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    WLTP ist nett – Winter ist Realität: TCS misst nach

Von Dennis Schneider (Text)

Wer im Winter mit der Familie elektrisch auf die Langstrecke will, merkt schnell: Zwischen «kommt locker durch» und «wird zur Ladepause-Tour» liegen oft nicht Welten – sondern schlicht Technik, Effizienz und ein gutes Zusammenspiel aus beidem. Ein Vergleich des TCS von 14 familientauglichen Elektroautos zeigt bei durchschnittlich 0 °C deutliche Unterschiede, sobald eine lange Fahrt nicht nur auf dem Papier, sondern unter winterlichen Bedingungen durchgespielt wird. Simuliert wurde eine Strecke von rund 580 Kilometern – genug, um aus Reichweite, Verbrauch und Schnellladen eine sehr praktische Frage zu machen: Wie oft muss ich anhalten – und wie lange dauert die Reise wirklich?

Damit die Resultate nicht vom Wetter, vom Verkehrsglück oder vom Fahrstil einzelner Testpersonen abhängen, fand der Vergleich auf dem Prüfstand statt. Die Strecke wurde anhand einer realen Autobahnroute nachgebildet, inklusive Topografie, Geschwindigkeitswechseln und Verkehrsbedingungen. Bewertet wurde nach drei klaren Kriterien: erzielte Reichweite, in 20 Minuten Schnellladen gewonnene Reichweite sowie Energieverbrauch. Nach der Reichweitenmessung ging es an eine Schnellladestation mit hoher Leistung; gemessen wurde, wie viele Kilometer in 20 Minuten nachgeladen werden können – ausgehend von 10 Prozent Ladezustand.

Schon bei der Reichweite trennt sich das Feld überraschend deutlich. Das beste Gesamtergebnis holte der Audi A6 Avant e-tron performance mit 441 Kilometern pro Ladung. Und genau solche Werte entscheiden im Winter darüber, ob eine lange Strecke entspannt bleibt oder sich in Etappen zerlegt. Der Audi gehört zusammen mit dem Smart #5 Premium zu den wenigen Modellen, die die simulierten 580 Kilometer mit nur einem 20-minütigen Ladestopp bewältigen konnten – ein Unterschied, den man unterwegs nicht als Statistik wahrnimmt, sondern als «sind wir bald da?» oder eben nicht.

Am anderen Ende zeigt sich, dass eine grosse Batterie allein keine Garantie ist. Der BYD Sealion 7 Excellence AWD lieferte das schwächste Resultat: Trotz hoher Batteriekapazität blieb er unter den gegebenen Bedingungen unter 300 Kilometern Reichweite. Das heisst in der Praxis: mehr Stopps oder längere Stopps – und damit eine Reise, die sich spürbar streckt. Auch der Volvo EX90 Twin Motor AWD findet sich eher hinten wieder und demonstriert, wie schnell Winter, Gewicht und Leistungsanforderung die Bilanz drücken können.

Der Schlüssel dazu liegt im Verbrauch – und der ist auf der Langstrecke im Winter gnadenlos. An der Spitze steht der Tesla Model Y als effizientestes Auto im Vergleich: 22,2 kWh/100 km, trotz Allradantrieb und SUV-Format. Knapp dahinter folgt der Audi A6 Avant e-tron performance mit 23,2 kWh/100 km – und genau diese Kombination aus guter Effizienz und hoher Ladeperformance erklärt seine starke Gesamtwertung. Denn jeder zusätzliche Kilowattstunde-Verbrauch pro 100 Kilometer ist im Winter nicht nur eine Zahl: Er frisst Reichweite, zwingt früher an die Säule und macht die Ladeplanung enger.

Unten wird das noch deutlicher. Der Volvo EX90 Twin Motor AWD liegt bei 31,6 kWh/100 km, der BYD Sealion 7 Excellence AWD überschreitet sogar 35 kWh/100 km. Solche Werte reduzieren die nutzbare Reichweite spürbar – und sie lassen selbst grosse Batterien schneller «klein» wirken, weil der Energiebedarf auf Autobahntempo bei Kälte eben nicht verhandelt, sondern bezahlt wird.

Auf der Langstrecke wird dann das Schnellladen zum zweiten grossen Hebel – und hier spielt nicht jedes Modell in derselben Liga. Der Audi A6 Avant e-tron performance profitiert von einer 800-Volt-Architektur und gewinnt in 20 Minuten 300 Kilometer Reichweite zurück. Das ist im Vergleich der Bestwert bei der in kurzer Zeit nachgeladenen Reichweite und macht sich direkt in der Reisezeit bemerkbar: Wer pro Ladestopp mehr Kilometer «zurückkauft», kann Stopps reduzieren oder kürzer halten.

Allerdings zeigt der Vergleich auch, dass 800 Volt nicht die einzige Erfolgsformel sind. Tesla und Volkswagen belegen, dass ein sehr effizienter Antrieb plus eine stimmige Ladeleistung ebenfalls weit nach vorne reichen können. Der Volkswagen ID.7 Tourer Pro steht exemplarisch für dieses Gleichgewicht und zählt zu den besten Modellen – knapp hinter dem Tesla Model Y und noch vor dem Smart #5 Premium. Für Familien, die nicht nur Spitzenwerte auf dem Datenblatt, sondern einen verlässlichen Reisepartner suchen, ist genau dieses Zusammenspiel entscheidend: gute Effizienz, berechenbares Laden, und am Ende weniger Zeitverlust an der Infrastruktur.

Spannend ist dabei, dass das Ranking nicht einfach entlang des «Premiumniveaus» verläuft. Top-Ergebnisse sind offenbar keine Frage des Preisschilds, sondern der technischen Auslegung. Mehrere Modelle im oberen Bereich kombinieren kontrollierten Verbrauch mit effizientem Laden, während grössere und schwerere Fahrzeuge trotz grosser Batterien durch mangelnde Effizienz zurückgeworfen werden. Gerade im Winter wird Gewicht zur stillen Nebenrolle, die plötzlich die Hauptfigur spielt: Es kostet Energie – und damit Reichweite, Ladezeit und Flexibilität.

Zur Einordnung gehört auch der Blick auf die Auswahl: Getestet wurden 14 Fahrzeuge von 14 Marken, alle voll elektrisch, familientauglich und mit hoher WLTP-Reichweite von mindestens 500 Kilometern. WLTP ist dabei ein standardisiertes Messverfahren mit gemischtem Fahrprofil (Stadt, Landstrasse, Autobahn), durchgeführt auf dem Prüfstand bei 23 °C und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 46 km/h. Der hier simulierte Winter-Trip bei rund 0 °C setzt also bewusst andere Akzente – näher an dem, was viele auf der Autobahn tatsächlich erleben.

Unterm Strich lautet die nüchterne, aber beruhigende Botschaft: Lange Winterfahrten sind mit einem familientauglichen Elektroauto gut machbar – nur eben nicht mit jedem gleich entspannt. Entscheidend sind reale Effizienz und schnelle, stabile Ladeperformance, nicht die grösste Batterie oder das prestigeträchtigste Logo. Wer im Winter weit fahren will, sollte weniger nach Versprechen und mehr nach dem Zusammenspiel aus Verbrauch, Ladegeschwindigkeit und nachgeladenen Kilometern pro Pause schauen. Denn am Ende zählt nicht, wie gut ein Auto im Prospekt wirkt – sondern wie schnell die Familie wieder im Warmen sitzt und die Autobahn hinter sich lässt.