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    Meisterprobe:

    Wenn Schlosser

    um die

    Strassenzulassung feilen

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Von Heinz Schneider (Text)

Ein Samstag in Bern. Acht angehende Meister (einer musste sich abmelden) ihres Fachs, die besten Fahrzeugschlosser der Schweiz, übten den Ernstfall – nicht etwa mit dem Schweissbrenner, beim Feilen, Fräsen oder Formen, sondern hinter den Türen vom Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern. Dort, wo normalerweise Nummernschilder ausgegeben oder getauscht werden, gabs für einmal einen Blick hinter die Kulissen der Paragrafen und Prüfprotokolle. Und zwar als Vorbereitung zur Schweizer Berufsmeisterschaft (Swiss Skills) im September.

Die Idee dazu stammt von Martin Eggimann, die graue Eminenz schlechthin im Fahrzeugbau mit viel Funkenflug-Erfahrung – und technischer Berater bei der Eckold AG in Trimmis (GR). Statt wie sonst an den «Swiss Skills» irgendein blitzendes Schaustück fürs Regal oder die Vitrine zusammenzuschweissen, sollen die jungen Berufsleute in diesem Jahr ein echtes Transportfahrzeug bauen: einen Einachsanhänger, mit 1,50 Meter breiter und 2,50 langer Ladefläche. Gesamtgewicht: 1500 Kilo. Keine Alibiübung, sondern ein Stück Strassenrealität mit Zulassung, Stempel und hoffentlich später auch jeder Menge Holz, Kies oder Rasenmäher auf dem «Buckel».

Mitentwickelt und umgesetzt haben die Idee und das Prüfungsstück Eggimanns Expertenkollegen Robin Lang und Peter Bucheli, die sich in den Plan verbissen haben, als ginge es um die Konstruktion eines Raumgleiters. Vier Tage haben die neun Kandidaten an den «Swiss Skills» Zeit, ihre Anhänger nach Bauplan und Arbeitsbeschrieb aus Stahl und Schweissnaht zu formen – und am Montag drauf müssen sie beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt bestehen. Kein Showroom, kein Applaus, sondern eine sachliche Prüfung durch kompetente Fachleute mit Klemmbrett.

Damit die Talente nicht blauäugig ins Amtszimmer marschieren, gabs die Generalprobe: Die Experten Adrian Mühlemann, Enzo Filippone und Stefan Wenger führten die Truppe durch die Welt der Typengenehmigung und Zulassungsprüfung. Zuerst Theorie – was wird geprüft, wo lauert der Teufel im Paragrafenwerk? Danach Praxis – einmal live zuschauen, wie ein Anhänger auf Herz, Nieren und Bremslichter abgeklopft wird.

Das Resultat: staunende Gesichter, Notizen voller Fachbegriffe und das Gefühl, eine Eintrittskarte ins Reich der Strassenzulassung gelöst zu haben. Ein ereignisreicher Samstag, an dem aus jungen Fahrzeugbau-Fachleuten plötzlich fast schon Verkehrsexperten wurden.

Und wer weiss – wenn am Montag nach den Meisterschaften neun blitzende Anhänger auf dem Hof des Strassenverkehrsamts aufreihen, könnte es der erste Moment sein, in dem die Verkehrsexperten mehr strahlen als die Rücklichter.