An der Autobahn wird getankt wie am Flughafen: Man zahlt, weil man gerade muss. Wer dagegen ein paar Minuten Geduld aufbringt und die Zapfsäule nicht dort sucht, wo alle vorbeirauschen, sondern dort, wo man tatsächlich wohnt, merkt schnell: Diesel und Benzin sind in der Schweiz keine Preise, sondern eine Standortfrage. Und wer das für übertrieben hält, muss nur einmal die erste Ausfahrt nehmen und vergleichen – der Rest erledigt sich von selbst.

Genau das zeigt die grosse Auswertung des TCS-Benzinpreisradars. Die Community meldet Preise in Echtzeit, damit Autofahrerinnen und Autofahrer nicht blind in die teuerste Falle rollen. Im Jahr 2025 wurden die Preise von rund 3800 Tankstellen in der ganzen Schweiz mehr als einmal aktualisiert – eine Datenmenge, die nicht nach Stammtisch riecht, sondern nach Mustererkennung. Und im mehrjährigen Vergleich fällt noch etwas auf: 2025 waren Benzin- und Dieselpreise so tief wie seit vier Jahren nicht mehr. Tief, wohlgemerkt – nur eben nicht überall.

Ein Sonderfall wäre Samnaun, die Bündner Gemeinde im Zollausschlussgebiet. Dort kann Treibstoff ohne Mineralölsteuer verkauft werden, was die Preisskala hübsch verzerren würde. Logischerweise hat der TCS Samnaun deshalb aus der Auswertung rausgenommen – sonst würde man am Ende «Sparrekord» sagen und eigentlich «Steuerausnahme» meinen.

Beim Bleifrei 95 beginnt das Sparmärchen in Brügg BE, genauer bei der Tankstelle Neubrück Café-Bar: durchschnittlich 1.52 Franken pro Liter. Knapp dahinter die Voegtlin-Meyer AG in Matzendorf SO mit 1.53 Franken – und gleichauf ebenfalls günstig die «Freie Tankstelle» in Langenthal BE sowie Marché Brügg. Man sieht: Wer abseits der grossen Achsen tankt, zahlt eher Marktpreis als Wegzoll.

Am anderen Ende der Skala steht Zürich – nicht die Seelage, sondern das Parkhaus. Im Parkhaus Talgarten kostete Bleifrei 95 im Schnitt 2.37 Franken pro Liter. Gleich teuer: die BP-Autobahntankstelle in Coldrerio TI kurz vor der Grenze. Und wer sich auf der A2 in Richtung Süden ohnehin schon die Geduld aus dem Körper fährt, wird in Monte Carasso (Shell Autostrada Süd) mit 2.35 Franken pro Liter «belohnt» – ein Rappen weniger, als ob das den Charakter der Sache ändern würde.

Bei Bleifrei 98 wird’s noch deutlicher: Das teuerste gab’s ebenfalls an der A2, bei Shell Autostrada Süd in Monte Carasso – durchschnittlich 2.76 Franken pro Liter. Danach folgt die Shell Autostrada Nord in Bellinzona mit 2.66 Franken, und wieder Coldrerio (BP) mit 2.57 Franken. Autobahn bleibt Autobahn: Hier bezahlt man nicht den Sprit, sondern die Ausrede, keine Alternative gesucht zu haben.

Ironischerweise kann man ausgerechnet im Kanton Tessin auch Bleifrei 98 erstaunlich günstig finden – wenn man eben nicht dort tankt, wo die Strasse die Hand aufhält. Bei der Garage Collina d’Oro kostete der Liter im Schnitt nur 1.36 Franken. Dahinter folgen Agrola in Pfäffikon SZ mit 1.42 Franken und die Tankstelle der Garage Mercedes-Benz in Aarau-Rohr mit 1.59 Franken. Wer jetzt fragt, ob das noch derselbe Markt ist, hat die Pointe schon verstanden.

Beim Diesel liegt der günstigste Wert bei MP Biodiesel in Domdidier FR: durchschnittlich 1.59 Franken pro Liter. Auch hier taucht Brügg wieder auf – Neubrück Café-Bar und Marché Brügg gehören zu den zweitgünstigsten Adressen. Und auch hier liefert das Tessin die teuren Schlagzeilen: Bei Eni in Piotta kostete Diesel 2.46 Franken, dahinter folgen BP und Eni in Coldrerio mit 2.44 beziehungsweise 2.43 Franken. Man könnte sagen: Im Süden scheint nicht nur die Sonne intensiver.

Schaut man auf die kantonalen Durchschnittswerte, bestätigt sich das Bild: Am günstigsten sind Diesel und Bleifrei 95 im Kanton Baselland, Bleifrei 98 im Kanton Jura. Teuer wird’s in Uri (Bleifrei 95 und Diesel) sowie in Genf bei Bleifrei 98. Kein Zufall, eher Geografie plus Nachfrage plus «weil man’s kann».

Die Kernaussage der Auswertung ist schlicht und unerquicklich: Entlang der Autobahnen ist Treibstoff deutlich teurer als in peripheren Gebieten. Dazu kommt die Konkurrenz – wo viele Tankstellen stehen, spielt der Markt eher, wo wenige sind, spielt die Geduld der Kundschaft. Der TCS-Benzinpreisradar bleibt damit auch 2026 eine praktische Orientierungshilfe, weil die Community laufend aktualisiert – mit einem Haken, der so alt ist wie der Handel selbst: Die angezeigten Preise sind nicht garantiert und können sich rasch ändern. Wer also an der Autobahn tankt, kauft nicht nur Treibstoff, sondern auch das gute Gefühl, später sagen zu können: «Ich hatte keine Wahl».