege, Suchzeiten oder Unterbrechungen? Aus den Beobachtungen wurden konkrete Verbesserungen abgeleitet, deren weitere Umsetzung Timo Hofer begleitete.

Eine davon rollt heute durch die Spenglerei: Für jedes Fahrzeug stehen die zugehörigen Teile und Ersatzteile auf einem eigenen Wagen bereit. Dieser fährt gleich mit an den Arbeitsplatz. So bleibt zusammen, was zusammengehört, und das wiederholte Zusammensuchen von Material entfällt. Das schafft Ordnung, spart Zeit und hilft, die Kosten im Griff zu behalten. Als nächster Entwicklungsschritt wird ein KI-gestütztes Ersatzteilmanagement den Prozess weiter optimieren. Das System automatisiert die Bestellung, sorgt für maximale Transparenz und ermöglicht allen Mitarbeitenden jederzeit einen vollständigen Überblick über den Status der benötigten Teile. Dadurch werden Abläufe nochmals vereinfacht und die Effizienz weiter gesteigert.

Auch vor der Wahl der neuen Lackierkabinen habe man sich bei Berufskollegen umgesehen und deren Erfahrungen eingeholt, erzählt Arno Theus. Timo Hofer stand dem Betrieb ebenfalls zur Seite. Besonders überzeugt habe ihn die Infrarottechnik, sagt der Geschäftsführer – auch deshalb, weil sich dafür Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage nutzen lässt.

Für die Planung und Realisierung der beiden CMC Raptor IR arbeitete Theus mit der Domenico Technik GmbH aus Sennwald zusammen. Die Anlagen wurden auf die vorhandenen Räume abgestimmt und bieten mehr Platz als ihre Vorgänger. Fahrzeuge seien über die Jahre breiter und höher geworden, erklärt Theus. Die neue Lösung trägt dieser Entwicklung Rechnung und nutzt die verfügbare Fläche besser.

Mit der Zusammenarbeit und dem Aufbau ist der Geschäftsführer sehr zufrieden. Vorgaben und Termine seien eingehalten worden, berichtet er. Während des Umbaus konnte eine bestehende Lackierkabine weiterlaufen. Mit angepasster Auslastung liess sich diese Phase gut überbrücken.

Die Raptor-Technik verbindet Lackieren und Trocknen in einer Anlage. Integrierte Infrarotstrahler erwärmen die lackierten Oberflächen gezielt; einzelne Bereiche und die Leistung lassen sich dem jeweiligen Auftrag anpassen. Für ein einzelnes Bauteil muss dadurch nicht die gesamte Kabine auf die herkömmliche Trocknungstemperatur gebracht werden. Das eröffnet Möglichkeiten, Energie zu sparen und die Prozesszeiten zu verkürzen.

Giuseppe Salemi schätzt besonders die kürzeren Trocknungs- und Abkühlphasen. Zudem entfällt das Verschieben frisch lackierter Teile in einen separaten Trocknungsraum. Das vereinfacht die Handhabung und verringert das Risiko einer Beschädigung beim Umsetzen. Beim Vorführen ist seine Freude an den neuen Kabinen deutlich zu spüren.

Mehr Überblick bringt die KI-gestützte Werkstattplanung mit aspaara. Die Schweizer Software übernimmt vorhandene Auftragsdaten und stimmt Personal, Arbeitsplätze und Kapazitäten aufeinander ab. Sie schlägt vor, welcher Mitarbeiter wann an welchem Fahrzeug arbeiten soll. Der Bearbeitungsstand lässt sich von der Spenglerei über die Lackiererei bis zur Fertigstellung verfolgen; drohende Terminüberschreitungen werden früher sichtbar. Auch administrativ habe sich vieles vereinfacht, sagt Arno Theus, während Salemi den besseren Überblick im Tagesgeschäft hervorhebt.

Am Telefon meldet sich für die Bus- und Transportervermietung inzwischen «Ursina». Die KI-Assistentin ermöglicht Reservationen rund um die Uhr; auch per WhatsApp ist der Betrieb erreichbar. Die wiederkehrenden Buchungsanfragen hätten zuvor viel Zeit beansprucht, erläutert Theus. Mietvertrag, Unterschrift und Fahrzeugübergabe bleiben beim Team, das durch die automatisierte Reservation entlastet wird.

Besonders spannend wird es beim Blick auf die künftige Wärmeversorgung. Die eigene Photovoltaikanlage liefert bereits Strom für den Betrieb. Im Winter braucht jedoch auch die Zuluft der Lackierkabinen zuverlässig Wärme. Diese soll künftig über das Anergienetz der IBC Energie Wasser Chur kommen, das unter anderem die Wärme des lokalen Grundwassers erschliesst.

Die Vorbereitungen sind bereits sichtbar: Die Zuleitungen wurden bis ans Gebäude geführt, und auch im Innern sind die Voraussetzungen für die neue Anlage geschaffen. Arno Theus zeigt beim Rundgang, wo der grosse Wasserspeicher untergebracht werden soll. Vorgesehen ist ein Platz nahe den Lackierkabinen, damit die Wege kurz bleiben und möglichst wenig Wärme verloren geht. Der Speicher muss noch aufgestellt und in die Anlage eingebunden werden.

Nach der beim Besuch erläuterten Planung soll das Wasser aus dem Anergienetz mit rund 15 Grad Celsius ankommen. Bei der Nutzung werde ihm Wärme entzogen und seine Temperatur dabei um ungefähr fünf bis sechs Grad gesenkt, erklärt Theus. Das abgekühlte Wasser fliesse anschliessend zurück. Eine Wärmepumpe soll die gewonnene Wärme auf das zum Heizen benötigte Temperaturniveau bringen.

Der grosse Wassertank übernimmt dabei die Aufgabe eines Wärmespeichers. Er soll genügend Wärme vorhalten, damit die Versorgung der Lackierkabinen auch bei wechselndem Bedarf zuverlässig funktioniert. Gerade an kalten Wintertagen soll dieses Zusammenspiel aus Grundwasserwärme, Heiztechnik und Speicher helfen, die bisherige Gasheizung abzulösen.

Das Vorhaben ist Teil des Churer Wärmenetzausbaus im Rahmen des «Masterplan Energie Chur 2040», der auch die Ringstrasse umfasst. Bis zur geplanten Inbetriebnahme 2027 sind noch technische Schritte zu lösen, doch Arno Theus zeigt sich zuversichtlich. Auch eine spätere Kühlung im Sommer wird mitgedacht. Der Platz für den nächsten Entwicklungsschritt ist bei Theus jedenfalls schon reserviert.

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