Von Heinz Schneider (Text)
Es gibt Momente im Berufsleben, an die man sich auch Jahre später noch erinnert. Der erste Arbeitstag gehört dazu. Vielleicht die erste selbstständig reparierte Carrosserie, die erste tadellos lackierte Fläche oder jener Augenblick, in dem aus einem Haufen Einzelteile tatsächlich wieder ein Fahrzeug wird. Und natürlich dieser eine Tag, an dem schwarz auf weiss bestätigt wird: Die Lehrzeit ist geschafft.
Genau um diesen Moment ging es an der Lehrabschlussfeier 2026 der Walliser Sektion von «Carrosserie Suisse» in der «Martignyexpo». Hunderte Anwesende, eine grosse Schar frisch ausgebildeter Berufsleute und mindestens ebenso viele stolze Gesichter sorgten für jene besondere Stimmung, die sich kaum planen lässt. Ein wenig Erleichterung war dabei, aber überall viel Freude.
Im Mittelpunkt standen denn auch nicht Verbandsvertreter, Funktionäre oder Gäste, sondern die jungen Berufsleute selbst. So, wie es sich gehört. Nacheinander betraten sie die Bühne, nahmen ihre eidgenössischen Fähigkeitszeugnisse, Berufsatteste und Auszeichnungen entgegen und liessen sich feiern. Für einen kurzen Augenblick gehörte die grosse Bühne jedem und jeder Einzelnen.
Und das mit gutem Grund. Denn hinter einem solchen Abschluss stecken Jahre voller Arbeit, überbetrieblicher Kurse, Berufsschule, Prüfungen und jener Tage im Lehrbetrieb, an denen manches noch nicht so wollte wie vorgesehen. Im Carrosserie- und Fahrzeuggewerbe kommt hinzu, dass Können nicht allein aus Lehrbüchern stammt.
Präzision lässt sich erklären – beherrschen muss man sie mit den Händen. Wer Bleche formt, Oberflächen vorbereitet, Farben exakt trifft, Bauteile montiert oder moderne Reparaturmethoden anwendet, merkt ziemlich schnell: Zwischen «verstanden» und «gekonnt» liegen manchmal einige Übungsstunden.
Für einen besonderen Akzent in Martigny sorgte Evan Monnet. Der junge Spengler weiss aus eigener Erfahrung, was Ehrgeiz, Training und Durchhaltevermögen bewirken können: An den Swiss Skills 2025 wurde er Vize-Schweizermeister. An diesem Abend richtete er eine ebenso einfache wie treffende Botschaft an alle: Sie sollten «weiter träumen, arbeiten und lernen». Und er erinnerte daran, dass der Lehrabschluss für viele nicht das Ende einer Phase, sondern der Beginn einer grossen Berufskarriere sei.
Am Ende dieses festlichen Tages blieben nicht nur Urkunden, Gratulationen und Erinnerungsfotos. Es blieb vor allem das Gefühl eines Aufbruchs. Für die jungen Berufsleute beginnt nun ein neuer Abschnitt – mit mehr Verantwortung, neuen Möglichkeiten und vermutlich auch der einen oder anderen Herausforderung.
Die Lehre ist vorbei. Das Lernen nicht.